Oskar-Beck-Kolumne „Wahnsinn war dat“

Von Oskar Beck 

Wer nicht alle 40 Jahre absteigt, ist selbst schuld. Das ist historisch belegt, denn der VfB Stuttgart hat mit Trainer Jürgen Sundermann ja schon einmal die zweite Liga erobert – 1976/77. Ein Augenzeugenbericht dieser wunderbaren Wiederauferstehung.

Anno tobak: VfB-Fans feiern die Rückkehr in die Bundesliga. Foto: Baumann 5 Bilder
Anno tobak: VfB-Fans feiern die Rückkehr in die Bundesliga. Foto: Baumann

Stuttgart - Am Freitag startet die zweite Liga. Die meisten VfB-Fans haben keine Ahnung, was das ist und was auf sie zukommt – und sie zittern deshalb wie vor dem Zahnarzt, wenn der sagt: „Ich stopfe mir noch schnell Watte in die Ohren, und dann legen wir los.“

Ruhig Blut. Es wird schon. Das ist jetzt kein billiges Versprechen, sondern historisch belegt. Hier schreibt einer der Überlebenden des letzten VfB-Abstiegs, aber vor allem ein Augen- und Zeitzeuge der wunderbaren Wiederauferstehung danach, und wer jetzt weiterliest, kriegt in der Vorfreude auf das, was den VfB erwartet, gleich feuchte Augen – jedenfalls verliert die zweite Liga schlagartig ihren Schrecken.

Der folgende Blick in die Vergangenheit darf also getrost als Blick in die Zukunft ­betrachtet werden, denn Geschichte wiederholt sich, und wir stehen gerade wieder da, wo Trainer Albert Sing im Frust des Abstiegs ’75 seinem Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder dringend riet: „Clubräume ausschwefeln, Eiterbeulen ausdrücken!“ Für die Umsetzung dieses anspruchsvollen Konzepts war die Stunde null ideal.

Bis zur Wiedergeburt war der Weg ­zunächst trotzdem steinig. Zangengeburt wäre zu wenig gesagt, da drohte ein blutiger Kaiserschnitt, und am besten fangen wir mit dem Schriftstück an, zu dem sich Mayer-Vorfelder gleich als frischgebackener Zweitligist gezwungen sah. Am 27. November 1975 hackte der VfB-Boss fuchsteufelswild die folgende Kriegserklärung an Professor Bausch, den Chef des Süddeutschen Rundfunks, in seine Schreibmaschine:

„Sehr geehrter Herr Intendant, ich möchte Sie über einen Sachverhalt unterrichten, der zu einer Auseinandersetzung zwischen der Sportredaktion Ihres Hauses und dem VfB Stuttgart geführt hat. In der Sportsendung ,S 3‘ am Sonntag, den 16. November 1975, berichteten die Sportredakteure Million und Kaiser über das Spiel des VfB Stuttgart gegen Schweinfurt 05. Im Zuge einer Konferenzschaltung bemerkte Herr Million unter anderem, dass er sofort wieder an das Funkhaus zurückgebe, da dieses Spiel des VfB keine Sekunde Sprechzeit mehr wert sei. Im gleichen Zusammenhang gab Herr Kaiser einen ,Witz‘ zum Besten, wonach in Zukunft an den Wurstständen vor dem Neckarstadion Hundefutter verkauft würde, da sowieso nur noch ,blöde Hunde‘ zu den Spielen des VfB gehen würden.“




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