Olympionike aus Urbach Das große Ziel ist Rio 2016

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Der 22-Jährige Marcel Fehr von der LG Limes-Rems zählt zu den besten Mittelstreckenläufern Deutschlands. Der Student trainiert täglich zwei Mal, um sein Traumziel, die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016, zu erreichen.

Marcel Fehr hängt sich beim Sport und im Praktikum voll rein. Foto: Gottfried Stoppel
Marcel Fehr hängt sich beim Sport und im Praktikum voll rein. Foto: Gottfried Stoppel

Urbach - Früher ist er meistens hinterher gerannt. Als Bub war es Marcel Fehr nicht sonderlich wichtig zu gewinnen, er war auch gar nicht gut genug für die Podiumsplätze. „Ich war schlecht, das war mir aber egal, der Sport hat trotzdem Spaß gemacht“, sagt er heute und grinst breit. Dabeisein ist alles, das war sein Motto. Der Grundschüler und Leichtathlet aus Welzheim war im Dreikampf – 50 Meter Laufen, Weitsprung, Ballwurf – meistens auf Plätze zwischen 15 und 40 abonniert.

Nicht nur das hat sich komplett geändert. Marcel Fehr ist jetzt 22 Jahre alt, er studiert an der Fachhochschule Ansbach Internationales Management, lebt mit seiner Freundin, der Leichathletin Hanna Klein, in Urbach und gehört zu den besten Mittelstreckenläufern in Deutschland. Das Seuchenjahr 2013 mit vielen Verletzungen hat der junge Mann, der noch bis Ende dieses Jahres für die LG Limes-Rems startet, abgehakt. 2014 lief wieder deutlich besser.

Spitzensportler mit Ambitionen

Fehr lieferte über 5000 Meter die viertbeste Zeit aller deutschen Konkurrenten ab. Und im neuen Jahr will er so richtig durchstarten. „Ich wechsle den Verein, starte ab Januar für die SG Schorndorf.“ Zusammen mit seinem langjährigen Trainer Uwe Schneider, dem gesamten Laufteam und einer Nachwuchsmannschaft sei die Entscheidung gefallen. In Schorndorf soll in einem halben Jahr ein neues Sportzentrum mit Kraftraum eröffnet werden. Künftig muss der Urbacher deshalb nicht mehr so oft nach Stuttgart zum Olympiastützpunkt zum Training fahren.

Zweimal täglich Sport und studieren, einen eigenen Haushalt führen, Zeit haben für die Freundin, die Kumpels und dann auch noch gelegentlich in den Urlaub fahren – wie macht Marcel Fehr das nur? Und wie finanziert der ambitionierte Spitzensportler mit dem großen Ziel Olympia 2016 in Rio sein Leben?

Bestens gelaunt sitzt Marcel Fehr an diesem Mittag in einem Besprechungsraum der Kreissparkasse in Waiblingen. Dieser Ort beantwortet einen Teil der vielen Fragen. Das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut ist sein wichtigster Sponsor. Zurzeit absolviert der 5000-Meter-Läufer bei der Sparkasse ein mehrmonatiges Praktikum für sein Studium – er muss also momentan auch noch durchschnittlich acht Arbeitsstunden in den Alltag integrieren.

Fast jeden Morgen wird trainiert

Er trainiere fast jeden Morgen, sagt Fehr, rennt zum Beispiel sofort nach dem Aufstehen in einer Stunde knapp 17 Kilometer. Dann geht’s zur Arbeit in der Abteilung Unternehmenskommunikation. Entweder über Mittag oder am Abend steht dann die zweite Trainingseinheit an. Dass die Sparkasse ihm extrem flexible Arbeitszeiten ermögliche, das sei wichtig. „Ich laufe am Tag 20 bis 30 Kilometer“, so Fehr, mal lange Strecken am Stück, mal Intervalle, etwa zehn Mal 200 Meter oder fünf Mal 2000 Meter, entweder im Wald, auf dem Remstalradweg oder auf der Finnbahn. Zusätzlich macht er viel Krafttraining.

Das Studium in Bayern ist speziell für Spitzensportler zugeschnitten. Die Studenten müssen nur an rund 20 Tagen je Semester anwesend sein. Pro Semester werden nur 30 Topathleten zugelassen, Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in einen Bundeskader. „Mit mir studieren zum Beispiel der Skispringer Severin Freund und der Triathlet und Ironman-Gewinner Sebastian Kienle.“ Ohne die Unterstützung der Eltern, der Sporthilfe und der Sponsoren wär das alles nicht möglich, sagt Marcel Fehr. Wäre er im Fußball so erfolgreich wie in der Leichtathletik, er hätte vermutlich längst ausgesorgt.

Die Kreissparkasse als Hauptsponsor

Beruflich festlegen wolle er sich zurzeit noch nicht. Nur so viel: „Steuerberater werde ich vermutlich nicht“. Abwarten – Fragen nach der Zukunft im Job müssen vorerst unbeantwortet bleiben. Denn in den nächsten Monaten wird der Traum von den Olympischen Spielen in Brasilien alles dominieren in seinem Leben. Dafür muss Marcel Fehr seine Bestzeit über 5000 Meter von 13:38 Minuten auf 13:15 Minuten verbessern. „Aber wenn ich 13:20 Minuten schaffe, das wäre auch kein Grund die Tasche zu packen, denn auch mit 24 Jahren ist das beste Alter noch lange nicht rum.“ Der Doppelolympiasieger von London 2012 über 5000 und 10 000 Meter, Mo Farah, sei bereits über 30 Jahre alt – und laufe immer noch ganz vorne mit.

Christoph Beck, Abteilungsleiter bei der Kreissparkasse, selbst Hobbyläufer und zurzeit Fehrs Chef, sagt: „Der Marcel arbeitet super mit bei uns, er hängt sich voll rein, wie im Sport.“ Die Sparkasse werde ihn auch in den nächsten Jahre unterstützen. „Und wenn alle Stricke reißen“, wenn es nicht klappen sollte mit Olympia, dann könne der Spitzensportler nach dem Studium gerne „bei uns anfangen.“




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