Ostfildern-Nellingen wird 900 Jahre alt Das einstige „Nallingin“ feiert Jubiläum

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Vor 900 Jahren wurde der Stadtteil Nellingen erstmals erwähnt. Viele Veranstaltungen erinnern in diesem Jahr daran. Das große Festwochenende mit einem Umzug steigt am 27. und 28. Juni.

Die Landwirtschaft, hier eine Ernteszene aus dem Jahr 1946 mit dem Klosterhof im Hintergrund,  spielte in Nellingen  einst eine große Rolle. Foto: Stadtarchiv Ostfildern
Die Landwirtschaft, hier eine Ernteszene aus dem Jahr 1946 mit dem Klosterhof im Hintergrund, spielte in Nellingen einst eine große Rolle. Foto: Stadtarchiv Ostfildern

Ostfildern - Ostfilderns Stadtteil Nellingen hieß einst „Nallingin“. Zumindest ist das auf einer Papsturkunde erstmals schriftlich überliefert. Und weil dieses altehrwürdige Dokument von 1120 stammt, feiert der Teilort in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen. Die Stadt begeht den runden Geburtstag mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm.

Die Urkunde bestätigte laut dem Ostfilderner Stadtarchiv damals eine weitreichende Schenkung des Ortsadeligen Anselm von Nellingen an das Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald. Was bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges durchaus prägend für die Ortsgeschichte war. Denn das Kloster St. Blasien errichtete dort im 13. Jahrhundert eine Propstei, die die Güter des Klosters in Nellingen und Umgebung verwaltete.

Nellingens Ruf als „rotes“ Dorf

Der um 1220 entstandene romanische Kirchturm im Klosterhof erinnert noch heute an diese Zeit. Er hielt selbst dem Zerstörungspotenzial des Städtekriegs im Jahr 1449 und des Bombenangriffs 1944 stand. Auch später war Nellingen regional bedeutsam. Bis zum Jahr 1836 waren eine württembergische Stabskellerei und ein Kameralamt ansässig. Seit 1811 gehörte Nellingen zum Oberamt Esslingen.

Mit der industriellen Revolution entwickelte sich der Ort Ende des 19. Jahrhunderts vom traditionellen Bauerndorf hin zur Arbeiterwohngemeinde. Immer mehr Einwohner fanden Arbeit in den Fabriken des Neckartals, die Landwirtschaft wurde meist nur noch im Nebenerwerb betrieben. Das hatte auch einen politischen Wandel zur Folge, ausgelöst durch die Arbeiterbewegung. Bis ins Jahr 1933 galt Nellingen als „rotes“ Dorf.

Das hatte auch positive Auswirkungen auf die Verkehrsanbindung. Gingen die meisten anfangs noch zu Fuß zur Arbeit, konnten sie von 1926 an die Straßenbahn von Esslingen herauf benutzen, deren Depot in Nellingen eingerichtet wurde. Diese seltene Überlandstraßenbahn prägte die Hauptstraße der Gemeinde bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1978. Im Jahr 1965 wuchs Nellingen gar auf 10 000 Einwohner an. Allerdings nur, weil 1957 die Parksiedlung ins Leben gerufen wurde, die damals als Ortsteil von Nellingen galt und heute ein eigenständiger Stadtteil von Ostfildern ist. Aber auch ohne die Parksiedlung ist Nellingen heute mit fast 10 500 Einwohnern der größte Stadtteil und beheimatet zudem ein großes Schul- sowie ein Kulturzentrum.

Festumzug am Samstag, 27. Juni

An die Ortsgeschichte wird im Laufe des Jahres mit vielen Veranstaltungen erinnert. Geboten werden Kunstprojekte, Ausstellungen, ein Theaterstück, Vorträge und Konzerte. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Wochenende am Samstag und Sonntag, 27. und 28. Juni, mit einem von den Schulen, Vereinen und Händlern gestalteten großen Umzug, der die Historie des Stadtteils thematisiert.




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