Pro und Kontra: umstrittene Aktion in Stuttgart Keine Jogginghosen im Cafe: super Idee oder geht gar nicht?

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Keine Jogginghosen im Café. Ein Aushang an der Fensterfront eines Stuttgarter Cafés löst bundesweit Diskussionen aus. Zwei Redakteure kommentieren den Vorstoß.

Jogginghosen: Ein Stuttgarter Gastronom hält in Stuttgart wenig von diesem Kleidungsstück. Foto: dpa
Jogginghosen: Ein Stuttgarter Gastronom hält in Stuttgart wenig von diesem Kleidungsstück. Foto: dpa

Stuttgart - Das Café „Le Theatre“ in der Stuttgarter Innenstadt verbietet seinen Gästen Jogginghosen mit dem Aushang „We say „No“ to Sweatpants“. Der Betreiber behält sich vor, Gäste abzuweisen, die ein solches Kleidungsstück tragen. Doch für den Gastronom ist Jogginghose nicht gleich Jogginghose. Der Vorstoß ist allerdings umstritten. Die Redakteurinnen Nina Ayerle (Pro) und Christine Bilger (Kontra) sind auch unterschiedlicher Meinung.

Pro Verbot: Keine Macht dem Schlabberlook (Nina Ayerle)

Nicht jeder muss sich morgens nach dem Aufstehen ausgefähig anziehen – auch wenn Wochenende ist. Zu Hause darf man es sich mit Jogginghose auf der Couch gemütlich machen. Doch wenn man sich in der Öffentlichkeit umschaut, hat man das Gefühl, dass längst jeder überall daheim ist. Durchaus mit Selbstbewusstsein wird das formlose Ding draußen getragen – während man früher damit allenfalls klammheimlich zum Bäcker gehuscht ist und gehofft hat, niemand sieht einen. Die Modebranche versucht ja längst mit dem „Athleisure“- Trend („athletischer Freizeitlook“) die Jogginghose im Alltag salonfähig zu machen, verkauft sie als die „textilgewordene Selbstbehauptung, die baumwollene Ich-Werdung“. Was kommt als nächstes? Dass Männer und Frauen im Schießer-Feinripp-Unterhemd auf die Straße dürfen?

Natürlich ist so eine Hose bequem, vermittelt ein Freiheitsgefühl; doch wer sich in seiner ausgebeutelten Schlamperhose auf die Straße traut, der wirkt halt, als habe er keine Zeit gehabt, sich vernünftig anzuziehen oder zu duschen – als sei man eben direkt aus dem Bett gehüpft oder komme vom Sport. Kontrolle über das Leben verloren und so. Und wer will bitte im Café neben so einem Schluri sitzen müssen? Auch in 2017 steht eine angemessene Kleidung und ein gepflegtes Äußeres für eine Wertschätzung der anderen anwesenden Menschen.

Kontra Verbot: Ist der Kunde König oder Deko? (Christine Bilger)

Erlaubt ist, was gefällt, ist eine nette Redensart, aber kein zielführender Grundsatz bei der Auswahl der Alltagsgarderobe. Dennoch ist es zunächst mal die Sache des Einzelnen, worin er sich wohlfühlt und seinen Kaffee trinken möchte.

Ein Café sollte in einer Stadt, die sich als Metropole versteht, ein Wohlfühlort sein, an den man gerne geht, abschaltet und sich erholt. Ob ein knackiger junger Männerpo oder der eines weniger trainierten Artgenossen im besten Alter nun in Jeans oder einer Jogginghose steckt, ist da wohl sekundär, solange das Verhalten passt und der höfliche Umgang mit Personal und anderen Gästen gewahrt ist. Nicht jeder, der Sportkleidung trägt, ist ein „Assi“. Auch die Lagerfeldsche These, man habe sein Leben nicht mehr im Griff, ist Quark. Schließlich treibt ja manch einer auch Sport, wenn er in Jogginghose das Haus verlässt. Die Attitüde eines Cafébetreibers, Träger legerer Freizeitmode des Lokals zu verweisen, irritiert. Will er sich ein Designpublikum zusammenstellen? Den Kunden als Deko einsetzen? Oder auffallen, nach dem Motto, es gibt keine schlechte PR, Hauptsache man macht von sich reden? Jeder einzelne Grund wäre seltsam.

PS: Die Verfasserin dieser Zeilen besitzt Sporthosen, die sie im Fitnessstudio ihres Vertrauens oder in den eigenen vier Wänden trägt, nicht jedoch zum Ausgehen.

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