Politisches Comeback? Berlusconi – unschuldig wie ein Lamm

Der 80-jährige Silvio Berlusconi präsentiert mit der Tierrechtsaktivistin Michela Vittoria Brambilla Lämmer, die vor dem Schicksal als Osterbraten bewahrt wurden. Foto: Lega Italiana Difesa Animali e Ambiente
Der 80-jährige Silvio Berlusconi präsentiert mit der Tierrechtsaktivistin Michela Vittoria Brambilla Lämmer, die vor dem Schicksal als Osterbraten bewahrt wurden. Foto: Lega Italiana Difesa Animali e Ambiente

Er führt eine Charmeoffensive mit dem Tierschutz: Der frühere Ministerpräsdient Italiens und Milliardär Silvio Berlusconi bereitet offenbar sein politisches Comeback vor.

Politik: Christoph Link (chl)

Rom - Es sind Bilder, die das Herz erweichen: Der italienische Politiker und Medienunternehmer Silvio Berlusconi (80) – mit Unterbrechungen viermal Ministerpräsident des Landes – streichelt ein Lamm und gibt ihm im Schneidersitz auf dem Rasen die Milchflasche. Entstanden sind die Szenen für einen Videoclip im Garten der Villa Berlusconi in Arcore in der Lombardei. Sie sind Teil einer Kampage von Tierschützern, die das massenhafte Lämmerschlachten vor Ostern verhindern möchte. „Entscheide dich für das Leben, entscheide dich für ein vegetarisches Osterfest’“, heißt der Slogan der italienischen Liga für Tier- und Umweltschutz. Im Video treten auch Francesca Pascale – Lebenspartnerin von Berlusconi seit 2012 – sowie die Forza-Italia-Abgeordnete und Tierschutzpräsidentin Vittoria Brambilla auf.

Berlusconi lässt fünf angeblich von ihm adoptierte Schäfchen in seinem Garten weiden – offenbar werden sie vom Schlachten verschont. Das 39 Sekunden lange Video hat dem früher als politischer Rambo bekannten Politiker viele Sympathien eingebracht. Wenn man ihn so sehe, wie er ein Lamm herze, dann „kann man nicht anders als ihn wenigstens ein bisschen zu mögen“, schreibt etwa die Zeiterung „Corriere della Sera“.

Berlusconi will bei den Parlamentswahlen 2018 dabei sein

Bekannt ist aber auch, dass Berlusconi an einem politischen Comeback bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr feilt. Vor Wochen hatte er dies bereits in Interviews angekündigt. Der Gründer der populistisch-konservativen Partei Forza Italia wartet allerdings auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg. Dort hatte Berlusconi gegen das Verbot einer Bekleidung öffentlicher Ämter geklagt, das ihm im Rahmen einer Verurteilung wegen Steuerbetrugs auferlegt worden war. Ob Berlusconi wieder als Chef des rechten Lagers antritt – seine Forza Italia ist allerdings in den Umfragen auf zwölf Prozent gesunken – das ist offen. Möglich ist auch, dass er sich als Partner einer großen Koalition mit der linken Mitte anbietet, um der Protestpartei Fünf-Sterne-Bewegung Paroli zu bieten.

Ganz ohne Kritik ist Berlusconis Lämmerkampagne übrigens nicht ausgegangen. Der italienische Fleischerverband kritisierte es als unglaublich, dass ausgerechnet ein Unternehmer einer anderen Wirtschaftsbranche so viel Schaden zufüge. Ins gleiche Horn stieß die rechte Partei Lega Nord, die von einer „pseudo-veganen Kampagne“ spricht. Gänzlich unbeantwortet ist auch noch die Frage, was es bei den Berlusconis zu Ostern eigentlich zu essen gibt. „Schneeflöcken“, wie das Lamm aus dem Video heißt, wird es bestimmt nicht sein.




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