Olaf Scholz bei Pro Sieben Zervakis und Klamroth nerven den SPD-Kanzlerkandidaten

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (r.) bei Linda Zervakis und Louis Klamroth Foto: dpa/Richard Hübner
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (r.) bei Linda Zervakis und Louis Klamroth Foto: dpa/Richard Hübner

Das war die TV-Premiere von Linda Zervakis bei Pro Sieben: Gemeinsam mit Louis Klamroth durfte sie den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz interviewen. Und wie war’s?

Kultur: Tim Schleider (schl)
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München - Das war sie nun also, die mit Spannung erwartete TV-Premiere der frisch gebackenen Politikjournalistin: Am Mittwochabend hatte Linda Zervakis bei Pro Sieben ihren ersten Auftritt in neuer Rolle. Es ist noch keinen Monat her, da feierte die 31-Jährige ihren Abschied als beliebte „Tagesschau“-Sprecherin im Ersten. Nun soll sie helfen, dem Münchner Privatsender ein neues Profil zu verleihen: Pro Sieben will nicht mehr nur der Spaß- und Grölsender sein für männliche Zuschauer in der Spätpubertät. Sondern auch politische Relevanz zeigen. Deswegen bekamen Linda Zervakis und ihr Kollege Louis Klamroth 45 Minuten Primetime zur Verfügung, um dem SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz auf den Zahn zu fühlen.

Und wie war’s? Kurz zusammengefasst: mühsam. Die Moderatoren waren offenbar gut vorbereitet und wollten viele Themenbereiche ansprechen. Am liebsten wäre ihnen offenbar ein zügiger Schlagabtausch gewesen: schnelle Fragen, knackige Antworten. Aber mit dieser Strategie scheitert man natürlich an einem versierten SPD-Politiker, dessen hanseatische Art es nun mal ist, lange Sätze mit vielen Nebensätzen zu bilden und auch gedanklich gern weit auszuholen. Anstatt sich, als klar wurde, dass der Vizekanzler auch beim Jugendsender Pro Sieben diesem Stil treu bleiben würde, zumindest auf einen Mittelweg einzustellen, drückte insbesondere Louis Klamroth immer mehr aufs Tempo, unterbrach Scholz, würgte ihn auch ab – bis an die Grenze der Unfairness. Wenn man bedenkt, dass der 31-jährige TV-Journalist und Schauspieler schon Fernsehpreise für seine Kunst des Moderierens gerade strittiger Themen gewonnen hat, wirkte das wenig professionell.

Annalena Baerbock hatte es deutlich leichter

Anders als Annalena Baerbock, die unlängst bei Pro Sieben im ähnlichen Format ausgiebig Gelegenheit bekam, sich als frische, sympathische Kandidatin für die Zukunft ausbreiten zu können, musste Olaf Scholz sich vor allem für die jüngere Vergangenheit rechtfertigen: Seine mögliche Mitverantwortung für die Wirtschafts- und Finanzskandale um Wirecard und CumEx wurde angetippt, aber natürlich auch nicht ausgeführt; es ging um Fehler in der Corona-Politik und die soziale Kluft zwischen Arm und Reich. Linda Zervakis war bei alledem einen Tick freundlicher gestimmt als Klamroth, aber ebenso themensicher. Neuigkeiten zu all den Fragen gab es natürlich auch bei Pro Sieben nicht aus Scholz’ Mund zu hören.

Die größte Mühe hatte Scholz, als es zum Schluss um das Thema Klimaschutz ging. Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes und die schlingernden Aussagen des SPD-Wahlprogramms dazu lassen die Sozialdemokraten da ja auch nicht gerade glänzend aussehen. Aber auch hier neigte Louis Klamroth sehr dazu, allzu schlicht die Sicht der „Fridays for Future“ zur Grundlage zu machen, weswegen Scholz mit kaum weniger plakativen Textbausteinen darauf reagieren konnte. Wenn es dem Sender darum geht, interessante Wahlkampf-Berichterstattung zu bieten, sollte man den Gästen zumindest die Chance geben, inhaltlich etwas mehr in die Tiefe zu gehen. Sonst ist es einfach nur „Hart aber fair“, nun aber beim Privatfernsehen.

Jetzt kommt Armin Laschet

Am Montag, den 17. Mai, ist Armin Laschet, der Kanzlerkandidat der CDU/CSU, zu Gast bei Pro Sieben. Redaktion und Moderatorinnen sollten dringend am Konzept feilen. Denn der NRW-Ministerpräsident ist bekanntlich noch etwas versierter im ausführlichen Reden als der Bundesfinanzminister. Und sein Lächeln ist noch breiter als das von Olaf Scholz.




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