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Österreich Teuflisch gut Ski fahren

Wer Gasteiner Skiteufel werden will, muss in den Disziplinen Buckelpiste, Tiefschnee und Stilistik antreten. Foto: Gasteinertal Tourismus
Wer Gasteiner Skiteufel werden will, muss in den Disziplinen Buckelpiste, Tiefschnee und Stilistik antreten. Foto: Gasteinertal Tourismus

Der Gasteiner Skiteufel ist ein Sportabzeichen für Skifahrer. Sie müssen sich zwischen Buckeln, im Tiefschnee und auf der Rennstrecke beweisen.

Bad Gastein - Die Sonne lugt vorsichtig zwischen den Wolken hervor, der Schnee auf der Schlossalm oberhalb von Bad Hofgastein knirscht verheißungsvoll unter den Skischuhen. Mit einem satten „Klack“ rasten sie in die Bindung ein, und im nächsten Moment gleiten die Ski auf dem sanft geschwungenen Ziehweg hangabwärts. Dann liegt die Buckelpiste vor den Kandidaten. Wie Wasser, das in der Bewegung erstarrt ist, wölben sich die Hügel den Hang hinunter. „Wichtig ist, in den Knien zu federn und die Buckel damit zu schlucken. Ihr müsst euch das vorstellen wie die Stoßdämpfer eines Geländewagens abseits der Straße“, sagt Skischulleiter Christian Zehentner und demonstriert die Auf-und-ab-Bewegung im Stand. Anschließend umkurvt er in geschmeidigem Rhythmus die Hügel. Die Gruppe folgt nicht ganz so rund, aber mit so viel Federung wie möglich. Das ist nicht nur eine Frage der Ehre, alle möchten nach zwei Tagen Gasteiner Skiteufel sein. Das Abzeichen für sportliche Skifahrer besteht aus den Disziplinen Buckelpiste, Tiefschnee und Stilistik im präparierten Schnee.


Die Idee hatte Zehentners Vater Heinrich im Jahr 1957, um den Gästen eine sportliche Herausforderung zu bieten. Im Winter 2013/2014 belebte der Junior das zwischendurch eingeschlafene Konzept neu. Je nach Leistung erhalten die Skifahrer eine Skiteufel-Nadel zum Anstecken - in Gold, Silber oder Bronze. Dabei ist statt der Toiletten-Haltung eleganter Parallelschwung gefragt. Außerdem testet das Trainiertrio - bestehend aus dem einstigen Synchron- und Tiefschnee-Weltmeister Christian Zehentner, dem Sportarzt Thomas Sinnißbichler und dem viermaligen Weltcup-Sieger Hans Grugger - die Kondition der teuflisch guten Skifahrer in einer langen Abfahrt und stoppt im Riesenslalom-Rennen die Zeit. Oberhalb eines naturbelassenen Hangs, gesäumt von Bäumen, bleibt Frontmann Zehentner stehen. Die watteweiche Wolkendecke ist aufgerissen und gibt den Blick frei zur runden Kuppe des Stubnerkogels auf der gegenüberliegenden Bergseite. Die Sonne lässt den unberührten Schnee wie Diamanten funkeln. Nur wenige Meter abseits der Piste herrscht Stille.


Das Variantenfahren zwischen den Buckeln und im Gelände schult das Gefühl auf dem Ski

Die Gruppe ist allein. Niemand sieht, wie sie sich der nächsten Herausforderung stellt: Tiefschnee. „Je nach Wetter besteht er aus einzelnen Schichten. Deshalb belasten wir beide Ski, damit der eine uns nicht davonfährt, wenn der andere absackt“, erklärt der Lehrer. Angehende Skiteufel sollten jedoch nicht schichtweise versacken, sondern sich souverän hinunterschwingen. „Das Variantenfahren zwischen den Buckeln und im Gelände schult das Gefühl auf dem Ski“, erläutert Zehentner. Für ihn habe Skifahren die Leichtigkeit von Walzertanzen: ein Dreivierteltakt aus Schwungansetzen, Ausführen und Beenden. Dynamisch untermalt er seine Worte und zeichnet mit dem Stock einen Halbkreis in den Schnee. Die Kandidaten versuchen anschließend, die Schichten abseits des gewalzten Weges mit Gefühl zu befahren, ohne durchzubrechen. „Seehr guuat“, lobt Zehentner unsere Bemühungen, „lasst euch Zeit.“


Jederzeit möglichst mühelos die Kontrolle über den eigenen Körper und die Bretter unter den Füßen zu behalten - das will der Schnee-Experte vermitteln. „Dadurch reduziert sich das Verletzungsrisiko, und dann ist dieser Sport auch sehr gesund. Sicherheit geht dabei stets vor Schnelligkeit.“ Dennoch wirke im Laufe eines Tages eine tonnenschwere Last auf die Oberschenkel. „Skifahren ist ein beinharter Sport.“ Die Muskeln jenseits des Knies machen sich längst bemerkbar. Ihnen steckt noch der Riesenslalom um die roten und blauen Tore in den Fasern. Mehrere Probeläufe auf der verharschten Rennstrecke sollten den Rhythmus zwischen den Toren verbessern, haben aber auch Energie geraubt. Bei der Zeitmessung saust nicht jeder mit Bestzeit über die Ziellinie, doch ein lautes „Bravo“ des Trainiertrios begleitet alle zum finalen Bremsschwung. Die Sonne ist inzwischen längst hinter den Bergspitzen versunken und hat auf den Hängen nur kalte Schatten hinterlassen. Der Schnee zischt unter den Kanten durch und wirbelt bei den letzten Schwüngen bis zur Einkehr in weichen Wellen auf. Zurück bleiben nur die Spuren der Ski.

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