Off-Broadway-Musical in Stuttgart Bei „Annie“ ist der Jubel riesengroß

Die Kinderdarsteller bei der Premiere des Musicals „Annie“ im Wizemann. Bis März sind noch weitere 72 Vorstellungen geplant. Foto: Andreas Engelhard 16 Bilder
Die Kinderdarsteller bei der Premiere des Musicals „Annie“ im Wizemann. Bis März sind noch weitere 72 Vorstellungen geplant. Foto: Andreas Engelhard

Wer keine Kinder hat, sollte sich für den Besuch bei „Annie“ welche borgen. Das Musical mit Starbesetzung (dabei: Uwe Kröger) ist ein Spaß, der mit der ganzen Familie umso größer ist. Bei der Premiere der Off-Broadway-Show im Wizemann ist der Jubel riesengroß.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Roter Teppich, ausgefallene Outfits, kreischende Fans, Selfie-Alarm vor der Sponsorenwand im Wizemann: Die Premiere der in den 1970ern und in den 1990ern erneut am Broadway aufgeführten Show „Annie“ wird im kulturellen Hotspot mit Industriecharme unweit des Rosensteinparks nicht viel anders gefeiert als bei den „Großen“ auf den Fildern. Nur, dass alles noch schriller klingt – dank der vielen Kinderstimmen.

Diese Fülle an Kinderdarstellern hat es bei einer mit Profis besetzten Musicalproduktion in Stuttgart noch nie gegeben. Dazu kommen ein zwölfköpfiges Orchester, etliche fürs Publikum vertraute Erwachsenengesichter etwa aus „We will rock you“ sowie ein echter Star, der einen skrupellosen Milliardär spielt, der dank des Waisenkindes Annie – vorhersehbar zwar, aber dennoch berührend – zum Menschen wird: Uwe Kröger, der erste Protagonist der 1994 gestarteten Musical-Ära bei „Miss Saigon“, feiert ein Wiedersehen mit alten Freunden. Die Premierenparty bei Maultaschen und Kartoffelsalat hat was von einem Klassentreffen, bei dem die Alten auf die nächste Generation stolz sind.

Bis März sind 73 Vorstellungen geplant

Nein, nicht alles ist perfekt bei der Premiere. Aber die Leidenschaft und Euphorie der Kinderdarsteller stecken so sehr an, dass man ihnen viel Zuspruch wünscht. Aufgrund des Jugendschutzgesetzes werden die Kinderrollen oft ausgewechselt – alle Mitspieler scheinen beim Start da zu sein.

Leicht wird’s für die „Annie“-Macher nicht, die von der größten Kindermusicalschule der Stadt stammen, den Finanzplan zu erfüllen. Christian Million, Dirigent der Show und Gründer der JAS Stage Academy, gibt zu, dass er zuletzt nicht so gut geschlafen hat. „Um nicht drauflegen zu müssen, brauchen wir bei den 73 Vorstellungen eine durchschnittliche Auslastung von 75 Prozent“, sagt der Künstler, der Unternehmensberater ist und deshalb zwei Welten verbinden kann. Seine Tochter Marie-Sophie hat als Annie überzeugt.

Für ihr Projekt haben Million und seine Mitstreiter eine gemeinnützige Firma gegründet, die sich nicht dem Geldverdienen verschreibt, sondern der Förderung des Nachwuchses. Keiner muss umsonst auftreten. Die Kinder bekommen eine finanzielle Anerkennung, die Profis eine fast normale Gage – beide Seiten lieben es, gemeinsame Sache zu tun. Travestie-Lady Frl. Wommy Wonder
findet es ganz toll, „dass man in der heutigen kommerzorientierten Zeit so mutig ist, dieses Projekt ins Rennen zu schicken“. Als Kind, sagt Wommy, hätte sie nicht so selbstbewusst agieren können. Der SWR-Fernsehmoderatorin Tatjana Geßler bleibt vor allem ein Satz aus der Show haften: „Ohne Lächeln seht ihr nackig aus.“

Viel Prominenz auf dem roten Teppich

Lächelnd und hocherfreut verlässt Popsängerin Jenny Marsala den Saal auf dem Weg zur Premierenparty – sie federt geradezu, aufgeladen von der „sprudelnden Energie des Abends“. Man sollte, rät sie, „mit vielen Kindern die Show besuchen“. Der Sänger Yahya Salman („Ich liebe dir/dich“) sagt, nach der Show wisse man, wie wichtig Familie sei. Gleichzeitig werde klar, dass Familie mehr sei als Blutsverwandtschaft. Auch Freunde könnten Familie sein.

Familie und Freunde der Kinderdarsteller sowie andere Musicalschüler sind reichlich vertreten bei der Premiere, so dass der Jubel frenetischer und lauter kaum sein könnte. Außerdem gesehen: Turnstar Marcel Nguyen, Betty Taube-Günter von „Germany’s next Topmodel“, die Sänger Trevor Jackson, Hannes Staffler. Comedian Michael Gaedt, Clublegende Laura Halding-Hoppenheit. Uwe Kröger pendelt nun zwischen Stuttgart und Wien, wo er im neuen Musical „Heidi“ (Premiere am 10. Oktober) mit Musik von Michael Schanze den Alm-Öhi spielt.

Bleibt zwischen „Anastasia“ und „Aladdin“, den Shows des Marktführers im SI-Centrum, Platz für „Annie“? Wenn ein Off-Broadway-Theater gelingt, kann Stuttgart mit Fug und Recht sagen, eine echte Musicalstadt zu sein. Gib weiter Gas, Annie!

Karten unter www.unter www.annie-das-musical. de oder unter Telefon 0711 / 88 25 76 62.




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