Para-WM in London Niko Kappel kämpft um Gold

Von Ewald Walker 

Er misst nur 1,40 Meter, aber in seiner Sportart ist er ein ganz Großer. Der Welzheimer Niko Kappel kämpft nach dem Kugelstoß-Weltrekord in Biberach in London um die Goldmedaille.

Niko Kappl holt aus zum großen Wurf.Niko Kappel holt aus zum großen Wurf. Foto: dpa
Niko Kappl holt aus zum großen Wurf.Niko Kappel holt aus zum großen Wurf. Foto: dpa

London - Ein Zentimeter Unterschied kann im Sport eine Welt bedeuten. Das hat Kugelstoßer Niko Kappel vom VfL Sindelfingen im vergangenen Jahr erfahren. Am 8. September war der kleinwüchsige Mann aus Welzheim in Rio de Janeiro mit 13,57 Metern Paralympics-Sieger geworden, einen Zentimeter vor seinem polnischen Konkurrenten Bartosz Tryskowski. Dieser kleine Unterschied hatte für den 1,40 Meter großen Kappel große Auswirkungen.

Behindertensportler des Jahres

Es folgten unzählige Ehrungen, ein Medienmarathon mit Einladungen in TV-Studios wie das ZDF-Morgenmagazin, zu Lanz, Sport im Dritten oder auf den Stuttgarter Fernsehturm. Kappel wurde in Deutschland zum Behindertensportler des Jahres gewählt und hielt selber (auf einem Hocker stehend) die Laudatio für die Wahl seines Trainers Peter Salzer zum Trainer des Jahres. Der Goldstoß mit der Vier-Kilo-Kugel machte „Bonsai“, wie ihn seine Trainingskollegen nennen, zur Sportprominenz.

„Es ist toll, wenn man auch als Handicap-Sportler die Leute begeistern kann“, freut sich das Kraftbündel darüber, plötzlich im Rampenlicht zu stehen. Unter den Sportassen wie Robert Harting, Thomas Röhler oder Fabian Hambüchen ist Niko Kappel längst akzeptiert. Mit seinem Paralympics-Sieg hat er zudem Zutritt zur Politikszene erhalten. Als CDU-Wahlmann durfte er im Bundestag in Berlin den neuen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmaier mitwählen. „Sowohl Steinmaier als auch Bundeskanzlerin Merkel haben mich erkannt und begrüßt“, freute sich der Schwabe über die prominente Akzeptanz.

Kappel drückt 170 Kilogramm von der Bank

„Niko hat sich nach seinem Erfolg überhaupt nicht verändert“, sagt Trainer Salzer. Mit sechsmal Training haben sie sich für das große Saisonziel Paralympics-Leichtathletik-WM in dieser Woche in London vorbereitet. Kappel arbeitet nur noch halbtags in der Welzheimer Volksbank, danach wird im Stuttgarter Olympiastützpunkt trainiert. Und wie! Beim Krafttraining drückt er inzwischen 170 Kilo von der Bank und 105 Kilo aus der Kniebeuge nach oben. Kappel ist deshalb noch athletischer geworden. „Da wird mir manchmal angst und bange“, sagt Trainer Salzer. Was wohl notwendig ist, denn der Konkurrent aus Polen ist Profisportler auch mit Unterstützung von Sponsoren.

In Biberach Weltrekord gestoßen

Beim Meeting auf dem Biberacher Marktplatz steigerte der 22-jährige Kappel zuletzt seine Bestleistung um 24 Zentimeter gegenüber dem Vorjahr auf 13,81 Meter – Weltrekord! Weil der Pole Tryskowski inzwischen aber schon 13,98 Meter gestoßen hatte – die Weite konnte jedoch aus formalen Gründen nicht anerkannt werden – ist Niko Kappel sicher: London wird an diesem Donnerstagabend ein heißes Duell der beiden Favoriten bringen. Trainer Salzer weiß, dass sein Schützling mit der Drehstoßtechnik weitere Reserven hat.

„Ich bin total motiviert“, sprüht Kappel vor Motivation. Für Peter Salzer heißt die Frage: Wer wird der erste kleinwüchsige Kugelstoßer über 14 Meter sein? Auf dem Weg zum Wettkampf ist Salzer im Dauerstress. Von der U-23-EM im polnischen Bydgoscz, wo sein Schützling Alina Kenzel (VfL Waiblingen) die Bronzemedaille gewann, flog er am Sonntag nach Kienbaum in das Trainingscamp vor der WM, und von Berlin weiter nach London.

„Ich erwarte ein volles Olympiastadion“

London hat in Kreisen der Behindertensportler eine fast magische Anziehungskraft. Denn dort fanden 2012 nach den Olympischen Spielen die besten Paralympics aller Zeiten („Die wahren Spiele“) statt: mit 2,7 Millionen Zuschauern und Rekord-Übertragungszeiten im Fernsehen. „Ich erwarte ein volles Olympiastadion“, sagt Niko Kappel und man spürt, wie es bei ihm schon kribbelt. Trainer Salzer hat sich bereits festgelegt: „Es wird wieder eine Zentimeterentscheidung werden“.

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