Parlamentswahl in Großbritannien Miliband gesteht Niederlage ein

Von pn/heg/rtr/dpa/AFP 

Die Konservative Partei von Premierminister David Cameron hat effektiv eine eigene Mehrheit errungen. Die Konservativen könnten mit 325 der 650 Sitze im Parlament rechnen.

Ed Miliband konnte keine Mehrheit für die Labour Party erreichen. Foto: Getty Images Europe
Ed Miliband konnte keine Mehrheit für die Labour Party erreichen. Foto: Getty Images Europe

London - Der britische Oppositionsführer Ed Miliband hat eine Niederlage seiner Labour-Partei bei der Unterhaus-Wahl eingeräumt. Hinter seiner Partei liege eine „enttäuschende Nacht“, sagte Miliband am Freitag in Doncaster. Laut Nachwahlbefragungen kam Labour auf 239 Sitze und unterlag damit überraschend deutlich den regierenden Konservativen, die den Angaben zufolge mit 316 der 650 Sitze rechnen können

Die Konservative Partei von Premierminister David Cameron hat der BBC zufolge bei der Parlamentswahl in Großbritannien effektiv eine eigene Mehrheit errungen. Die Konservativen könnten mit 325 der 650 Sitze im Parlament rechnen, berichtete der Sender am Freitagmorgen.

Der britische Premierminister David Cameron hat den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs zur größten Aufgabe der britischen Regierung für die nächsten fünf Jahre erklärt. Cameron dürfte nach Prognosen als klarer Sieger aus der Parlamentswahl hervorgehen. „Das war eine sehr starke Nacht für die Konservativen“, sagte er.

Statt dem erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen hatte sich in der Nacht ein klarer Sieg der konservativen Tories von Premierminister David Cameron abgezeichnet. Nachwahlbefragungen der großen britischen Fernsehsender BBC, ITV und Sky, die am späten Donnerstagabend veröffentlicht wurden, sagen den Tories 316 und Ed Milibands Labour Party 239 Sitze im Unterhaus voraus.

Prognose sieht für EU-feindliche Ukip nur zwei Sitze

Der Schottischen Nationalpartei (SNP) sagen die Exit Polls derweil einen Wahltriumph in Schottland und 58 der 59 schottischen Sitze für Westminster voraus. Nordirlands Demokratische Unionisten (DUP), die David Cameron ebenfalls unterstützen könnten, kommen angeblich auf acht Sitze. Alle anderen Parteien können nur mit einer kleinen Zahl von Mandaten rechnen. Den Grünen und der Anti-EU-Partei Ukip werden je zwei Sitze voraus gesagt. Ukip-Chef Nigel Farage muss um seinen Einzug ins Parlament bangen. Farage hat seinen Rücktritt vom Parteivorsitz angekündigt, falls er diesmal wieder kein Mandat erhält.

Die Prognose kam als völlige Überraschung für beide politischen Lager. Alle Umfragen vor der Wahl hatten Tories und Labour ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt. Das offizielle Endergebnis wird nicht vor Freitagmittag erwartet. Sollte es bei den Exit-Polls-Zahlen bleiben, hätten sich die Hoffnungen Labours und der Linksparteien auf einen Regierungswechsel zerschlagen.

Erfolg für Schottische Nationalisten

Eine von der SNP unterstützte Labour-Minderheitsregierung scheint nach den Prognosen ausgeschlossen. Parteichefin Nicola Sturgeon hatte sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, um eine weitere Amtszeit Camerons zu verhindern. Miliband schloss jedoch seinerseits eine Zusammenarbeit mit der SNP aus.

Sturgeon rief die SNP-Anhänger im Kurzbotschaftendienst Twitter angesichts der für die Partei überwältigenden Prognosen zunächst zur Zurückhaltung auf. Ein derart starkes SNP-Ergebnis schürt in anderen Teilen Großbritanniens die Befürchtung, dass es in Schottland schon bald einen neuen Anlauf für ein Unabhängigkeitsreferendum geben könnte.

„Wenn die Prognosen stimmen, heißt das, dass die Konservativen klar gewonnen haben“, sagte Michael Gove, ein enger Vertrauter Camerons, im BBC-Fernsehen. Die Labour-Vizechefin Harriet Harman gab ihrerseits zu bedenken, dass in diesem Fall Tories und Liberaldemokraten zusammen „die Mehrheit für ihre Koalition verloren“ hätten.

Britisches EU-Referendum rückt mit Camerons Sieg näher

Cameron hatte vor der Wahl schwer in der Kritik gestanden. Seine eigene Partei hatte ihm einen Sieg nicht uneingeschränkt zugetraut. Mögliche Nachfolger wie Londons Bürgermeister Boris Johnson und Innenministerin Theresa May hatten nur auf die Chance gelauert, Cameron als Parteichef beerben zu können. Selbst Szenarien, in denen die Tories an der Macht blieben, Cameron aber abgelöst wird, machten in der Schlussphase des teilweise hart geführten, inhaltlich aber eher blassen Wahlkampfes die Runde. All das dürfte Vergangenheit sein.

Cameron hatte sich beim Wahlvolk nicht beliebt gemacht. In den fünf Jahren seiner Amtszeit hatte er einen harten Sparkurs eingeschlagen, oft zu Lasten von Arbeitern und Studenten. Und er brachte sein Land an den Rand einer Isolierung in Brüssel. Ein Referendum über den Austritt aus der EU machte er zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Außenpolitik. Sollten sich die ersten Vorhersagen bewahrheiten, gilt sein versprochenes EU-Referendum nun im Herbst 2017 als ausgemachte Sache.




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