60 Jahre Partnerschaft haben die Städte Stuttgart und Straßburg gefeiert. Bald kann man mit einem Elsässer Riesling aus Stuttgart darauf anstoßen.

Ganz glücklich eröffnete das Trio um Eva Leticia mit Sängerin, Cellist und Gitarrist am Montagmorgen die Taufe einer Straßenbahn in Möhringen. Es gab an dieser an guten Botschaften so armen Zeit wahrlich Grund, den Song „Happy“ von Pharell Williams zu spielen: die Taufe einer Straßenbahn. Straßenbahnzüge als rollende Botschafter gibt es bereits seit 1986 in Stuttgart, und auf so mancher Bahn findet man das Wappen einer der Stuttgarter Partnerstädte. Darunter befinden sich die Stadt Cardiff in Großbritannien aber auch Menzel Bourguiba in Tunesien. Die Taufe am Montag ehrt die seit 60 Jahren bestehende Partnerschaft der Stadt Stuttgart mit Straßburg. Am 26. Mai 1962 wurde sie von den beiden damaligen Oberbürgermeistern Arnulf Klett und Pierre Pflimlin initiiert.

Taufe der Straßenbahn auf den Namen „Straßburg“

Gemeinsam tauften die Bürgermeisterin für Soziales und Gesellschaftliche Integration Alexandra Sußmann und die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian die Straßenbahn. Das Wasser dazu stammte aus der Ill in Straßburg. „Der Stadtbahnwagen Straßburg der SSB wird die Stuttgarter Bürger auf allen unserer Strecken immer wieder an diese Stuttgarter Städtepartnerschaft erinnern“, sagte Thomas Moser, der Vorstandssprecher der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Barseghian, die das erste Mal seit ihrem Amtseintritt in Stuttgart ist, betont die Wichtigkeit dieser Städtepartnerschaft. Der Jahrestag biete die Möglichkeit, sich die Bedeutung der Partnerschaft wiederholt vor die Augen zu führen. Die gemeinsamen Werte der Freundschaft, Solidarität über Grenzen und die Ablehnung von Gewalt und Ausbeutung bestärkten die Partnerschaft gerade in schwierigen politischen Zeiten.

Aktive Gestalter der deutsch-französischen Freundschaft

Als sich die Straßburger Oberbürgermeisterin am Montagnachmittag in das goldene Buch im Stuttgarter Rathaus eintrug, betonte auch der OB Frank Nopper, dass die Partnerschaft „intensiv gelebt“ wird. Straßburg sei die Hauptstadt Europas, und die Partnerschaft „stiftet Frieden, Versöhnung und Verständigung“, so Nopper. Gemeinsam sehen sich Stuttgart und Straßburg als aktive Gestalter der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Viele Projekte wie etwa Jugendbegegnungen und Fachbesuche in den Bereichen Kultur, Klima und Städtebau tragen jährlich zum Zusammenhalt der Partnerstädte bei. Einige neue Schwerpunkte möchten die beiden Oberbürgermeister für die Zukunft setzten. Dazu gehört unter anderem das Erlernen des traditionellen „Know-hows“ der anderen. Wie etwa des Weinbaus.

Ein Elsässer Riesling angebaut in Stuttgart

Am Sonntag dürfte so mancher Spaziergänger oder Radfahrer beim Blick in die Weinberge am Cannstatter Zuckerle etwas verwundert gewesen sein. Hoch über dem Neckar flatterten eine deutsche und eine französische Flagge. Der Grund: Hier befindet sich der neue Straßburg-Weinberg. Sowohl das Elsass aber auch Stuttgart sind für Weinkultur bekannt. So haben sich die beiden Anbaugebiete für ein spannendes Projekt entschieden: Mit der Technik der Standortveredlung wird ein Teil einer französischen Rieslingrebe aus dem Elsass mit den seit 1978 hier stehenden Reben verbunden. Diese Veredlung der 500 Pflanzen wird im Juni direkt im Weinberg durchgeführt. Am Sonntag den 27. März packten Barseghian und Nopper mit der Schaufel an, um am Fuß des Weinbergs symbolisch zwei Reben zu pflanzen. „Der Straßburg-Weinberg möge in den nächsten Jahren genauso gut gedeihen, wie es die Partnerschaft in den letzten 60 Jahren getan hat“, sagte Frank Nopper. Man hat sich für die Rebsorte Riesling, die als Königin der weißen Rebsorten gilt, entschieden. „Diese Sorte ist in Frankreich ausschließlich im Elsass zugelassen und ist auch in Württemberg die wichtigste weiße Rebsorte“, sagt Timo Saier, Leiter des Stuttgarter Weinguts. Die passende Rebe hatte sein französischer Kollege Xavier Muller ausgesucht. In den nächsten Jahren soll ein Cuvée „Riesling d’Alsace“ mit vielfältigen Aromen entstehen. Der erste Wein soll 2023 geerntet werden. Wie der edle Tropfen dann heißen wird, ist noch offen.

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