Weil das Parken auf den Flächen der Universität Hohenheim kostet, weichen viele junge Menschen auf die umliegenden Wohnstraßen aus. Die Anwohner sind genervt. Wie könnte eine Lösung aussehen?

Hohenheim - Die Parkplatzsituation rund um den Campus der Universität Hohenheim ärgert nicht nur viele Anwohner in Birkach und Plieningen, sondern auch die Studenten selbst. Wie berichtet, werden die Klagen der Bewohner der an das Universitätsgelände grenzenden Wohnviertel immer lauter. Denn seit die Parkplatzflächen der Uni bewirtschaftet werden, stellen fast alle Studierenden ihre Fahrzeuge – gut zu erkennen an den zahlreichen KFZ-Kennzeichen aus ganz Deutschland – lieber kostenfrei in Anwohnerstraßen ab als auf den Universitätsparkplätzen. Maximal sechs Euro am Tag kostet das Parken für Universitätsfremde auf diesen Flächen. Nur zwei Euro müssten die Studierenden berappen – für die meisten jungen Leute dennoch zu viel. Die Folge: Während die Anwohner der umliegenden Quartiere selbst nur noch schwer einen Parkplatz vor oder auch nur in der Nähe ihrer eigenen Wohnhäuser finden, bleiben die Universitätsparkplätze nahezu ungenutzt.

„Auf den Uniparkplätzen parkt absolut niemand“, bestätigt auch Elvan Jazici. Die Studentin wohnt im angrenzenden Wohnheim an der Egilolfstraße. Auf dem Nummernschild ihres Autos stehen vorneweg die drei Buchstaben FDS für Freudenstadt. Dass es die Anwohner der umliegenden Quartiere ärgert, wenn Studenten wie sie die Wohnstraßen zuparken, versteht die 22-Jährige gut. „Die meisten Studenten haben aber nicht viel Geld“, sagt sie. Die kostenpflichtigen Parkplätzen würden deshalb auch bei der aktuell bestehenden Studentenvergünstigung nicht genützt. „40 oder 50 Euro im Monat fürs Parken auszugeben, das können sich viele nicht leisten.“

Den Studierenden fehle das Geld für die Parkgebühren

Noch im vergangenen Jahr, also bevor die Parkplatzflächen bewirtschaftet wurden, sei die jetzt zugestellte Egilolfstraße immer frei gewesen, erinnert sich die junge Frau. Auf das Auto verzichten kann und will die Studentin indes nicht, wie sie betont. „Die Anbindung der Universität Hohenheim mit Bus und Straßenbahn an den Hauptbahnhof ist einfach zu schlecht.“

Das sieht auch eine 21-jährige Agrarwissenschaftsstudentin so, die, um Geld zu sparen, ihren Mini mit Calwer Autonummer an diesem Morgen wie ihre Kommilitonin an der Egilolfstraße bewusst nicht auf einem der kostenpflichtigen Uni-Parkplätze abgestellt hat. „Selbst, wenn es politisch gewollt sei“, sagt sie, „das Umsteigen auf Bus und Bahn funktioniert in meinem Fall nicht“. Sie komme, wie sie sagt, „aus der Pampa in der Nähe von Bad Herrenalb“. Ihr Anfahrtsweg von Zuhause sei mit dem ÖPNV realistischerweise nicht zu machen. Auch diese Studentin zeigt viel Verständnis für die Klagen der Anwohner. „Vorher hat alles gepasst“, sagt sie. „Jetzt ist es für alle schwierig.“

Die „Pendler-Uni“ sei schlecht an Bus und Bahn angebunden

„Das war absehbar“, sagt Vivien Albrecht vom Asta-Vorstand der Uni und erinnert daran, dass die Studentenschaft vor Einführung der Parkplatzbewirtschaftung den Dialog zur Landesregierung gesucht hatte. „Da kam aber wenig zurück“, sagt die 22-Jährige. Hohenheim sei eine ausgesprochene „Pendler-Uni“, und anders als zentral gelegene Hochschulen in anderen Städten, schwer mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen. „Die Anbindung ist sehr schlecht.“ Eine Lösung für das Dilemma sieht Vivien Albrecht im Falle der Uni Hohenheim nur in der Rücknahme der Parkplatzbewirtschaftung.

Die längst überfällige Evaluierung, die Überprüfung, ob die Bewirtschaftung durch die landeseigene Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW) die Erwartungen erfüllt, habe auf Grund der Pandemie bis jetzt nicht durchgeführt werden können, betont die Bezirksvorsteherin für Birkach und Plieningen, Andrea Lindel. Dass im Gegenzug ein Parkraummanagement für die Anwohnerstraßen, sprich eine Anwohnerparkregelung, wie sie nun ins Spiel gebracht wird, „der Weisheit letzter Schluss“ sei, glaubt Lindel jedoch nicht. Sie fürchtet, dass Anwohner, die dergleichen fordern, sich hinterher darüber beklagen könnten, dass Besucher der Wohnviertel nicht mehr umsonst parken dürfen. „Wir hoffen, dass die Evaluierung bald stattfinden kann.“ Sinnvoll sei diese erst, wenn der Präsenzunterricht an der Uni wieder stattfinde.

Uni hat nur begrenzt Einfluss auf das Parkgebührenmodell

Auch die Universität Hohenheim, die nur begrenzt Einfluss auf das durch einen Kabinettsbeschluss eingeführte landesweite Parkgebührenmodell hat, hofft, „dass das Land und der Bezirk möglichst rasch eine Lösung finden“. Wie ein Universitätssprecher betont, setze sich die Uni-Leitung beim Land weiterhin mit Nachdruck für Unterstützung bei der Umsetzung des Mobilitätsplans ein. Alternativen zum Auto sollen damit attraktiver werden. „Eine wichtige Maßnahme sehen wir zum Beispiel in einer umsteigefreien Stadtbahnverbindung in die Innenstadt über eine neue Gleiskurve in Möhringen oder Verbesserungen bei der Infrastruktur für Fahrräder.“ Doch ob solche Maßnahmen tatsächlich das Parkplatzproblem einer Pendler-Uni lösen können, bleibe abzuwarten.