Problemfall in Stuttgart-Mitte Prominente kämpfen für Aufwertung des Stadtgartens

Ein Schandfleck: Die Brunnenanlage im Stadt Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein Schandfleck: Die Brunnenanlage im Stadt Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Eine Initiative mit 20 hochkarätigen Mitgliedern fordert im Doppelhaushalt Mittel für die Aufwertung des Stadtgartens. Die Wegeverbindung mit den diagonalen Verbindungen soll grundsätzlich geändert werden.

Lokales: Martin Haar (mh)
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Stuttgart - Der Stadtgarten, das Kleinod an der Uni und der Landesbank soll schöner werden. Darüber sind sich viele Menschen in der Stadt einig. Und doch holpert die Sache ein wenig. Aus diesem Grund haben sich nun 20 Anlieger und Akteure rund um den kleinen Park zur Initiative Quartier Stadtgarten zusammengeschlossen, um der Aufwertung Nachdruck zu verleihen. Sprecher der Initiative ist Klaus Jan Philipp, Professor am Institut für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart.

Ein Brief ging an OB Frank Nopper

In Absprache mit den übrigen Mitgliedern der Initiative hat Philipp, der auch IBA-Beauftragter der Universität ist, nun einen Brief mit Forderungen an OB Frank Nopper und die Fraktionsvorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Parteien geschickt. Offenbar mit erstem Erfolg, wie Philipp sagt: Nopper habe die Sache an das Gartenbauamt, an die IBA-Beauftragte der Stadt, Alice Kaiser, weitergegeben. Sogar das Landschaftsarchitekturbüro g2, das 2013 den Wettbewerb zur Neugestaltung des Stadtgartens gewonnen hatte, ist einbezogen und arbeitet nun an einer Überarbeitung. Doch das Wichtigste fehlt, wie Philipp sagt: „Im nächsten Doppelhaushalt sollen Gelder für die Umgestaltungsmaßnahmen eingestellt werden, sicher ist die Sache aber noch nicht. Auch kennen wir derzeit noch keinen neuen Planungsstand.“

Das Potenzial sei keineswegs ausgeschöpft

Dabei hat die Sache aus Sicht der Initiative eine große Bedeutung, wie es im Brief an Nopper heißt: „Wir sind uns einig in der Überzeugung, dass der Stadtgarten in seinem derzeitigen Zustand nach Aufwertungsmaßnahmen und Planungen in den letzten Jahren zwar eine hohe Qualität besitzt, jedoch längst nicht seine vorhandenen Potenziale als Stadtgarten und Campus von drei Hochschulen voll ausschöpft.“ Die Potenziale der Aufwertung werden auf drei Ebenen gesehen:    

1. Ein Ort, der verbindet

Im Bereich zwischen Russischer Kirche, Hauptbahnhof, Schlossplatz, Hospitalviertel und Berliner Platz müsse der Stadtgarten gut erreichbar sein und eine sinnvolle Wegeführung haben, heißt es im Brief. Die Kritik lautet: Durch die vielspurigen Straßen (Holzgartenstraße, Kriegsbergstraße, Friedrichstraße, Schlossstraße) sei der Stadtgarten von den umgebenden Stadtquartieren abgeschnitten. Als grüne Insel führe er ein Eigenleben, er sei isoliert. Wörtlich: „Zugangswege sind nicht erkenntlich, die tatsächliche Nähe zu zentralen Orten der Kernstadt ist nicht erfahrbar.“   

2. Ein Ort der Möglichkeiten

Der Stadtgarten solle für alle Generationen der Stadtgesellschaft ein ansprechender ruhiger Ort der Erholung sein. Zudem soll er Möglichkeiten für kulturelle und sportliche Aktivitäten haben sowie differenzierte gastronomische Angebote bieten. Dabei störe vor allem die seit den 1970er Jahren (Bundesgartenschau 1977) bestehende diagonale Wegeführung durch den Stadtgarten. Diese solle teilweise auf die ursprüngliche orthogonale Wegeführung zurückgesetzt werden. Die jüngsten Aufwertungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der Slackline-Parcours, würden zwar bereits eine Zone für sportliche Aktivitäten bilden. Dagegen seien der Spielplatz an der Kriegsbergstraße und die Trainingsgeräte an der Schellingstraße völlig ungenutzt.

