Politische Fasnet in Weil der Stadt Die Filmindustrie bringt Geld in die Stadt

Von Florian Mader 

An der Fasnet haben der Landrat und Abgeordnete allerlei Vorschläge, um Weil der Stadts Probleme zu lösen.

„Weil der Stadt blickt zurück ohne Frage / auf viele tolle Tage“, findet Landrat Roland Bernhard. Foto: factum/Simon Granville
„Weil der Stadt blickt zurück ohne Frage / auf viele tolle Tage“, findet Landrat Roland Bernhard. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt - Landrat Roland Bernhard hat’s erkannt. „Johannes Kepler und der Brenz / vererbten den Weilern viel Intelligenz“, sagt er, wie immer gekonnt gereimt, am Fasnetssonntagmorgen im Klösterle. Denn bevor es zum Umzug geht, geben sich dort Gastzünfte und politische Prominenz ein Stelldichein und ringen gemeinsam um die Probleme der Stadt.

Aus der fernen Wüste Böblingen ist der Landrat als Cowboy hergeritten gekommen. „Weil der Stadt blickt zurück ohne Frage / auf viele tolle Tage“, sagt er. „Als freie reiche Stadt – wohl dem, der eine solche Geschichte hat.“ Doch Obacht! Mit der Hesse-Bahn will Bernhards Amtsbruder Helmut Riegger ins Städle fahren. „Dieser kleine Krieger hat einen Traum / er will fahren bis in unseren Raum“, berichtet der Böblinger Landrat. Um dann zu konsternieren: „Gleichwohl ist das Kriegsbeil begraben / die Hesse-Bahn kann fahren.“

Dieses Bahnprojekt ist auch das Stichwort für den FDP-Bundestagsabgeordneten Florian Toncar, der sich die lokalen innerstädtischen Zwistigkeiten hat genau erklären lassen und damit den größten Lacher des Vormittags landet: „Das Wichtigste bleibt doch dabei / an Merklingen fährt die Hesse-Bahn vorbei.“ Gleichwohl macht sich Toncar Sorgen, vor allem mit Blick auf die automobildominierte Wirtschaft im Kreis Böblingen. „Für uns kommt es dicke / es klafft eine Arbeitsplatzlücke“, stellt der FDP-Mann fest, um dann als Lösung vorzuschlagen: „Für mich ist es, worauf ich hoff / der umweltfreundliche Wasserstoff.“ Als Raumfahrer verkleidet kam Toncar nach Weil der Stadt. „Auto und S-Bahn sind zwar alle praktisch / doch die Mobilität der Zukunft ist galaktisch.“

Mit den ernsten Ereignissen in Hanau beginnt Sabine Kurtz (CDU), die Abgeordnete und Vizepräsidentin des Landtags, ihre gereimten Ausführungen: „Dieses rechtsextreme Gedankengut / bringt uns Bürger so in Wut.“ Da dürfe man sich aber nicht unterkriegen lassen. „Bei allen diesen Extremen / unsere Kultur lassen wir uns nicht nehmen“, sagt Kurtz.

Dazu gehört auch die Fasnet. „Das ist Brauchtum, wie es seit über 800 Jahren / in unserem Land üblich waren.“ Die als Schwarzwaldmädel mit den auf Ledigkeit hindeutenden roten Bobbeln gewandete Sabine Kurtz macht sich ebenfalls um die Mobilitätswende Sorgen. „Da wollen uns die linken Politikeliten / das Auto ganz verbieten.“ Jedoch: „Fortschritt wird sich doch nicht zeigen / wenn wir vom Auto auf das Fahrrad umsteigen.“

Tobias Brenner, der Chef der SPD-Kreistagsfraktion, hat in seiner Büttenrede ein lokales Thema ausgemacht: „Autofrei wird der Marktplatz mit Bäumen / da lässt sich dann von besseren Zeiten träumen“, schlägt er vor. Die herrschen in Weil der Stadt zurzeit nicht: „Die Gastronomie ist ausgedünnt wie nie / auch gibt’s nur wenig Hotellerie“, stellt er fest. Für die klammen Stadtkassen hat er indessen einen Vorschlag, denn sie könnte mehr von der mittelalterlich-historisch Kulisse profitieren: „Die Filmindustrie hat Geld / da könnten kommen Leute aus der ganzen Welt.“




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