Pakistan und Indien Treffen der Erzfeinde

Von Willi Germund 

Eine Überraschungsvisite von Delhis Regierungschef Modi bei Pakistans Premierminister Sharif weckt Hoffnungen auf eine Annäherung. Beide Seiten versuchen hohe Erwartungen zu dämpfen, doch schon die freundlichen Gesten zwischen den Atommächten zählen.

Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif (links) und Indiens Regierungschef Narendra Modi  demonstrieren Verbundenheit. Foto: dpa
Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif (links) und Indiens Regierungschef Narendra Modi demonstrieren Verbundenheit. Foto: dpa

Lahore - Die Kulisse im parkähnlichen Privatanwesen des pakistanischen Premierminister Nawaz Sharif wirkte fast so kitschig wie die offizielle Darstellung zum überraschenden Besuch seines Gastes Narendra Modi, des indischen Premierministers. Modi habe nach seinem Staatsbesuch in Afghanistan kurz angerufen und eine Stippvisite angekündigt. Üblicherweise beäugen sich die Chefs der verfeindeten Atommächte mit Vorliebe durch die Zielfernrohre ihrer Waffen. Stattdessen hockte der „Löwe vom Punjab“, wie Sharif sich gerne nennen lässt, plötzlich in Lahore vor drei bernsteinfarbenen Attrappen der Wildkatze und lauschte Modis Komplimenten zu seinem 66. Geburtstag.

Fast zwölf Jahre ist her, seit 2004 Indiens damaliger hindunationalistischer Premierminister und Vater von Indiens Atomwaffenarsenal, Atal Bihari Vajpayee, in der Stadt Lahore den damaligen Diktator Pervez Musharraf besuchte. Die Ausbeute von Modis Hausbesuch war somit eher mager. Vertreter der beiden Außenministerien würden sich Ende Januar treffen, hieß es. Angesichts des „Kalten Friedens“ zwischen den Erzfeinden erhalten freilich Gesten umso mehr Bedeutung. Sharif, der 2014 beim Amtsantritt von Modi auf Anordnung seiner Generäle noch einen unterschriftsreifen Vertrag über Handelsbeziehungen zu Hause lassen musste, darf inzwischen die Annäherung an Delhi pflegen.

Nichts geht ohne die Generäle

Ex-General Nasser Khan Janjua, zuletzt mächtiger Korpskommandeur, zieht nun die außenpolitischen Fäden und hält Armeechef Raheel Sharif auf dem Laufenden. Damit verschwand aus Delhis Sicht ein Hindernis, das ein Diplomat vor einem Jahr so beschrieb: „Gespräche mit Islamabad sind Zeitverschwendung, solange die Generäle in Pakistan nicht an Bord sind.“

Der indische Hindunationalist Modi von der Bharatiya Janata Party (BJP) schwenkte von Konfrontation auf freundliche Gesten um, nachdem seine Partei vor ein paar Wochen bei Bundesstaatswahlen in Bihar eine deutliche Schlappe erhielt. Bis dahin hatte die BJP auf Polarisierung gesetzt. Modis Kritikern wurde nahegelegt, nach Pakistan auszuwandern. Stattdessen kehrten viele Inder der BJP den Rücken zu.

Allerdings waren auch die USA und im Schatten Washingtons die Regierung in Berlin gegenüber Delhi und Islamabad mehr als deutlich geworden, denn die Nachbarn verwandeln die Region mit ihrem atomaren Wettrüsten zunehmend in ein Pulverfass. Vor allem die „taktischen Mini-Atombomben“ Islamabads an der Grenze zu Indien verursachen Gänsehaut. Pakistan beharrt auf einer nuklearen Erstschlagdoktrin, weil Indien die Option konventioneller Attacken auf Pakistan aufrechterhält. Der Besuch Modis ändere nichts an politischen Positionen, mahnten Vertreter beider Länder nun zur Vorsicht.




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