Partylärm in Stuttgart Das Verweilverbot am Max-Eyth-See soll ein Signal sein

Auf der Wiese beim Steg haben die Parties getobt. Foto: Fotoagentur Stuttgart/Andreas Rosar
Auf der Wiese beim Steg haben die Parties getobt. Foto: Fotoagentur Stuttgart/Andreas Rosar

Nach drei Wochenenden mit Tik-Tok-Partys soll nun wieder Ruhe herrschen. Die Partyveranstalter reagieren und suchen sich einen neuen Ort. Was tut die Polizei?

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Die Wiese am Max-Eyth-See ist am Samstagabend tabu. Nach drei Wochenenden, an denen Aufrufe auf Tiktok und in anderen sozialen Netzwerken zu Massenpartys führten, haben die Anwohnerinnen und Anwohner genug vom Lärm und Müll. In deren Namen haben CDU-Bezirksbeiräte sich mit einer Resolution, die man auch als verzweifelten Hilferuf bezeichnen könnte, an das Stuttgarter Rathaus gewandt. „Es reicht“, stand in fetten Lettern darüber. Auch der Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann machte sich stark für ein Eingreifen zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger.

Clemens Maier: „Die Entwicklung lässt uns keine Wahl.“

Sie wurden gehört, und die Stadt erließ eine Allgemeinverfügung, in der ein Verweilverbot für die Grünflächen rund um den See ausgesprochen wurde. „Die Entwicklung lässt uns keine andere Wahl“, sagt der Ordnungsbürgermeister Clemens Maier. „Wir tolerieren nicht, dass sich der Max-Eyth-See zu einem Party-Hotspot mit Tausenden Besuchern entwickelt. Natur und Anwohnerinnen und Anwohner leiden erheblich unter dem Lärm und der Vermüllung“, so Maier weiter. Die Partyzone ist vor allem der Bereich südwestlich des Sees, dort, wo der Max-Eyth-Steg – im Volksmund „Golden-Gate-le“ genannt, von der Austraße über den Neckar in das Naherholungsgebiet führt.

Drei Partys in Folge strapazieren die Nerven

Dass die Stadt nun mit dem Verweilverbot reagiert, begrüßt Ralf Bohlmann sehr. „Das soll ein Signal sein an die größeren Gruppen, die den See als Eventort für sich identifiziert haben“, sagt der Bezirksvorsteher. Dreimal hintereinander über die sozialen Medien so eine Party mit bis zu 2500 Menschen zu organisieren, das sei einfach viel zu viel. Im Bezirk hätten die Menschen erwartet, dass etwas geschehe. Zudem betont Bohlmann die Silbe „Nah“ des Begriffes Naherholungsgebiet: „Es soll ja vor allem für die Leute aus dem Stuttgarter Raum da sein. Aber ich habe Leute aus Illertissen und vom Bodensee gesehen. Die haben gesehen, dass hier etwas los ist, und nehmen die weite Fahrt dafür auf sich“, sagt der Bezirksvorsteher. 70 Prozent, schätzt er, kämmen von weiter weg, aus der Region, aus ganz Baden-Württemberg und Bayern.

Am Freitag haben auch die Veranstalter der Tiktok-Partiys mitbekommen, dass sie am Max-Eyth-See am Wochenende keine Chance haben werden. Darauf reagieren sie: Am Nachmittag stellte jemand ein neues Video auf die Plattform und kündigte mit dem Accountnamen „weekend.partys.0711“ an, dass man sich stattdessen am Eckensee treffen würde. Mehrere Tausend hatten sich das binnen weniger Stunden angesehen.

Die Polizei sucht nach den Urhebern der Einladungen

Nach den Urhebern forscht die Polizei. Einen, verrät Bohlmann, hätten die Ermittelnden schon mal gehabt und mit ihm geredet. Das habe jedoch keinen nachhaltigen Effekt gehabt, denn dann lade jemand anderes über die sozialen Netzwerke zur Party nach Mühlhausen an den Max-Eyth-See ein.

Das Verbot gilt zunächst nur in der Nacht von Samstag, 18. September, auf Sonntag, 19. September. An den Eingängen zum Gelände werde der städtische Vollzugsdienst stehen und auf das Verbot hinweisen. „Die Polizei wird auch da sein“, sagt deren Sprecher Stefan Keilbach. Er rechnet nicht mit einem großen Andrang, da das Verbot schon bekannt sei. „Wer es bis dahin nicht weiß, erfährt es vor Ort.“ Zudem lasse die Stadt den Bereich ausleuchten. Aus polizeilicher Sicht waren die Partys bislang kein Schwerpunkt: Zu Gewaltdelikten und anderen Straftaten sei es nicht gekommen, sagt der Polizeisprecher. Auf den angekündigten Umzug reagiert die Polizei gelassen: In der Innenstadt seien ohnehin viele Einsatzkräfte, die bei unschönen Entwicklungen am See vor der Oper reagieren können.




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