Physik Cern prüft größeren Beschleuniger

Von AFP 

Der Beschleuniger LHC am Forschungszentrum Cern wird zu klein. Vor anderthalb Jahren war mit seiner Hilfe das Higgs-Teilchen nachgewiesen worden. Nun starten die Physiker Machbarkeitsstudien für viel größere Nachfolger des LHC.

Die Teilchenkollisionen ergeben bunte Bilder, in denen die Flugbahnen der Bruchstücke dargestellt werden. In diesem Bild aus dem Detektor CMS haben die Physiker Hinweise auf das Higgs-Teilchen entdeckt. Foto: Cern
Die Teilchenkollisionen ergeben bunte Bilder, in denen die Flugbahnen der Bruchstücke dargestellt werden. In diesem Bild aus dem Detektor CMS haben die Physiker Hinweise auf das Higgs-Teilchen entdeckt. Foto: Cern

Stuttgart - Das europäische Kernforschungszentrum Cern erwägt den Bau eines neuen gigantischen Teilchenbeschleunigers. Unter der Erde zwischen Frankreich und der Schweiz könnte künftig ein bis zu 100 Kilometer langer Ringtunnel gebaut werden, teilte die Forschungseinrichtung am Donnerstag in Genf mit. Eine Machbarkeitsstudie soll kommende Woche lanciert werden: Rund 100 Wissenschaftler aus aller Welt sollen dann in Genf zusammenkommen, um die Studie in Angriff zu nehmen.

Der neue Teilchenbeschleuniger könnte künftig den bisherigen sogenannten LHC-Teilchenbeschleuniger des Cern ablösen. Dieser war ab den 80er Jahren geplant worden und erst 25 Jahre später in Betrieb gegangen. In dem 27 Kilometer langen Ringtunnel mehr als hundert Meter unter der Erde lassen die Cern-Wissenschaftler Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen. Dort kann eine Kollisionsenergie von bis zu 14 Tera-Elektronenvolt (TeV) erreicht werden. Im künftigen Teilchenbeschleuniger soll die Energie bis zu 100 TeV betragen. Seit einigen Jahren wird auch erwogen, einen geraden Teilchenbeschleuniger zu bauen, der etwa 80 Kilometer lang wäre.

Der Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) steht derzeit still und soll 2015 wieder in Betrieb genommen werden. Er soll noch rund 20 Jahre lang laufen. In seinen Detektoren war 2012 die Existenz des als „Gottesteilchen“ bezeichneten Higgs-Teilchen experimentell belegt worden. Im vergangenen Jahr wurden der Brite Peter Higgs und der Belgier François Englert für die Entwicklung der Theorie mit dem Physik-Nobelpreis geehrt. „Wir wissen noch wenig über das Higgs-Boson“, sagte Cern-Forschungsdirektor Sergio Bertolucci. „Erst die nächsten Ergebnisse des LHC werden uns zeigen, welchen Forschungssträngen wir künftig folgen müssen und welche Art von Beschleuniger dazu am besten geeignet ist.“