Olga-Areal im Stuttgarter Westen Aufbruchstimmung im neuen Quartier

Das Olga-Areal gilt als Vorzeigeprojekt –  sowohl was ökologisches Bauen als auch was die soziale Durchmischung angeht Foto: Georg / Friedel
Das Olga-Areal gilt als Vorzeigeprojekt – sowohl was ökologisches Bauen als auch was die soziale Durchmischung angeht Foto: Georg / Friedel

Die Zarentochter und Namenspatronin Olga hätte sicherlich ihre Freude gehabt: Das neue Stadtteilzentrum soll die Generationen zusammenbringen und Nachbarschaft fördern.

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Stuttgart - Die Kinder der Kita Olly-West an der Hasenbergstraße spielen an diesem Nachmittag im Freien. Manche malen mit Kreide bunte Bilder auf die sich durch das Quartier schlängelnden Pflasterwege. Wo sich früher das Olgahospital befand, ist ein neues Viertel mit über 220 Wohnungen emporgewachsen. Auch die SWSG hat auf dem Olga-Areal Wohnraum geschaffen. Im westlichen Teil des 11 600 Quadratmeter großen Geländes sind 28 Wohnungen entstanden – die Hälfte davon ist sozial gefördert. Im Erdgeschoss des SWSG-Gebäudes an der Hasenbergstraße 70 steht die Tür weit offen und an den Fenstern klebt in bunten Buchstaben Olly-West. Es ist der Name des neuen Stadtteil- und Familienzentrums, das in dem SWSG-Gebäude untergebracht ist und von der Caritas Stuttgart betrieben wird. Anna Mehlin begrüßt die Hereinkommenden. Die 28-jährige Sozialarbeiterin leitet seit Juni 2021 die Einrichtung. Vorher hatte sie in einer Begegnungsstätte für Senioren der Arbeiter-Wohlfahrt (Awo) gearbeitet.

Nach der Eröffnung gleich wieder zu

Eigentlich sei das Stadtteil- und Familienzentrum ja bereits im Herbst 2019 eröffnet worden, berichtet sie. Doch dann kam die Corona-Pandemie und die Arbeit stand plötzlich wieder still – bevor sie richtig starten konnte. Umso mehr freut sich Anna Mehlin nun und lädt alle, die hier im Umfeld leben, dazu ein, jetzt endlich einen Blick ins Olly-West zu werfen. „Wir verfolgen einen intergenerativen Ansatz. Jeder darf zu uns kommen“, sagt die Sozialarbeiterin. Momentan sieht hier alles noch nagelneu, ja fast noch unbenutzt, aus: Die weißen Tische und Stühle haben noch keinen einzigen Kratzer im Lack, genauso wie die blitzblank geputzte Salat-Theke für den offenen Mittagstisch. Sie steht in der Ecke für Besucher bereit.

Geplant ist eine offene Begegnungsstätte

Die Räumlichkeiten sind in erster Linie als offener Treff und Begegnungsstätte gedacht, die dem sozialen Austausch, dem Miteinander im Stadtbezirk und dem nachbarschaftlichen Kontakt dienen. Ab dem 4. November soll es jeden Donnerstag eine offene Sprechstunde zu Fragen der Sozial- und Lebensberatung geben: „Dieses Angebot ist vor allem als Beratung für Menschen mit Migrationshintergrund gedacht“, erklärt Mehlin. Es geht um Fragen zum Aufenthaltsrecht und Hilfen für Zugewanderte. Auch eine logopädische Beratung soll es im Stadtteil- und Familienzentrum in Zukunft einmal pro Monat geben. Das Angebot steht jedem offen und ist kostenlos. Die erste Sprechstunde mit einer ausgebildeten Logopädin ist am Mittwoch, 17. November, von 15 bis 18 Uhr geplant. Zudem starten ab November ein Sprachkurs („Mama/Papa lernt Deutsch“), ein Eltern-Baby-Seminar vom Elternseminar Stuttgart und ein Nachhilfeprojekt für Grundschulkinder aus der Schwabschule. Die Nachhilfestunden sollen neu entstandene Lernlücken aus der Coronazeit schließen.

Für Anregungen offen

Zum festen Angebot gehört auch ein regelmäßiger Mittagstisch: „Am Montag und Donnerstag kann man bei uns zwischen 12 und 13.30 Uhr essen“, sagt Mehlin. Das Gericht ist günstig: Sechs Euro kostet das Tellergericht, der Nachtisch 1 Euro, Anmeldung ist erforderlich. Neben dem Mittagessen soll es ab dem 4. November auch ein offenes Café an jedem Donnerstagnachmittag geben: „Es werden Kaffee und Kuchen angeboten, die Leute können hier zusammensitzen, etwas trinken, essen und sich unterhalten“, sagt Mehlin. Für das offene Café sucht die Sozialarbeiterin noch ehrenamtliche Helfer. Für weitere Vorschläge, wie das Olly-West in Zukunft genutzt werden, ist Anna Mehlin offen. Am Samstag, 30. Oktober, ist deshalb von 11 bis 16 Uhr, ein „Tag der Möglichkeiten“ geplant. Bei diesem Termin kann jeder seine Wünsche und Vorstellungen äußern, wie er die Räume des Olly-West gerne mit Leben füllen würde: „Ob das nun die Gründung einer Strick- oder Häkelgruppe oder ein offenes Frühstücksangebot für junge Mütter und Väter ist“, fasst Mehlin zusammen. Auch Kunst und Kultur kann hier gastieren. Zum Beispiel als Ort für eine Wanderausstellungen oder einen Kinoabend. Alles was die Nachbarschaft belebt, ist gern gesehen.

Für Familienfeiern sind die Räume geeignet

Übrigens können Interessierte das Olly-West auch am Wochenende für Familienfeiern mieten. Bonuscard-Besitzer zahlen lediglich acht Euro Miete. Ansonsten sind auch offene Spielenachmittage für Jung und Alt, digitale Bildungsangebote, generationenübergreifende Erzählnachmittage sowie Bingo und Wii-Bowling geplant. Was Mehlin derzeit noch Verdruss bereitet, ist die Baustelle direkt vor „ihrer“ Olly-West-Fensterfront und Eingangstür. Ansonsten herrscht Aufbruchstimmung im neuen Quartier. Kein Wunder: „200 Kinder leben allein im Olga-Areal. Da kann was zusammenwachsen“, freut sich Mehlin. Und dazu passt auch der Name Olly perfekt. Denn als kleines Kind am Hofe des Zaren, so weiß Anna Mehlin, soll Olga Nikolajewna Romanowa, die spätere Gattin des Königs von Württemberg den Spitznamen Olly getragen haben.

Service

Programm und Anmeldung für die Angebote bei Anna Mehlin, Stadtteil- und Familienzentrum, Hasenbergstraße 70, Telefon 20 90 99 62 oder unter a.mehlin@caritas-stuttgart.de




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