Planspiele in der Handball-Bundesliga Gibt es eine baden-württembergische Meisterschaft?

Von Jürgen Frey 

Bis Mitte Juni wollen die Handball-Bundesligisten Klarheit haben, wann und wie es mit der neuen Saison weitergeht. Eine Taskforce erarbeitet derzeit zahlreiche verschiedene Modelle.

Heiße Derby-Duelle am Kreis zwischen dem TVB Stuttgart und Frisch  Auf Göppingen: Wann geht es in der Handball-Bundesliga wieder los? Foto: Baumann
Heiße Derby-Duelle am Kreis zwischen dem TVB Stuttgart und Frisch Auf Göppingen: Wann geht es in der Handball-Bundesliga wieder los? Foto: Baumann

Stuttgart - „Wir können deutsch reden“, sagt Alexander Kolb zu Beginn des Gesprächs mit einem Lächeln. Der Sportkoordinator von Frisch Auf Göppingen ist der Vertreter der Männer-Handball-Bundesligisten in der Taskforce mit dem internationalen Namen „Return to competition“. Zurück zum Wettkampf soll es gehen. Schritt für Schritt. Viele Fragen stellen sich: Wie können die Handballer auf Ebene des Leistungssports nach einer langen Zeit des Stillstandes und des individuellen Trainings zusammen wieder nach vorn und auf ein hohes Niveau kommen? Wo liegen die Sorgen der Spieler? Gibt es einen Gehaltsverzicht? Wie gestalte ich den Spielplan? Wie gehe ich mit möglichen Geisterspielen um?

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Alexander Kolb ist seit über 20 Jahren im Geschäft und kümmert sich mit Hilfe seiner langjährigen Erfahrung vor allem um die letzten beiden Punkte. Vieles befindet sich in der Schwebe, hängt von der Entwicklung in Gesundheit und Politik ab, von den jeweiligen behördlichen Genehmigungen. Doch die Clubs drängen, bei allem Verständnis für die nach wie vor ungewisse Lage, zumindest auf Ideen, wie und wann es weitergehen soll. „Bis Mitte Juni wollen wir uns noch Zeit lassen“, sagt Kolb. Dann soll es konkret werden. Planspiele gibt es schon jetzt. Die Idealvorstellung wäre, dass Anfang September die neue Saison mit Zuschauern beginnt.

Start im Oktober realistisch

Einen Tick realistischer scheint derzeit ein Start am 1. Oktober, mit möglicherweise nur zum Teil gefüllten Hallen. Auch über einen späteren Start in einer zweigeteilten Liga mit zwei regional ausgerichteten Zehner-Staffeln wird nachgedacht. Und da sämtliche Vorbereitungsturniere abgesagt sind, könnten vor dem Saisonstart auch ganz neue Wege eingeschlagen werden. Ein Denkmodell sieht sogar eine baden-württembergische Meisterschaft mit Frisch Auf Göppingen (dessen iranischer Rückraumspieler Pouya Norouzinezhad zum Bundesliga-Aufsteiger HSC 2000 Coburg wechselt), dem TVB Stuttgart, HBW Balingen-Weilstetten und den Rhein-Neckar Löwen vor. Die Wunschvorstellung wäre, dazu den Fernsehsender SWR für eine Übertragung gewinnen zu können.

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„Noch aber bleibt uns keine andere Wahl, als abzuwarten“, sagt Jürgen Schweikardt, der Trainer und Geschäftsführer des TVB Stuttgart. Sein Verein macht demnächst Angebote für Dauerkarten, die Fans können sich ihren Platz sichern, müssen aber noch nicht bezahlen. Was das Sportliche betrifft, ist für 8. Juli der Start ins Trainingslager ins Zillertal geplant.

Bitters Meinung gefragt

Bis dahin sollte auch der Vertrag mit Nationaltorwart Johannes Bitter formal besiegelt sein. Der 37-Jährige fungiert in der Taskforce in seiner Funktion als Repräsentant der Spielergewerkschaft Goal als Sprecher der Profis. In dieser Funktion gab es im Zuge der Corona-Pandemie eine große Umfrage unter allen Spielerinnen und Spielern der ersten und zweiten Liga, die Ergebnisse wurden den Ligen zur Verfügung gestellt. „Wir haben uns nach den Sorgen und Nöten erkundigt, nach der Trainingsarbeit gefragt, wie viel Zeit für den Wiedereinstieg benötigt wird“, sagt Bitter. Auch „ein Grundverständnis für die schwierige Situation der Vereine sei auf Spielerseite da“.

Bohmann: Ohne Gehaltsverzicht geht es nicht

HBL-Geschäftführer Frank Bohmann hatte zuletzt einen Gehaltsverzicht als unabdingbar bezeichnet: „Da wird es seitens der Spieler und auch Trainer Zugeständnisse geben müssen. Wir brauchen einen Verzicht zum wirtschaftlichen Überleben der Clubs“, so Bohmann. 25 Prozent seien aber grundsätzlich ein „realistischer Wert“. Gerd Hofele, HBL-Vizepräsident und Geschäftsführer von Frisch Auf, hält sich noch bedeckt: „Man muss jetzt schauen, wie schnell die Pandemie bewältigt werden kann. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden wir dann mit unseren Angestellten und Spielern sprechen“, sagte der 54-Jährige. Man könne heute noch nicht konkret über die Höhe eines Gehaltsverzicht sprechen, so der ehemalige Linksaußen, wenn noch gar nicht klar sei, wann das erste Saisonspiel über die Bühne geht.

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Dass wie in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ein 25-prozentiger Gehaltsverzicht an die Lizenzerteilung gekoppelt werden soll, hält Hofele für rechtlich eher nicht haltbar.

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