Paula Zobler ist seit 44 Jahren Ortschaftsrätin Ein Leben für den Heimatort

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Seit 44 Jahren sitzt Paula Zobler im Ortschaftsrat Schorndorf-Weiler. Ihr Engagement hat die Mutter von vier Kindern und Landwirtin immer auch als Ausgleich gesehen.

Paula Zobler kennen viele von ihrem Stand auf dem Schorndorfer Markt. Foto: Gottfried Stoppel
Paula Zobler kennen viele von ihrem Stand auf dem Schorndorfer Markt. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Paula Zobler war schon Ortschaftsrätin in Schorndorf-Weiler, da war das jüngste ihrer vier Kinder noch gar nicht auf der Welt. Mittlerweile sitzt schon die nächste Generation der Familie mit ihr am Sitzungstisch: Seit der vergangenen Kommunalwahl ist ihre Enkelin Michelle ebenfalls Mitglied des Ortschaftsrates. „Eigentlich wollte ich in diesem Fall zurückziehen. Aber inzwischen ist es in kleineren Gemeinden erlaubt, dass Verwandte im gleichen Gremium sitzen“, sagt die 75-Jährige, die seit fast 45 Jahren ununterbrochen dem Ortschaftsrat Weiler angehört. Dafür ist sie vor kurzem vom Städtetag Baden-Württemberg mit dem Verdienstabzeichen in Gold mit Lorbeerkranz geehrt worden.

Das Amt als Chance, dem erlernten Beruf nahe zu sein

Geplant war eine so lange Amtszeit sicher nicht. Ursprünglich hatte sich Paula Zobler vor allem deswegen aufstellen lassen, weil sie damit ihrem erlernten Beruf nahe sein konnte. Sie hat den gehobenen Verwaltungsdienst absolviert und im Waiblinger Landratsamt gearbeitet. Doch wegen der Kinder musste sie ihre Stelle aufgeben: „Ich hätte gerne halbtags gearbeitet, aber das hat der damalige Landrat abgelehnt“, erzählt sie, die sich schließlich der heimischen Landwirtschaft zuwandte – obwohl sie gerade das nie wollte.

Paula Zobler war damit aufgewachsen, hatte die Mühen und die viele Arbeit von klein auf kennengelernt: „Ich wollte immer einen guten Beruf, um mich nicht so plagen zu müssen wie meine Mutter.“ Schließlich vergrößerte sie die Landwirtschaft sogar, in den Hochzeiten hatten die Zoblers Kühe, Schweine und Hühner, bauten Obst, Beeren und Kartoffeln an. „Ich freue mich an allem, was wächst und blüht“, sagt Paula Zobler, die vor allem im Sommer mit ihrem kleinen Stand auf dem Samstagsmarkt in Schorndorf zu finden ist.

Im Jahr 1975 war sie die einzige Frau im Ortschaftsrat Weiler

Unterbeschäftigt war sie also nie, doch trotzdem blieb sie dem Ortschaftsrat über Jahrzehnte treu. Dieses Engagement und das Singen im Chor, „das war für mich eine Art Ausgleich. Und als Ortschaftsrat hat man längst nicht soviel Arbeit wie als Stadtrat“, sagt Paula Zobler, die in den Anfangszeiten die einzige Frau im Gremium war und mit 30 Jahren ziemlich jung. „Das ging nur, weil meine Mutter bei uns im Haus gelebt hat und die Kinder abends ins Bett brachte“, erzählt sie.

Als sie in die Kommunalpolitik einstieg, war Weiler gerade seit kurzer Zeit nicht mehr selbstständig. „Im Eingemeindungsvertrag war uns viel zugesagt worden, und um einiges mussten wir kämpfen“, erzählt Paula Zobler. Mit dem Sportplatz habe das ganz gut geklappt, auf die neue Mehrzweckhalle habe man dagegen 20 Jahre warten müssen.

Nur einmal hat sie daran gedacht, den Ortschaftsrat Weiler zu verlassen

Am Herzen habe ihr stets das Thema Kinderbetreuung gelegen: „Wir haben den Kindergarten Hinter dem Zaun vor dem Baugebiet drumherum verwirklicht, weil die Plätze dringend benötigt wurden“, sagt Paula Zobler, die für die Liste Freien Bürger Weiler angetreten ist und die sachorientierte Arbeit im Gremium schätzt: „Parteipolitik ist im Ortschaftsrat nicht notwendig.“

In den ganzen Jahren hat sie nur einmal kurz daran gedacht, das Gremium zu verlassen. Damals hatte sie sich für die frei gewordene Stelle des Verwaltungsbeamten in Weiler beworben – aber ihre Kollegen im Ortschaftsrat lehnten sie ab. „Aber dann habe ich mir gesagt, dass ich es ja nicht wegen ihnen mache, sondern für meine Heimatgemeinde und dass ich das gerne mache.“

Wie lange sie im Amt bleiben möchte? „Bis die Verkehrsregelung der Ortsdurchfahrt durch ist“, erzählt Paula Zobler, die vermutlich noch in dieser Legislaturperiode ihren Platz räumen wird. „Dann kann jemand anderes hineinwachsen.“ Sie ist gespannt, wie sich ein Leben ohne Ortschaftsrat anfühlt: „Das wird bestimmt eine Umstellung nach so langer Zeit.“