Online-Banking Per Sprachbefehl Geld überweisen

Marie arbeitet als digitale Assistentin bei der Volksbank Freiburg. Foto: Volksbank Freiburg
Marie arbeitet als digitale Assistentin bei der Volksbank Freiburg. Foto: Volksbank Freiburg

Digitale Assistenten und Robo-Berater sollen Bankkunden das Leben erleichtern. Ein Überblick über verschiedene Angebote auf dem Markt.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)
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Frankfurt - Auch in der Finanzbranche hat die Coronakrise einen Digitalisierungsschub ausgelöst. 26 Prozent der Deutschen wollen laut einer aktuellen Umfrage des Finanztechnologiespezialisten FIS nach Überwindung der Pandemie weiterhin verstärkt den Computer oder das Mobiltelefon für Bankgeschäfte nutzen. Viele Geldhäuser versuchen schon seit Jahren, die Kunden mit neuen digitalen Services zu locken. Eine Übersicht.

Chatbots

Diese kleinen digitalen Assistenten, oft in Form einer Zeichentrickfigur, bieten Besuchern der Websites einiger Kreditinstitute ihre Hilfe an. Ein Beispiel ist Marie, ein Chatbot mit Schwarzwälder Trachtenhut, der bei der Volksbank Freiburg im Einsatz ist. Auf die Bitte „Ich möchte ein Konto eröffnen“ stellt Marie die passenden Rückfragen nach dem Zweck des Kontos und dem Alter des Kunden. Mit der Frage nach einem Riester-Vertrag ist sie allerdings überfordert: „Worum genau geht es denn?“ Der Chatbot sei „noch in Ausbildung“ heißt es auf der Website.

Für ihre menschlichen Kollegen ist Marie nach Aussage der Volksbank Freiburg dennoch eine Unterstützung. Seit der Einführung im April 2020 konnte sie „schon weit mehr als 18 000 Fragen beantworten und hat unser Kundenservicecenter signifikant entlastet“, teilte ein Banksprecher mit. „Gleichzeitig stellt die Kontaktaufnahme über Marie nur eine geringe Hürde für den Kunden dar.“

Bei der Volksbank Stuttgart hilft die digitale Assistentin Laura bei der Erstellung eines Finanzkonzepts für den Immobilienkauf. Der Abschluss des Darlehens erfolgt aber bei einem menschlichen Berater.

Von guten Erfahrungen mit der digitalen Assistentin Linda berichtet auch die Kreissparkasse Waiblingen. Linda beantworte rund 1100 Fragen im Monat und helfe, Wartezeiten für die Kunden zu vermeiden.

Auch auf der Website der Direktbank ING ist ein virtueller Assistent zuhause, der in Form einer Sprechblase mit Smiley-Gesicht daherkommt. Die Deutsche Kreditbank (DKB) dagegen hat ihren 2018 vorgestellten Chatbot „Herbie“ wieder abgeschaltet. Bei den Kunden hätten sich die auf der Website verfügbaren Antworten auf häufige Fragen als beliebter erwiesen, teilte die Pressestelle auf Anfrage mit.

Sprachassistenten

Online-Banking ist bei einigen Geldhäusern auch mündlich möglich. Die meisten Kreditinstitute setzen dabei auf eine Verknüpfung mit den Sprachassistenten der US-Konzerne Amazon, Apple oder Google. Bei der Deutschen Bank beispielsweise sind Überweisungen per Sprachbefehl nur mithilfe der Apple-Assistentin Siri möglich, für Nutzer von Endgeräten anderer Hersteller also nicht.

Für die Sparkassengruppe bietet deren IT-Dienstleister Finanz-Informatik Sprachsteuerungsfunktionen über den Assistenten von Google an. Dafür muss in der Google-Assistant-App die Funktion „Sparkasse Banking“ aufgerufen und dort mit der App verknüpft werden. Noch ist diese Funktion allerdings nicht für alle Sparkassenkunden verfügbar, nur 80 der bundesweit mehr als 350 Institute haben sie im Angebot. In Baden-Württemberg gilt dies für die Kreissparkassen in Böblingen, Esslingen-Nürtingen, Reutlingen und Waiblingen sowie für die Sparkassen Bodensee, Heidelberg, Hochrhein, Kraichgau, Markgräflerland, Rhein Neckar Nord, Ulm und Zollernalb.

