In „Sabine“ stößt das Rostocker „Polizeiruf“-Team König und Bukow auf brisanten Sozialfrust. Eine herumgestoßene Zeitarbeiterin greift zur Waffe.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Sabine Brenner ist müde. So richtig müde, existenziell erschöpft. Sie arbeitet als Kantinenfrau einer sterbenden Werft in Rostock, ist bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt und so unterbezahlt, dass sie trotz auslaugender Schichten noch mit Geld vom Amt aufstocken muss. Nun sitzt sie in ihrer Plattenbaubude und drückt sich die Pistole, ein Erbstück aus alten DDR-Betriebskampfgruppentagen, unters Kinn.

Vorerst bringt sich die Titelheldin der „Polizeiruf 110“-Folge „Sabine“ aber nicht um. Wie Luise Heyer sie spielt, dem Umkippen nahe trübsinnig, niedergedrückt von den Geldnöten, der täglichen Missachtung, den Zuständen in der Sozialsiedlung, wo das Brüllen aggressiver Männer und das Heulen geprügelter Frauen abends lauter als TV-Stimmen durch die Wände dringen, das macht die Polizei-Soap zur Nebensache. Obwohl das spreißlige, mit dem Arbeitsalltag nicht gut vereinbare Techtelmechtel zwischen Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) aus der vorigen Folge weitergeführt wird.

Ein ganz mieser Sanierer

Der Drehbuchautor Florian Oeller und der Regisseur Stefan Schaller ziehen das einprägsam Symbolische dem spröde Realistischen vor. Ein Betriebssanierer führt sich hier so überzogen arrogant und menschenverachtend auf, als solle er dem Freundeskreis der Guillotine neuen Zulauf verschaffen. Einmal eilt der Typ so achtlos an Sabine vorbei, dass er nicht einmal merkt, dass die schon eine Waffe auf ihn gerichtet hat. Als reale Situation ist das grenzwertig, als Bild für ein soziales Klima funktioniert es.

Dass Sabine aber tatsächlich zur Täterin wird, das entgleitet immer stärker ins Beliebige und Unwahre. Das Drehbuch braucht zwar anderes. Aber Sabine hätte wohl bloß sich selbst erschossen.

Ausstrahlung: ARD, Sonntag, 14. März 2021, 20.15 Uhr