Insolvenz beim Küchenbauer Letzte Runde für Alno

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Der insolvente Küchenbauer Alno bekommt vermutlich eine letzte Gelegenheit zur Sanierung. Ob sie gelingt, ist mehr als fraglich, wie die Vergangenheit des Pfullendorfer Traditionsunternehmens zeigt, meint Wirtschaftsredakteur Thomas Thieme.

Die Alno-Führung strebt ein Insolvenzverfahren an, dessen Ziel die Sanierung in Eigenregie ist. Foto: dpa
Die Alno-Führung strebt ein Insolvenzverfahren an, dessen Ziel die Sanierung in Eigenregie ist. Foto: dpa

Stuttgart - Wie schafft es ein Unternehmen, das über zwei Jahrzehnte nahezu in jedem Quartal und in jedem Jahr Verluste schreibt, trotzdem immer weiter zu existieren? Diese Frage haben sich viele Beobachter im Umfeld des Küchenbauers Alno lange Zeit gestellt. Nun, da das Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt hat, ist der erste, nachvollziehbare Reflex bei ihnen: Das musste ja so kommen. Das Pfullendorfer Unternehmen mit dem traditionsreichen Markennamen befindet sich seit den neunziger Jahren im stetigen Niedergang.

Sein Fortbestehen hatte es vor allem zwei Umständen zu verdanken: Zum einen ist es immer wieder gelungen, neue Geldgeber zu finden: Seien es strategische Investoren, Finanzinvestoren oder Kleinanleger, die vergeblich darauf setzten, mit Alno-Anleihen oder Aktien ihren Einsatz zu vermehren. Dabei mögen die Strahlkraft der Marke und die Aussicht, dass die Menschen immer eine Küche brauchen, eine Rolle gespielt haben. Ob Küchen aus dem Hause Alno wirklich noch gefragt sind, darüber haben viele Konsumenten längst mit den Füßen abgestimmt – nicht zugunsten der Pfullendorfer. Auf der anderen Seite leisteten die Mitarbeiter, die das sinkende Schiff nicht längst für eine bessere Perspektive verlassen haben, mit eigenem Verzicht über viele Sparrunden hinweg einen Beitrag zum Überleben des Konzerns.

Lieferanten haben nur noch gegen Vorkasse geliefert

Wie aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören ist, haben große Lieferanten zuletzt nur noch gegen Vorkasse die Komponenten geliefert, aus denen in Pfullendorf die Küchen gefertigt werden. Das zeigt, wie schlecht die finanzielle Lage ist, spricht aber auch nicht für den Hauptanteilseigner, der sich ja selbst finanziell stärker engagieren könnte. Ob Tahoe, hinter dem die bosnische Unternehmerfamilie Hastor steht, noch Vertrauen in den Küchenbauer hat, und es schafft, auch die Gläubiger zu Zugeständnissen zu bewegen, wird in den kommenden Wochen entscheidend sein.

So schlecht die Aussichten nun für viele der verbliebenen Alno-Beschäftigten auch sein mögen. Dass die Eigentümer die Notbremse gezogen haben, ist richtig. Der Schritt ist überfällig und war unvermeidbar. Nur so ist eine Zukunft für das Unternehmen, in welcher (verkleinerten) Form auch immer, überhaupt denkbar. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich der sprichwörtliche Schrecken ohne Ende bald in ein Ende mit Schrecken verwandelt.

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