Peter Glaser blickt in die Kristallkugel Winter aus dem Labor

Von Peter Glaser 

Rechner, die auf Kristallen basieren, der Pferdekopfnebel als modisches Accessoiree und künstlich erzeugter Schnee: die Zukunft wird unkonventionell  - die Vergangenheit war aber auch nicht ohne, wie unser Kolumnist Peter Glaser zeigt.

Wozu braucht es schon echten Schnee, wenn man ihn auch im Labor erzeugen kann? Foto: dpa
Wozu braucht es schon echten Schnee, wenn man ihn auch im Labor erzeugen kann? Foto: dpa

Stuttgart - Hier geht es in Zukunft um die Zukunft. Das StZ-Hausorakel Peter Glaser befragt einmal die Woche die Kristallkugel nach dem, was morgen oder übermorgen sein wird – und manchmal auch nach der Zukunft von gestern. Dazu als Bonus: der Tweet der Woche!

• Alles schon mal dagewesen? Dieses wissenschaftliche Buch aus dem Jahre 1678 hat ein Smart Cover, wie ein iPad. Die Vorderseite des Buchdeckels aus Schafshaut zeigt nicht wie üblich dekorative Muster, sondern eine aufgedruckte Sonnenuhr. Legt man das Buch in die Sonne und einen Stift auf den Umschlag, kann man ablesen, wie spät es ist. Erik Kwakkel, aus dessen Blog das Fundstück stammt, ist Spezialist für mittelalterliche Schriften an der Universität Leiden und hat bereits vor kurzem für Furore im Netz gesorgt, als er Katzenspuren in einem Buch aus dem 15. Jahrhundert präsentierte.

• In dem Nicolas Roeg-Film "Insignificance" von 1985 erklärt Marilyn Monroe Albert Einstein die Relativität. Roeg ist der Regisseur, von dem unter anderem die Filme "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973) und "Der Mann, der vom Himmel fiel" (1976, mit David Bowie) stammen. "Insignificance" ist die Adaption eines Bühnenstücks von Terry Johnson und lässt jeden seiner bemerkenswerten Charaktere im Jahr 1954 durch ein ganz bestimmtes Hotelzimmer in New York gehen. Etwa in der Mitte des Films erklärt die schöne Schauspielerin dem Professor die Relativität – Johnson, der Autor des Stücks, hatte davon gelesen, dass sich in der Hinterlassenschaft von Marilyn Monroe eine signierte Fotografie von Einstein gefunden hatte.

• Mode meets Wissenschaft: Celine Semaan Vernon verbindet Open Data mit Mode. In ihrer Designboutique Slow Factory präsentiert sie ihre nach dem Nasa-Teleskop benannte Schal-Kollektion Hubble, in der auf feiner Seide kosmische Objekte wie der Pferdekopfnebel oder der Katzenaugennebel glänzen. Zur Auswahl stehen auch Bilder vom Mars und Aufnahmen leuchtender Städte (auf der Erde) vom Weltraum aus.

• Wo bleibt der Winter? Das Wetter ganz nach Wunsch zu manipulieren, gehörte zu den Lieblings-Zukunftsvorstellungen der Sechzigerjahre. Zumindest im ganz Kleinen funktioniert es inzwischen: Wenn es schon keinen richtigen Schnee gibt, dann eben welchen aus dem Labor. Der Physiker Kenneth Libbrecht kann Schneeflocken in ihren eleganten Kristallformen erzeugen, indem er Temperatur und Feuchtigkeit manipuliert.

• Hier noch ein anderer fachkundiger und bemerkenswerter Blick in die winzige Welt des Mikrofotogafen Daniel Stoupin.

• Die Betreiber des Brookhaven National Laboratory (BNL) auf Long Island haben 50 Amateure und Profifotografen zu einem dreistündigen Rundgang hinter die Kulissen des Forschungszentrums eingeladen, in dem die Grenzen der Grundlagenforschung experimentell erkundet werden. Die Fotografen legten ihr ganzes Können in das Erfassen dieser technischen Wunderwerke, die unserer Zukunft ganz neue Richtungen geben können - die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen.

• Und am International Center of Unconventional Computing an der University of the West of England in Bristol beschäftigt man sich mit komplexer Dynamik in physikalischen, chemischen und biologischen Medien, kurz gesagt: mit unkonventionellem Computern, um neue Techniken, Architekturen und Prototypen möglicher Rechner zu entwerfen, die auf nichtlinearen Medien - dabei handelt es sich meist um Kristalle - basieren. | Die Wikipedia über das Unconventional Computing, auch Alternative Computing genannt.

 

Und hier noch wie immer der Tweet der Woche:

 

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