Probleme bei der Schülerbeförderung Wenn der Schulheimweg zur Geduldsprobe wird

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80 Minuten für zehn Kilometer – die Busverbindung für Schüler zwischen Hochdorf und Kirchheim verursacht erheblichen Ärger. Der Wille auf Seiten des Landratsamts, die Situation zu verbessern, ist gering.

Mit dem Bus der Linie 144 beginnt die letzte Etappe des Heimwegs. Foto: /Horst Rudel
Mit dem Bus der Linie 144 beginnt die letzte Etappe des Heimwegs. Foto: /Horst Rudel

Hochdorf/Kirchheim - Dieser Zustand ist schlicht untragbar“: Diese Meinung vertritt nicht nur Hans-Ulrich Lay, der stellvertretende Rektor des Kirchheimer Schlossgymnasiums. Er teilt sie auch mit zahlreichen Eltern aus dem rund zehn Kilometer entfernten Hochdorf. Denn zwischen dem Schulschluss am Kirchheimer Schlossgymnasium und der Heimkehr ihrer Kinder liegen zwei lange und eine kürzere Wartezeit an drei Haltestellen – und insgesamt rund 80 Minuten Reisezeit.

Das Problem existiert seit Beginn dieses Schuljahrs. In der Vergangenheit haben die Hochdorfer traditionell ihre Kinder aufs Plochinger Gymnasium geschickt. Im Schuljahr 2018/2019 gab es deshalb im Schlossgymnasium in Kirchheim nur vier Hochdorfer Schüler.

Plochingens Gymnasium wird saniert – das hat Folgen

Doch weil das Plochinger Schulgebäude mehrere Jahre lang saniert werden muss, die Einrichtung deshalb an ihre Kapazitätsgrenzen stößt und die Schule nur noch wenige auswärtige Kinder aufnehmen kann, müssen die Hochdorfer nun nach Kirchheim ausweichen. Dabei haben sich die Eltern von 15 Fünftklässlern für das Schlossgymnasium entschieden.

Der morgendliche Transport zur Schule klappt noch einigermaßen gut, auch wenn der Beginn des Unterrichts für die Kinder oft nur mit einem Sprint von der Haltestelle erreichbar sei, so berichten mehrere Lehrer. Aber beim Rückweg nach der sechsten Unterrichtsstunde gibt es Probleme. Die beginnen schon damit, dass der Unterricht um 12.40 Uhr endet, der Bus zum Kirchheimer Bahnhof aber erst – mit Rücksicht auf den Anschluss zur S-Bahn – um 13.02 Uhr von der nahe gelegenen Haltestelle losfährt. Relativ schnell geht es vom Bahnhof weiter mit der Linie 168 nach Notzingen. Hier allerdings müssen die Schüler nicht nur einen langen Umweg über eine Haltestelle im Ortsteil Wellingen in Kauf nehmen. Dort ausgestiegen, müssen sie weitere zehn Minuten auf einen Bus der Linie 144 warten. Denn der holt zunächst die Hochdorfer Kinder am Plochinger Gymnasium ab und – Zugeständnis des Landratsamts und des zuständigen Busunternehmers seit diesem Schuljahr – fährt dann von Hochdorf eine Kurve nach Wellingen, um die Gymnasiasten der Kirchheimer Schulen abzuholen.

Der ÖPNV sei nun einmal kein Wunschkonzert

Der beim Esslinger Landratsamt für den Schülertransport zuständige Amtsleiter Klaus Neckernuß verweist auf diese Lösung, die er für „absolut zumutbar“ hält. Die langen Wartezeiten hätten ja auch gelegentlich den Vorteil, dass man den Anschluss bei Verspätungen nicht verpasse. Im vergangenen Jahr sei die Verbindung noch schlechter gewesen, argumentiert er. Der ÖPNV sei nun einmal kein Wunschkonzert, sondern müsse den Interessen vieler Menschen gerecht werden. Eine deutliche Verbesserung sei nur unter erheblichem Personal- und Finanzaufwand zu erreichen, der sich angesichts der doch überschaubaren Schülerzahl aus Hochdorf nicht rechtfertigen lasse.

Sollten in Zukunft noch weitere Hochdorfer Kinder hinzukommen, könne man aber über eine Zwischentaktfahrt sprechen, die den Schülern zumindest einen Umstieg und zwölf Minuten Reisezeit ersparen würde. In diese Richtung argumentiert auch die Kirchheimer Ratschefin Angelika Matt-Heidecker. Sie sei zwar in der Sache nicht zuständig, wünsche sich aber, dass über eine Verbesserung der Situation gerade im Hinblick auf weitere Hochdorfer Schüler in den kommenden Jahren noch einmal nachgedacht werde.




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