Premierenwein beim Weindorf in Stuttgart Top-Tropfen aus uralter Terrassenlage

Von Harald Beck 

Im Stuttgarter Weindorf stellt der Weinstädter Nachwuchswengerter Christoph Klopfer den Steillagen-Biowein Mauerpfeffer vom Cannstatter Zuckerle vor.

Christoph Klopfer stellt seinen neuen Steillagenwein Mauerpfeffer vor. Foto: Frank Eppler
Christoph Klopfer stellt seinen neuen Steillagenwein Mauerpfeffer vor. Foto: Frank Eppler

Stuttgart - An solchen Steillagen hat der Weinbau künftig nur mit Piwi-Sorten eine Chance“ sagt der Ecovin-Vorsitzende Andreas Stutz, pilzwiderständige Sorten also, und nimmt in der Laube 34 des Stuttgarter Weindorfs einen Schluck vom kräftig roten Tropfen in seinem Glas. Es handelt sich um einen Wein aus der Cannstatter Terrassenlage Zuckerle, dessen Premierenausgabe der Weinstädter Nachwuchs-Wengerter Christoph Klopfer jetzt im Rahmen des Stuttgarter Weindorfs vorgestellt hat; ganz stilecht in der Laube des Stadtbesens.

Rotweincuvée aus pilzwiderstandsfähigen Sorten

Mauerpfeffer nennt sich die Rotweincuvée aus zwei pilzwiderstandsfähigen Sorten (Piwi), die bisher lediglich ihre Züchtungsnummern als Namen tragen: VB cal.1-22 und VB 91-26-29. Der Mauerpfeffer, so erläutert Klopfer, erinnere gleich mehrfach an den Ort, an dem die Trauben dafür wachsen. Denn zwischen den Rebenreihen wächst auf dem Mäuerleswengert unter anderem der Scharfe Mauerpfeffer, eine krautige Pflanze, deren Namen daher kommt, dass ihre Blätter beim Kauen scharf schmecken.

Die 50 Ar Steillagen-Wengert des Weinstädter Weinguts im Cannstatter Zuckerle stammen aus altem Familienbesitz mütterlicherseits. Da sei es, sagt Christoph Klopfer, Tradition und Verpflichtung, die uralte und entlang des Neckars absolut landschaftsprägende Kulturlandschaft weiter zu bewirtschaften. „Die Alternative, das verwildern zu lassen, weil es sich nicht mehr lohnt, die gibt es einfach nicht.“ Schließlich sind die Trockenmauern im Zuckerle in ihrem Ursprung um die 1000 Jahre alt. Aus dem Jahr 708 stammt die erste urkundliche Erwähnung des Weinbaus in Cannstatt – damals hatte das Kloster Sankt Gallen dort einigen Weinbergbesitz. Bis ins 16. Jahrhundert stand dort vor allem Klevner, Silvaner oder Gutedel. Im 18. Jahrhundert hat sich weitgehend der Trollinger durchgesetzt.

In den terrassierten Steillagen ist der Arbeitsaufwand besonders hoch

Mit dem leichten schwäbischen Nationalgetränk allerdings, das ist für die Wengerter klar, lässt sich längst nicht mehr das erwirtschaften, was nötig ist, um den großen Aufwand in den terrassierten Steillagen gegen zu finanzieren. Dies sollen nun im Klopferschen Mäuerles-Weinberg die 1000 Flaschen vom 2015er Cannstatter Zuckerle Mauerpfeffer schaffen, die vom 1.  September an für 19 Euro je Flasche zu haben sind – als „Wein aus terrassierter und ökologisch bewirtschafteter Steillage“.

Den Tropfen, dessen Piwi-Sorten einen im Idealfall auf Null reduzierten Pflanzenschutz ermöglichen, hat bei seiner Vorstellung im Weindorf auch Sommelier Daniel Hasert mitprobiert. Angesichts der kräftigen rubinroten Farbe und den würzigen, kräuterigen Tönen könne der schwäbische Mauerpfeffer seine Verwandtschaft mit dem italienischen Sangiovese nicht verleugnen. Ein bei 2,9 Gramm Restzucker „praktisch furztrockener“, dabei saftiger, fleischiger Wein mit nur 12,5 Volumenprozent Alkohol und einer schön knackigen Säure hinten ’raus, so lautete die Expertise des Weinhändlers aus dem Remstal. „Dem sage ich ein sehr großes Potenzial voraus, der kann ruhig noch zehn Jahre lagern.“




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