Mit 3:0 schlägt der FC Bayern München ohne großen Kraftaufwand den FC Barcelona in der Champions League – erstmals seit 2001 sind die Spanier nicht in der K.-o.-Runde. Völlig zu recht, wie in den internationalen Pressestimmen zu lesen ist.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Stuttgart - Der FC Bayern hat den (einst) großen FC Barcelona in München sang- und klanglos mit 3:0 im letzten Gruppenspiel abgefertigt und den Katalanen damit das Ticket für die Europa League in die Hände gedrückt – zum ersten Mal seit 2001 findet die Runde der letzten 16 der Champions League ohne den FC Barcelona statt. Die internationale Presse ist darüber nicht wirklich erstaunt und es schwingt mitunter sogar ein wenig Mitleid mit. Ein kleiner Überblick.

Deutschland

Die „Bild“ vergleicht die Bayern mit Kannibalen: „Traumtor von Sané. Bayern frisst Barça auf.“

Der „Kicker“ lobt die Münchner, weil sie nicht mit Halbgas in das für sie bedeutungslose Spiel gegangen sind und auch die Handbremse nicht angezogen hatten: „Keine Wettbewerbsverzerrung, sondern eine makellose Vorrunde: Bayern schießt Barça in die Europa League.“

Der „Süddeutsche Zeitung“ tut der neue Barca-Trainer Xavi Hernandez ein wenig leid: „Ein trauriger Xavi in München. Gierige Bayern werfen Barcelona raus.“

Der „Spiegel“ teil den Barca-Kickern die Konfektionsgröße „XS“ zu: Für den FC Bayern eine Nummer zu klein. Erstmals nach 21 Jahren ist der große FC Barcelona in der Vorrunde der Königsklasse gescheitert. Beim 0:3 in München waren die Katalanen chancenlos. Auch Torwart Marc-André ter Stegen griff daneben.

Und „Spox“ betont auch, wo sich der spanische Club demnächst zurecht finden muss: „Lockere Machtdemonstration! Bayern schickt Barcelona in die Europa League.“

Spanien

Eine ordentliche Portion Häme ist bei „Sport“ offensichtlich nötig, um das Debakel zu beschreiben: „Barça steigt in die zweite europäische Liga ab. Der Verein stößt in eine neue Dimension vor. In eine, die weit entfernt ist von der Elite des europäischen Fußballs.“

Und „El Mundo Deportivo“ lobt die Münchner, weil sie gnadenlos waren: „Die nächste bittere Niederlage schiebt die Blaugrana in die Europa League. Barça wird einmal mehr gedemütigt. Die Münchner kannten keine Gnade. Barcas Illusionen wurden an die Wand der Realität gestempelt. Abgesehen von den ersten zehn Minuten war das Team den Deutschen, die viele Chancen auf noch mehr Tore hatten, unterlegen. “

Bei „Marca“ wird der Finger ebenfalls in die Wunde gelegt und der neue Fußball-Stundenplan erwähnt: „Dieses Barça gehört in die Europa League. Ab jetzt wird donnerstags gekickt. Xavis Spieler verschwanden nach den ersten 20 Minuten. Sie sind gescheitert. Ohne Ausnahme. Einzig Dembélé zauberte ein wenig, aber auch sprühte wie immer nur kurz Funken, bevor er unterging.“

Das Blatt „As“ hatte offenbar insgeheim noch mit einer fetten Überraschung gerechnet: „Barça verlässt die Elite. Das Wunder von München bleibt aus. Bayern war klar überlegen. Bayern vermittelte ohne Gas zu geben das Gefühl, den Gegner nicht schon wieder demütigen zu wollen. Barca kehrt zu den düsteren Zeiten zurück, die mehr als zwei Dekaden zurückliegen.“

„El Pais“ befürchtet, dass die Talfahrt auch eine Etage tiefer weitergehen könnte: „Barça ist der Champions League nicht würdig. Der Mannschaft von Xavi fehlt es an Wettbewerbsfähigkeit. So sind auch in der Europa League keine Spiele zu gewinnen.“

Großbritannien

Die „Daily Mail“ will erkannt haben, dass im Fan-freien Münchner Stadion irgendjemand musiziert hat: „Die Katalanen fliegen mit Pauken und Trompeten aus der Champions League.“

Bei „The Sun“ glauben sie, dass dieses Spiel der Beginn einer neuen Zeitrechnung in Barcelona sein könnte: „Neuer Tiefpunkt für Barça nach dem Verpassen der K.-o.-Phase der Champions League. Das gab es zuletzt vor 20 Jahren. Das Ende einer Ära?“

Und „The Guardian“ wendet sich an die Gamer-Szene, um das Dilemma zu verdeutlichen: „Game over. Bayern beschert Barcelona die Schmach Europa League.“

Italien

Die „Gazzetta dello Sport“ hält sich mit Wertungen zurück und bleibt sachlich: „Drama um Barcelona. Die Blaugrana ist chancenlos gegen starke Bayern und steigt in die Europa League ab.“

Und der „Corriere dello Sport“ fasst die 90 Minuten plus Nachspielzeit mit zwei Worten treffend zusammen: „Ciao Barça.“

Schweiz

Der „Blick“ erinnert an den Türsteher des Musik-Clubs „Champions League“, der tätig geworden ist: „Historische Pleite gegen Bayern. Barcelona fliegt hochkant aus der Champions League.“