Probstsee in Stuttgart-Möhringen Pläne des Umweltamts gehen nicht auf

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Das Umweltamt will am Probstsee in Stuttgart-Möhringen die Schwarzpappel fördern. Doch anderes gedeiht viel besser und scheint den jungen, nachgepflanzten Bäumchen das Leben schwer zu machen. Was nun?

Die mehrstämmige Pappel am Prostsee wurde im vergangenen Frühjahr gefällt, weil sie nicht mehr standsicher war, so die angabe der Stadtverwaltung. Foto: Alexandra Kratz
Die mehrstämmige Pappel am Prostsee wurde im vergangenen Frühjahr gefällt, weil sie nicht mehr standsicher war, so die angabe der Stadtverwaltung. Foto: Alexandra Kratz

Möhringen - Man muss sie richtig suchen: Irgendwo zwischen Hartriegel, Haselnuss und andern Büschen und Bäumen wächst eine zierliche Schwarzpappel. Sie wird gestützt von einem Holz, das mehr als doppelt so dick ist wie ihr Stamm. Im unmittelbaren Umfeld ist der Wildwuchs von Menschenhand etwas zurückgedrängt worden, damit das junge Bäumchen wachsen kann. Denn das Ziel der Stadtverwaltung ist es, am Probst­see in Möhringen die einheimische Schwarzpappel zu fördern. Sie sei stark bedroht, biete aber prinzipiell vielen Insekten eine Nahrungsquelle, heißt es aus dem Amt für Umweltschutz.

Das Ziel ist im neuen Artenschutzkonzept festgehalten, das im Frühjahr von der Fachverwaltung vorgelegt wurde. Um gute Startbedingungen für die an mehreren Stellen nachgepflanzten jungen Bäumchen zu schaffen, ließ die Stadt damals einige Gehölze fällen. Darunter waren aber auch welche, die nach Angaben der Verwaltung sowieso nicht mehr standsicher gewesen seien. Das Ergebnis ist allerdings, dass es auf den Wiesenflächen ringsum deutlich mehr Licht gibt, und dies begünstigt Wildwuchs.

Alles was macht, hat Nebenwirkungen

Johannes Baumgart kann darüber nur schmunzeln. Der Möhringer wohnt in unmittelbarer Nähe des Sees und hat das Artenschutzkonzept von Anfang an kritisiert. Der studierte Landwirt arbeitet seit mehr als 40 Jahren in der Entwicklungshilfe in Afrika und Lateinamerika. Lange Zeit war er im Naturschutz tätig. Dort habe er gelernt, dass man die Dinge nie monofaktoriell betrachten könne, sagt er. Alles was man mache, habe Nebenwirkungen – so zum Beispiel die Bäume und Büsche, die sich selbst ausgesät haben.

Die Fachverwaltung hingegen zeigt sich wenig überrascht. „Bei manchen Baumarten ist es normal, dass nach der Fällung Wurzelschösslinge in der Umgebung entstehen“, heißt es in der Stellungnahme. Doch weil die Flächen regelmäßig einmal pro Jahr gemäht werden, würden die Schösslinge das Wachstum der neu angepflanzten einheimischen Schwarzpappeln nicht beeinflussen. „Wenn diese Bäume größer werden, wird den Schösslingen mit der Zeit auch das Licht fehlen und sie verkümmern“, schreibt das Umweltamt. Der Aufwand für das Zurückdrängen des Wildwuchses sei überschaubar, da die Fläche ohnehin jährlich gemäht werden müsse.

Der Probstsee ist eine Pilotfläche

Zum Hintergrund: Der Probstsee ist eine der sogenannten Top-E-Flächen. Das sind Pilotflächen, bei denen die Verwaltung hofft, mit geringem Aufwand einen hohen Nutzen erzielen zu können. Am Probstsee hat das Umweltamt bereits mit der Umsetzung begonnen. Der Gemeinderat hat dafür im aktuellen Doppelhaushalt 7195 Euro bereit gestellt. Mit dem Geld hat die Stadt den östlichen Röhrichtbereich einzäunen lassen. So sollen Rückzugs- und Brutmöglichkeiten für Tierarten wie zum Beispiel das Teichhuhn geschaffen werden. Zudem sollen Uferbereiche ausgelichtet und Bäume besser gepflegt werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, bestimmte Wiesenbereiche nur noch zweimal im Jahr zu mähen. Die Verwaltung schätzt die jährlichen Kosten für besseren Artenschutz am Probstsee auf knapp 40 000 Euro.

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