Pakete in der Vorweihnachtszeit Im Landtag wird zu viel privat bestellt

Von Christiane Rebhan 

Abendkleider, Möbel, Weihnachtsgeschenke: Die Landtagspoststelle hat jetzt einen Brandbrief an Abgeordnete und deren Mitarbeiter verschickt.

Stephanie Abel, Mitarbeiterin der Poststelle im Landtag, stapelt Pakete, Briefe und Schriftsachen zur Auslieferung auf einen Transportwagen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Stephanie Abel, Mitarbeiterin der Poststelle im Landtag, stapelt Pakete, Briefe und Schriftsachen zur Auslieferung auf einen Transportwagen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Ein fesches Outfit für den Weihnachtsabend von Zalando und den neuen HD-Rekorder von Amazon als Geschenk für Papa – Paketboten klagen regelmäßig in der Vorweihnachtszeit über Überlastung, müssen sie doch vor den besinnlichen Tagen doppelt so viele Sendungen ausliefern wie an einem durchschnittlichen Werktag. Zum Vergleich: An einem normalen Tag im Jahresverlauf verarbeitet die Deutsche Post DHL pro Tag fünf Millionen Pakete, in den Wochen vor Heiligabend sind es elf Millionen; Briefe und Postkarten werden dann 65 Millionen statt 57 Millionen verteilt. Doch die Mehrarbeit trifft nicht nur Paketboten. Mancherorts lassen sich Arbeitnehmer nämlich ihre Weihnachtseinkäufe in die Arbeitsstelle zustellen, wenn sie zur Lieferzeit nicht zu Hause sind.

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So machen das auch Abgeordnete und Mitarbeiter im Landtag in Stuttgart. Dort hat die Poststelle jetzt einen Hilferuf abgesetzt. In einer Rundmail heißt es: „In der Poststelle wird regelmäßig in der Vorweihnachtszeit ein erhöhter Eingang an Postsendungen festgestellt, deren Absender auf einen privaten Inhalt schließen lassen.“ Wenn in den nächsten Wochen Pakete, die ganz eindeutig keinen Bürobedarf, sondern Weihnachtseinkäufe beinhalten, eingingen, würden diese künftig nicht mehr von Mitarbeitern der Poststelle bis in die Büros verteilt.

Die kuriosesten Bestellungen

Die Landtagspoststelle wird also zur Packstation, nur mit kürzeren Öffnungszeiten. An normalen Tagen verteilen die elf Mitarbeiter, die auch als Ordnungshüter im Landtag arbeiten, 100 bis 150 kleine Briefe, 70 bis 100 große Briefe und rund 20 Pakete. Eine Mitarbeiterin ordnet ein: „In der Vorweihnachtszeit kommt hier mehr als doppelt so viel an.“ Die Lieferungen stapelten sich bis zur Decke, die Postschränke der Fraktionen seien völlig überfüllt und quollen auf Beistelltische über. „Wir haben hier schon alles angenommen, von Autoreifen über Abendkleider, Kommoden, Sportgeräte, auch Kochboxen mit frischen Lebensmitteln sind immer wieder dabei“, sagt eine Poststellenmitarbeiterin.

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Das Problem: Nicht nur der Lagerplatz im Haus der Abgeordneten wird knapp, ein Mitarbeiter fährt täglich zweimal mit einem Kombi in die sechs verschiedenen Häuser, auf die Ministerien und Fraktionen verteilt sind, quer durch Stuttgart. „Oft wiegen Pakete bis zu 30 Kilo, wenn das Privates ist und wir es bis in den dritten Stock liefern müssen, ist das sehr ärgerlich“, sagt der Mitarbeiter. Deshalb bittet die Poststelle um Verständnis. „Wir verbieten private Bestellungen nicht, aber jeder soll sich diese dann selbst abholen“, sagt Landtagssprecher Marco Piljic.




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