Polizei klärt über Betrugsmaschen auf Mit Bäckertüten gegen Schwindler

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Mit Infoständen warnt die Polizei vor betrügerischen Anrufen falscher Enkel und angeblicher Polizeibeamter. Der Polizeipräsident erklärt, warum die Täter immer wieder Erfolg haben.

Informationen und  Brezeln: Mit einem Stand in Schorndorf hat die Polizei für Betrugsmaschen sensibilisiert. Foto: Gottfried Stoppel
Informationen und Brezeln: Mit einem Stand in Schorndorf hat die Polizei für Betrugsmaschen sensibilisiert. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - „Wollen Sie auch eine Polizeibrezel?“ Der angesprochene Mann schaut kurz etwas verdutzt, dann nimmt er dankend an. Wobei es dem Kriminalhauptkommissar Paul Mejzlik weniger darauf ankommt, das Gebäck unters Volk zu bringen. Ihm und seinen Kollegen liegt etwas an der Botschaft auf der Tüte: „Vorsicht, Abzocke!“, mahnen polizeiblaue Lettern. „Die Polizei warnt vor Telefonbetrügern“. Darunter der Hinweis, bei verdächtigen Anrufen sollten Betroffene sofort auflegen und die echte Polizei verständigen.

Zum Auftakt eines länderübereifenden Aktionstages hat die Polizei am Freitag einen Infostand auf dem Schorndorfer Marktplatz aufgebaut. Auch in anderen Orten ist sie präsent. Zentrales Thema der Stände sind Straftaten gegen Senioren – also vor allem Telefonbetrug. Zum seit längerer Zeit verbreiteten Enkeltrick hat sich nun auch die Masche mit falschen Polizeibeamten gesellt. „Das ärgert uns natürlich besonders, weil hier der gute Ruf der Polizei missbraucht wird“, sagt der Aalener Polizeipräsident Reiner Möller.

Bäckertüten mit Infos gegen die Telefonbetrüger

In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl solcher betrügerischer Anrufe explodiert. Zwar blitzen laut der Polizei die Täter in 97 Prozent der Fälle ab, ohne Beute gemacht zu haben. Dennoch geht der Schaden durch den Enkeltrick und die falschen Polizisten in die Millionen – Möller glaubt, dass auch die Dunkelziffer hoch ist. Viele Betrugsopfer würden im Nachhinein ihren Fehler selbst bemerken, sich aber schämen, die Straftat anzuzeigen.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es oft schwer ist, an die potenziellen Opfer heranzukommen“, sagt der Polizeipräsident. Daher sei es zur Idee gekommen, eine Million Bäckertüten mit den Informationen zu bedrucken. Infostände reichen freilich nicht aus, um diese zu verteilen: Auch viele Bäckereien beteiligen sich. Drei Kreissparkassen finanzieren die Aktion. Sie und andere Banken lassen ihre Mitarbeiter auch von der Polizei schulen, wie sie reagieren sollen, wenn eine bekannte, betagte Kundin plötzlich Unsummen an Geld abhebt.

Deshalb haben die Betrüger trotz Allem immer wieder Erfolg:

Trotz alledem kommt es immer wieder vor, dass die Betrüger Erfolg haben. Möller erklärt, wieso: „Die Täter sind oft rhetorisch gut geschult. Sie setzen ihre Opfer unter starken psychischen Druck und behalten sie ständig am Telefon, damit sie nicht dazu kommen, nachzudenken oder Verwandte zu verständigen.“

Auch das Vorgehen der Banden sei äußerst professionell: „Die Anrufe werden nach unserer Erfahrung oft aus Callcentern in der Türkei gemacht.“ Straßenzugweise würden dann gezielt Senioren angerufen. Die Betrüger richten sich offenbar nach den Vornamen der Angerufenen: „Dennis oder Prince bekommen keine Anrufe – Dagmar oder Sieglinde schon“, sagt Möller.

Die Betrügerbanden haben Medienberichte im Blick

Er ist überzeugt, dass die Täter auch Medien fest im Blick haben. „Nach meiner Amtseinführung als Polizeipräsident gab es zum Beispiel viele Anrufe eines angeblichen Kriminalbeamten namens Möller“, sagt er. Er glaube auch, dass es nach der Aktion in Schorndorf erst einmal keine Anrufe mehr in der Stadt geben werde.

Ein paar Meter weiter bekommt gerade eine Frau aus Schorndorf-Weiler eine Brezel. „I ben jetz’ oisaachtzig“, erzählt sie. Einem Schwindler aufgesessen sei sie noch nicht. „I ben ja vorsichtig. Wenn oiner anruft, den i net kenn’, leg’ i glei auf.“ Mit Fremden über ihr Vermögen sprechen: „Das kommt mir net in die Tüte“, sagt sie.




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