Gleiches treffe auch auf die Zonen östlich und westlich der Universitätsbibliothek zu. Die Forderung lautet: Alle diese weitläufigen Flächen müssten als Erholungsräume qualifiziert werden und sollten auch für temporäre kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Nicht zuletzt müsse eine niederschwellige Gastronomie mit öffentlichen Toiletten den Stadtgarten attraktiver machen und zugleich für Sicherheit und Sauberkeit sorgen.    

3. Ein Begegnungsort

Der Stadtgarten soll ein Ort der niederschwelligen Kommunikation, des interkulturellen Austauschs und des gemeinsamen Erlebnisses ökosozialer und kultureller Angebote sein. Das derzeitige Nutzungskonzept mit den verschiedenen aktivierten Flächen (Plastiken, Taubenhaus, Brunnen und Pflanztrögen, Trainingsgeräte sowie Spielplatz) sollte daher hinterfragt und geprüft werden. „Überall fehlt es an qualitätsvoller Möblierung zum Verweilen oder Brettspielangebote, wie sie zum Beispiel bei der Aufwertung des Feuersees jüngst so erfolgreich installiert worden sind“, schreiben die Initiatoren in ihrem Brief. Weiter heißt es: Für den interkulturellen Austausch seien auch die Erinnerungsorte innerhalb des Stadtgarten, der nicht nur eine positive Geschichte erlebt habe, wichtig. „Diese Vielgestaltigkeit des Stadtgartens als dem lebendigen, offenen Ort der Stadtgesellschaft gilt es entsprechend den heutigen Bedürfnissen und Wünschen der Stadtgesellschaft wiederzugewinnen“, heißt es im Brief an Oberbürgermeister Frank Nopper.

20 hochkarätige Mitglieder der Initiative Quartier Stadtgarten

Hochschule
Um den Prozess der Erneuerung zu unterstützen, findet an der Uni Stuttgart im Winter- und im Sommersemester 2022 ein Praxisseminar im Masterstudiengang „Planung und Partizipation“ zu einem Partizipationsverfahren zur Umgestaltung statt.

Initiatoren
Die Unterzeichner der Initiative: Universität Stuttgart: Rektor Wolfram Ressel, Hochschule für Technik Stuttgart: Rektorin Katja Rade. DHBW Stuttgart: Rektor Joachim Weber. Linden-Museum: Direktorin Inés de Castro. WRS GmbH: Veith Haug. Kreativwirtschaft Verband Region Stuttgart: Planungsdirektor Thomas Kiwitt. Literaturhaus Stuttgart: Leiterin Stefanie Stegmann. Forum Hospitalviertel: Vorstand Eberhard Schwarz. Klinikum Stuttgart: Bauleitung Boris Finkbeiner. Universitätsbibliothek: Direktor Helge Steenweg. Studierendenwerk Stuttgart: Geschäftsführer Marco Abe. Begegnungsraum: Adelheid Schulz. Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete: Daniel Rau. Finanzgericht & Landesarbeitsgericht: Präsidialrichterin Petra Wolfinger. Landesamt für Geoinformation & Landentwicklung: Stefan Eisenmann. Börse Stuttgart: Sprecher Bernd Stockmann. L-Bank: Sprecherin Cordula Bräuninger. Bankhaus Ellwanger & Geiger: Vorstände Volker Gerstenmaier und Harald Brenner. PWC GmbH: Standortleiter Marcus Nickel. Agip Station: Christian Irmler. Mezzogiorno GmbH: Tatjana Krumpschmid. Valle GmbH: Gianni und Giuseppe Valle. Piccadilly English Shop: Peter Sondheim. IBA’27: Intendant Andreas Hofer.




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