Statt Ziegen kommen künftig Stadtschafe auf den Weiden im Naturschutzgebiet Eichberg in Musberg zum Einsatz.

Musberg - Punkt 36 der Haushaltsänderungsliste, von der Stadtverwaltung jüngst den Gemeinderatsausschüssen zur Beratung vorgelegt, entbehrt nicht einer gewissen kommunalpolitischen Brisanz: 5000 Euro stellt die Verwaltung unter der Haushaltsstelle 1.3600.520000 in den Etat ein. „Erwerb Tiere (Stadtschafe)“ ist am Rande noch zur Begründung vermerkt.

Wenn der Gemeinderat am nächsten Dienstag, 25. März, den Haushalt für 2014 endgültig verabschiedet – woran es nach dem bisherigen Verlauf der Diskussionen keinen Zweifel gibt –, beschließt er damit ausdrücklich auch gravierende Veränderungen bei der Pflege im Naturschutzgebiet im Stadtteil Musberg. Bisher waren dort Ziegen als lebendige Rasenmäher im Einsatz. Künftig wird statt dem Meckern von Ziegen das Blöken von Schafen an die Ohren von Wanderern dringen.

Reizwort Ziegenstall

Stadträte finden diesen Umstand erklärungsbedürftig – schon allein wegen der Vorgeschichte, die als Ziegenstall-Affäre vor vier Jahren sogar bundesweit Schlagzeilen machte und Auslöser war für ein tiefes Zerwürfnis zwischen dem seinerzeitigen Baubürgermeister Frank Otte und dem Oberbürgermeister Roland Klenk. Der Rathaus-Chef jedenfalls verspürt noch immer „Verdrängungsgelüste“, wenn das Stichwort Ziegenstall fällt. Gleichwohl hat er den Technischen Ausschuss – wenn auch hinter verschlossenen Türen – bereits im Spätherbst 2013 über die anstehenden Veränderungen unterrichten lassen.

Die Hintergründe erläutert die neue Erste Bürgermeisterin Eva Noller auf Anfrage der Filder-Zeitung. Die Ziegen, die ein Pächter seit der Fertigstellung des Ziegenstalls im Auftrag der Stadt am Eichberg weiden ließ, hätten zuletzt auch Schäden angerichtet. Zuerst, sagt Noller, sei die 18-köpfige Herde zur Pflege ideal gewesen, „weil das Gelände sehr verbuscht war“. Zuletzt hätten die Ziegen aber auch Bäume angenagt, und das sei in einem Naturschutzgebiet natürlich nicht zu tolerieren.

20 Lämmer und fünf Mutterschafe gekauft

Nun steuert die Stadt L.-E. um. Die Trennung vom Pächter ist bereits vollzogen. Mangels Interessenten an einer Beweidung kümmert sich die Kommune künftig selbst um eine fachgerechte Pflege im Naturschutzgebiet. „20 im vergangenen Jahr geborene Lämmer und fünf Mutterschafe haben wir bereits auf der Alb gekauft. Die Tiere sind zurzeit aber noch bei dem Schäfer“, sagt Noller zum Stand der Dinge. Zwei Ziegen, die ein städtischer Mitarbeiter kostenlos zur Verfügung stelle, „können dann die Brombeeren in Schach halten“. Davon ist die Bürgermeisterin überzeugt.

Schon bald wird die kleine Schafherde in Musberg erwartet und unweit des Sportgeländes dann in den Ziegenstall einziehen. „Anschließend müssen die Tiere erst einmal langsam an frisches Gras als Futter gewöhnt werden“, erläutert die OB-Stellvertreterin. „Im Lauf des Monats April werden wir dann in die Beweidung gehen“, kündigt Eva Noller an.

Aufräumarbeiten notwendig

Stadträte werden entgegen anderslautender Gerüchte nicht zum Einsatz als freiwillige Schafhirten im Naturschutzgebiet verpflichtet. Um die Tiere und die fachgerechte Pflege der Flächen im Naturschutzgebiet kümmert sich fortan ein kleines Team aus dem Rathaus. Dazu gehören federführend Martin Frick, der im Amt für Umwelt, Grünflächen und Tiefbau für Naturschutz und Landschaftspflege zuständig ist, und zwei junge Leute, die dort ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolvieren.

In der Zeit bis zum Eintreffen der Schafe droht ihnen aber keine Langeweile. Bis dahin kümmern sich die FÖJ-Kräfte ums Aufräumen auf dem einen unordentlichen Eindruck vermittelnden Gelände des Ziegenstalls. Ob das Konzept dauerhaft umgesetzt werden kann, ist nach Einschätzung der Bürgermeisterin noch nicht abzusehen. FÖJ-Kräfte werden den Kommunen von der Landeszentrale für politische Bildung zugewiesen. „Wir hoffen, dass sich auch im nächsten Jahr wieder welche finden“, sagt Noller.

Informationen zum Freiwilligen Ökologischen Jahr

FÖJ
Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein ökologisches Bildungsjahr. Es geht dabei um Natur und Umwelt und um Orientierung für das spätere Berufsleben.

Einsatzstellen
Das FÖJ beginnt in der Regel am 1. September und dauert bis zum 31. August des darauffolgenden Jahres. Die Einsatzstellen liegen in Baden-Württemberg – in Städten, aber auch auf dem Land.

Altersgrenze
Die Teilnahme am FÖJ ist nicht mit einer Schulausbildung oder Berufserfahrung verknüpft. Voraussetzung ist aber, dass die Interessenten nicht mehr schulpflichtig und nicht älter als 27 Jahre sind.

Infos
Die Landeszentrale für politische Bildung macht besonders Haupt-, Werk- und Realschulabsolventen Mut, sich für das FÖJ zu bewerben. Ausführliche Infos gibt es im Netz unter http://www.foej-bw.de.

Sitzung
Die Gemeinderatssitzung am Dienstag, 25. März, im Bürgersaal der Zehntscheuer in Echterdingen beginnt um 18 Uhr.