Ortsumfahrung Sindelfingen-Darmsheim Der erste Tag einer neuen Zeitrechnung

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Die Darmsheimer Ortsumfahrung samt Tunnel ist am Freitag feierlich eingeweiht worden. Für die Einwohner beginnt damit ein ganz neues Kapitel in ihrer Geschichte, die bisher von Autolärm und Staus geprägt gewesen war.

Der Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) und andere Ehrengäste schnitten das Band am Tunnel durch. Foto: factum/Granville 9 Bilder
Der Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) und andere Ehrengäste schnitten das Band am Tunnel durch. Foto: factum/Granville

Sindelfingen - Der 18. Mai 2018 wird in die Geschichte eingehen – nicht nur in die von Sindelfingen-Darmsheim (Kreis Böblingen), sondern auch in die von Dirk Holz. Der 44-Jährige lebt in Darmsheim, direkt oberhalb der Döffinger Straße, die Sindelfingen und Grafenau verbindet. Rund 14 000 Fahrzeuge fahren jeden Tag hier vorbei, ihr Lärm und ihre Abgase beeinträchtigen das Leben im gesamten Ort. Für Dirk Holz und seine Familie wurde die Straße zur ständigen Belastung. „Wir haben den Lärm Tag und Nacht gehört, im Garten, aber auch im Haus. Wenn Motorräder vorbeifuhren, konnte man sich auf der Terrasse nicht unterhalten“, sagte er. Fuhr die Familie in den Urlaub, konnte sie in den ersten Nächten nur schlecht schlafen – der ungewohnten Ruhe wegen.

Doch jetzt muss sich die Familie Holz wieder umgewöhnen. Weil der Tunnel als Teil der Darmsheimer Ortsumfahrung offiziell für den Verkehr freigegeben worden ist und sich die Blechkolonne nicht mehr täglich an ihrem Haus vorbei wälzt, wird es in ihrem Zuhause plötzlich um einiges ruhiger werden. „Das wird ein ganz neues Leben“, sagt der 44-Jährige glücklich.

Kosten von 42 Millionen Euro

Jahrzehntelang haben die Darmsheimer Bürger für die neue Verkehrsverbindung gekämpft. 1000 von ihnen hatten im November 2007 mit einer Traktorendemo auf der Landesstraße auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Die Bürgerinitiative Nordumfahrung (BIN) übergab dem Landtag sogar eine Petition für die Umgehungsstraße. Am 4. Oktober 2010 folgte dann der Spatenstich mit der damaligen Verkehrsministerin Tanja Gönner. Nach einigen Verzögerungen, auch wegen der schwierigen Finanzierung des Projektes, folgte am 20. Januar 2016 der nächste Höhepunkt: Die Tunnelbauer konnten den Durchbruch feiern. Es folgte der Ausbau und die technische Ausstattung des Bauwerks sowie eine groß angelegte Feuerwehrübung.

Und nun, am 18. Mai 2018, durften endlich die ersten Autos die neue Verbindung nutzen. Der Regierungspräsident Wolfgang Reimer war sichtlich glücklich über die erfolgreiche Beendigung des Großprojektes. „Das Regierungspräsidium ist der Bauherr, und ein bisschen stolz darf man dann auch sein“, sagte er in seiner Ansprache vor hunderten Darmsheimern und Gästen, die die Tunneltaufe und Verkehrsfreigabe am Freitagnachmittag vor Ort miterleben wollten. Auch der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) war nach Darmsheim gekommen, um offiziell das Band vor dem Tunnel durchzuschneiden. „Die Ortsumfahrung Darmsheim war eines der größten Landesstraßenprojekte in Baden-Württemberg“, sagte er, die Kosten beliefen sich schließlich auf 42 Millionen Euro. Und auch, wenn die Umfahrung nicht die Lösung für alle Verkehrsprobleme im Kreis sei: „Für Darmsheim ist sie die Lösung.“

Der Stau dürfte der Vergangenheit angehören

Auch für Uwe Binder war dieser sonnige Freitag ein Freudentag. Der Darmsheimer lehnte kurz vor der Tunneltaufe an seinem himmelblauen Traktor aus dem Jahr 1954. „Er hat schon meinem Großvater gehört“, sagte Binder stolz, er selbst habe ihn dann restauriert. Jetzt hatte der Traktor allerdings eine besonders wichtige Aufgabe: Er zog einen der Wagen mit den Ehrengästen als Teil der Traktorenprozession auf der ersten Fahrt durch den Tunnel. Mit lautem Knattern durchmaßen die geschmückten Gefährte die 460 Meter lange Röhre. Binder hatte sich auf diese Fahrt besonders gefreut, wohnt er doch im Darmsheimer Ortskern und hatte täglich unter dem Verkehr zu leiden. „Manchmal stauten sich die Autos durch den Ort bis zur Apotheke“, sagte er. Der Stau dürfte nun auch der Vergangenheit angehören.

Jetzt sei es Aufgabe der Verwaltung, diese Chance für einen Neustart auch zu nutzen, sagte der Sindelfinger OB Bernd Vöhringer (CDU). Und dies wolle er auch tun.