Keinerlei Kontozugriff bietet bislang der VR-Sprachassistent der Genossenschaftsbanken. Er gibt Auskunft zu Finanzthemen und Filialöffnungszeiten, kann aber weder für Kontostandsabfragen noch für Überweisungen genutzt werden. Hintergrund ist, dass die VR-Lösung nur im Zusammenspiel mit dem Amazon-Sprachassistenten Alexa funktioniert. Die EU-Zentrale von Amazon lasse Finanztransaktionen via Alexa nicht zu, teilte der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken mit. Der Finanzdienstleister der Genossenschaftsbanken, Fiducia & GAD, arbeitet aber an einer neuen Banking-App mit Sprachsteuerungen. Damit sollen künftig auch mündliche Kontostandsabfragen, Überweisungen und weitere Funktionen möglich sein.

Auf eine in die eigene Banking-App integrierte Lösung setzt schon heute die Commerzbank-Tochter Comdirect. Allerdings wird sie bislang wenig genutzt: „Aktuell liegt der Anteil der Überweisungen per Sprachfunktion noch im einstelligen Prozentbereich“, teilte eine Comdirect-Sprecherin mit.

Robo-Advisors

Mit einem Haufen Blech über Geldanlagen zu sprechen, käme den meisten Menschen wohl sonderbar vor. Doch Robo-Advisors (also Roboter-Berater) haben mit den Robotern aus Science-Fiction-Filmen nichts gemein. Aus Kundensicht funktionieren sie wie ein Online-Fragebogen, in den sie Schritt für Schritt Angaben zu den persönlichen Sparzielen, zu ihrer finanziellen Situation und zur Risikobereitschaft eingeben.

Auf Basis dieser Informationen stellt der Robo-Advisor, also ein spezielles Computerprogramm, eine Mischung aus verschiedenen Aktien- und Rentenfonds für den Kunden zusammen. Bei einigen Anbietern sind auch Anteile von Immobilienfonds dabei sowie Wertpapiere, die die Preisentwicklung bestimmter Rohstoffe abbilden.

In Deutschland tummeln sich rund zwei Dutzend Robos. Einige gehören zu Banken, zum Beispiel „Robin“ von der Deutschen Bank oder die „digitale Vermögensverwaltung“ der Commerzbank-Tochter Cominvest. Die Sparkassen haben ein gemeinsames Angebot namens „Bevestor“, bei den Genossenschaftsbanken heißt es „Meininvest“. Hinzu kommen zahlreiche Robos kleinerer Privatbanken sowie von Start-ups, die in der Finanzbranche Fintechs heißen.

Zwischen den verschiedenen Anbietern gebe es erhebliche Unterschiede, sagt Oliver Hinz, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Frankfurt: „Einige Robo-Advisors entscheiden weitgehend autonom. Bei anderen Banken fließen algorithmische Komponenten und menschliche Expertise zu gleichen Teilen in einer Empfehlung zusammen.“ Über den Anlageerfolg sagt das freilich noch nichts aus.

Übersichten über die von den verschiedenen Anbietern erhobenen Gebühren und die nötigen Mindestbeträge für Sparplan oder Einmalanlage finden sich auf den Vergleichsportalen Verivox und Biallo, die letztgenannte Website liefert auch Zahlen zu den Wertzuwächsen in den vergangenen Jahren. Ausführliche Tests und Empfehlungen finden sich auch bei Finanztip und auf der Website der Stiftung Warentest.

Bequemlichkeit hat ihren Preis

Grundsätzlich gilt: Robos können Verbrauchern, die sich für die Geldanlage mit Fonds interessieren, die Auswahl der Produkte erleichtern. Viele übernehmen zudem die Umschichtung zwischen verschiedenen Anlagen: Wenn sich beispielsweise bei hohen Aktienkursen das ursprünglich festgelegte Mischverhältnis von Aktien und Anleihen im Depot des Kunden ändert, stellt der Robo-Advisor die ursprüngliche Mischung wieder her. Für diese Serviceleistungen fallen aber eben auch Gebühren an.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert zudem seit längerem, es lasse sich nicht überprüfen, ob die auf den Websites erläuterten Anlagestrategien auch wirklich umgesetzt würden. Sie fordert „für den Quellcode der Beratung einen strikten aufsichtsrechtlichen Zulassungs- und Überwachungsprozess“.

Die Finanzaufsicht Bafin erklärte dazu: „Ob solche Algorithmen einer intensiveren Überwachung durch die Bafin unterliegen sollten, obliegt einer Beurteilung durch den Gesetzgeber.“ Robo-Advisors bewegten sich aber nicht in einem kontrollfreien Raum. So prüfe die Bafin, „ob einem Kunden basierend auf den gesetzlich einzuholenden Informationen entweder eine geeignete Anlagestrategie oder ein geeignetes Produkt empfohlen und ob darüber hinaus alle damit zusammenhängenden gesetzlichen Regularien eingehalten wurden“.

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