Orgelfrühling unter Pandemiebedingungen Böblinger Kirchenmusik sucht nach Alternativen

Die Böblinger Kirchenmusikerin Marion Kaßberger wartet immer noch auf ihr Konzertdebüt vor heimischem Publikum Foto: Stefanie Schlecht/Stefanie Schlecht
Die Böblinger Kirchenmusikerin Marion Kaßberger wartet immer noch auf ihr Konzertdebüt vor heimischem Publikum Foto: Stefanie Schlecht/Stefanie Schlecht

Am Samstag beginnt der 26. Böblinger Orgelfrühling mit einem Eröffnungsgottesdienst in der Marienkirche. Das für Sonntag geplante Auftaktkonzert ist allerdings schon wieder abgesagt. Die Pandemiesituation macht es den Organisatoren derzeit schwer.

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Böblingen - Es passt in die Zeit, dass die Pressemitteilung zum diesjährigen Orgelfrühling schon einen Tag nach dem Versenden zumindest teilweise wieder überholt ist. Das weiterhin dynamische Infektionsgeschehen macht langfristige Planungen eben nahezu unmöglich – nicht zuletzt, wenn es um Kulturveranstaltungen geht.

„Da kommt man schon ins Nachdenken“, kommentiert Hubertus Kless diese schwierige Lage. Schon im April 2020 hatte der Vorsitzende des Orgelfördervereins und Organisator der Musikreihe den Orgelfrühling absagen müssen. Dies war gleich in mehrfacher Hinsicht bitter. Zum einen fiel die Kirchenmusikreihe dem Lockdown zum Opfer, zum anderen wurde Marion Kaßberger, die neue Kirchenmusikerin der katholischen Gesamtkirchengemeinde, dadurch auch um ihr Konzertdebüt gebracht.

Wer die Organistin und Klarinettistin als Konzert-Solistin erleben wollte, musste dafür im vergangenen Sommer in die Martinskirche nach Sindelfingen kommen, wo Bezirkskantor Daniel Tepper seine traditionelle Orgelreihe in „musikalischen Andachten“ umgewidmet hatte. Kaßberger war damals als Gastmusikerin eingeladen.

Eben diese Art von Musikveranstaltung wollte Hubertus Kless allerdings zunächst möglichst vermeiden, weil hier unter anderem die Bezahlung der Künstlerinnen und Künstler nur in reduzierter Form erfolge. „Wir wollen die eigentlich bezahlen, wie wir das ursprünglich vorgesehen haben“, betont Kless. Die momentane Lage mache die Suche nach Alternativen aber unumgänglich. Zudem habe Pfarrer Karl Kaufmann signalisiert, dass er dem veränderten Konzept offen gegenüber stehe. Allerdings hat diese Entscheidungen deutliche Auswirkungen auf das Konzertprogramm: „Das muss schon einen geistigen Impuls haben“, erklärt Kless, warum die ursprünglich vorrangig als Konzerte geplanten Veranstaltungen dann zu einem Drittel aus Wort- und zu zwei Dritteln aus Musikbeiträgen bestehen müssten.

Ob dies tatsächlich alles so kommen wird, ist im Moment weiterhin unklar. Zu viele Unplanbarkeiten erschweren den Organisatoren derzeit die Arbeit, weswegen Marion Kaßberger alle Interessierten darum bittet, unter www.boeblinger-orgelfruehling.de auf der Homepage zu der Musikreihe stets die neusten Entwicklungen abzufragen.

Nach derzeitigem Stand sieht die Planung wie folgt aus: Der Eröffnungsgottesdienst mit gregorianischem Gesang und französischem Orgelbarock soll am Samstag 17. April, um 18 Uhr in der Böblinger Marienkirche stattfinden. Abgesagt ist jedoch das für Sonntag, 18. April, geplante Eröffnungskonzert mit der Stuttgarter Kirchenmusikerin Shihono Higa. Ihre Orgelimprovisation zum Buster-Keaton-Stummfilm „The Navigator“ soll jetzt am 26. September stattfinden.

Ob beziehungsweise in welcher Form das für den 2. Mai geplante Gastspiel des Freiburger Orgelprofessors Matthias Maierhofer stattfinden kann, ist laut Kless mit Blick auf die pandemische „Großwetterlage“ derzeit eher unsicher. Wenn er denn wie geplant spielen darf, will Maierhofer Meisterwerke von Johann Sebsatian Bach präsentieren.

Am 16. Mai soll es wenn möglich zu einem „doppelten Heimspiel“ kommen: Marion Kaßberger und der ebenfalls in Böblingen wohnhafte Tuba-Professor Stefan Heimann wollen dieses Konzert gemeinsam gestalten.

Im Rahmen des diözesanen Orgeltages ist am Sonntag 6. Juni um 16 Uhr ein Familienkonzert für Klein und Groß geplant. Auf dem Programm steht das Werk „Die fürchterlichen Fünf“ von Michael Bender. Die Herrenberger Kirchenmusikdirektorin Marianne Aicher und Marion Kaßberger wollen zusammen mit weiteren Mitwirkenden musizieren. Den Abschlussgottesdienst am 19. Juni um 18 Uhr sollen der Trompeter Gábor Szabó und Marion Kaßberger gestalten.

Das Abschlusskonzert des Orgelfrühlings ist für dasselbe Wochenende geplant – wobei der eigentliche Abschluss wegen der Verschiebung des Auftaktkonzerts ja wohl erst im Herbst stattfinden wird. Für dieses Orgelkonzert zu vier Händen und vier Füßen am Sonntag, 20. Juni, steht ein Vortrag der Mannheimerin Marion Krall und des Stuttgarters Lars Schwarze auf dem Programm. Die beiden wollen Orgelbearbeitungen bekannter Werke von Klassik bis Moderne spielen.




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