Porsche Tennis Grand Prix abgesagt Die finanziellen Folgen sind erheblich

Die Lichter in der Stuttgarter Porsche-Arena bleiben aus im April. Foto: Baumann/Julia Rahn
Die Lichter in der Stuttgarter Porsche-Arena bleiben aus im April. Foto: Baumann/Julia Rahn

Die 43. Auflage des Stuttgarter Frauenturniers findet wegen der Coronavirus-Pandemie nicht statt. Die finanziellen Folgen dürften nicht nur die Tennisprofis spüren. Der Hauptsponsor verspricht Hilfe.

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Stuttgart - Goldener Konfettiregen, eine strahlende Siegerin und ein nagelneuer Porsche – auf diese Bilder müssen die Stuttgarter Tennisfans in diesem April verzichten. Am Montagmittag gaben die Veranstalter des Porsche Tennis Grand Prix in der Landeshauptstadt bekannt, dass die 43. Auflage des Traditionsevents (18. bis 26. April 2020) im Zuge der Corona-Pandemie ausfallen wird. „Gerne hätten wir den Tennisfans auch in diesem Jahr wieder Weltklassetennis in der Porsche-Arena geboten“, sagt Markus Günthardt, Turnierdirektor des Porsche Tennis Grand Prix. „Die besonderen Umstände lassen das leider nicht zu.“

Hängepartie sollte vermieden werden

Bereits am Freitag waren Meldungen aufgetaucht, das Sandplatzturnier sei im Zuge des Verbots von Großveranstaltungen der Stadt Stuttgart gestrichen worden. Am Montag nun die offizielle Absage. „Das war eine voreilige Meldung, weil die Stadt uns noch keine endgültige Entscheidung mitgeteilt hatte“, sagt Günthardt. Es sei aber jederzeit klar gewesen, dass sich der Veranstalter an Behördenvorgaben halten werde. Aber erst am Montag sei in Rücksprache mit der Porsche AG, der Frauentennis-Organisation WTA und der Stadt entschieden worden, das in fünf Wochen geplante Turnier abzusagen. „Bis zum Turnierbeginn wäre zwar noch Zeit gewesen. Ein weiteres Abwarten wäre jedoch gegenüber den Spielerinnen, den Fans und unseren Partnern nicht in Ordnung gewesen“, so Günthardt, der eine Hängepartie ähnlich der Situation in der Fußball-Bundesliga vermeiden wollte.

Wie bekommen Fans ihr Geld zurück?

Für die Tennisfans in Stuttgart und ganz Deutschland stellt sich seit Montag die Frage, wie und ob sie bereits bezahlte Tickets zurückerstatten bekommen? „Vollumfänglich und so unbürokratisch wie möglich“, solle das vonstatten gehen, betont Günthardt. Wer online oder via Telefon bei Easy Ticket bestellt hatte, bekommt sein Geld automatisch zurück überweisen. Einzig bei Kreditkartenzahlung muss der Kunde die Hotline (Tel. 0711 2 55 55 55) für eine Erstattung anrufen, „weil die Kreditkartendetails nicht gespeichert werden“, teilt der Veranstalter auf der Homepage mit.

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Rund 15 000 Tickets hatten Günthardt und seine sportliche Leiterin Anke Huber bereits unter die Tennisfans gebracht. Insgesamt strömen in der Regel rund 30 000 Zuschauer in die Porsche-Arena. Zwar sei auch die Option geprüft worden, „hinter verschlossenen Türen oder zu einem späteren Zeitpunkt in der Saison zu spielen“, wie Günthardt berichtet. Beides erwies sich aber als unpraktikabel. „Wir mussten uns die Frage stellen, ob wir – selbst ohne Zuschauer – unseren Spielerinnen, dem Staff und den Ballkindern eine sichere Arbeitsumgebung hätten bieten können. Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der Versuch unverantwortlich wäre.“

„Erhebliches finanzielles Loch“

Die größten Sorgen bereitet ihm das „nicht unerhebliche finanzielle Loch“, das die Absage beim Veranstalter, aber vor allem den vielen Dienstleistern rund um das Tennisevent reißt. „Die Porsche AG hat zugesichert, alle getätigten Auslagen der Dienstleister zu begleichen“, sagt Günthardt, der dennoch fürchtet, dass es für viele kleine und mittelständische Unternehmen ums Überleben gehen wird. „Schließlich ist der Porsche Grand Prix nicht die einzige Veranstaltung, die nicht stattfindet und die fest in den Planungen der Unternehmen einkalkuliert war.“ Für ihn und sein Team gehe es nun darum, mit allen Partnern faire Lösungen zu finden und sich anschließend dem Event im kommenden Jahr zuzuwenden.

Neben Stuttgart fallen auch das Turnier in Istanbul, sowie das WTA-Event in Prag dem Coronavirus zum Opfer. Die WTA gab am Montag bekannt, den Spielbetrieb vorläufig bis mindestens 2. Mai auszusetzen. „Wir werden in der kommenden Woche eine Entscheidung fällen, wie es mit der europäischen Sandplatzsaison weitergeht“, sagte eine WTA-Sprecherin. Auch die French Open in Paris (18. Mai – 7. Juni) stehen französischen Medien zufolge vor der Absage, was die europäischen Vorbereitungsturnier auf Asche obsolet machen würde.

Die Nummer eins der Welt wollte kommen

„Die Spielerinnen wollen spielen“, berichtet Günthardt. Noch am Montag musste er der Nummer eins der Welt, Ashleigh Barty, absagen, die sich nach einer Wild Card erkundigt hatte. Auch sie wollte den goldenen Konfettiregen in Stuttgart nicht verpassen.

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