Neue Stuttgarter Kinoreihe „Cinema Futuro“ zeigt übersehene Meisterwerke

Als eine junge Vegetarierin (Garance Marillier) in einem  Aufnahmeritual an der Universität gezwungen wird, Fleisch zu essen, gerät sie in einen carnivoren Rausch. Foto: imago/ZUMA Press/Focus World 3 Bilder
Als eine junge Vegetarierin (Garance Marillier) in einem Aufnahmeritual an der Universität gezwungen wird, Fleisch zu essen, gerät sie in einen carnivoren Rausch. Foto: imago/ZUMA Press/Focus World

Die neue Stuttgarter Filmreihe „Cinema Futuro“ bietet jeden zweiten Montag im Monat progressiven Filmstoff. Der Co-Kurator Colyn Heinze erklärt, worauf es ihm ankommt.

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Stuttgart - „Cinema Futuro“ zielt auf alle Cineasten ab, möchte aber speziell eine jüngere Zielgruppe ins Kino Cinema am Schlossplatz locken.

Herr Heinze, was hat Sie bewogen, diese Filmreihe zu starten?

Mein Co-Kurator Sebastian Selig und ich sind beide filmverrückt. Als die Rettung des Metropol-Kinos nicht gelungen ist, haben wir uns gefragt, wie man die Kinokultur in der Stadt stärken kann – und sind darauf gekommen, dass es hier viele großartige Filme gar nicht zu sehen gab, die ästhetisch oder inhaltlich prägend waren. So wie unser Auftaktfilm „Raw“.

Der handelt von einer jungen Frau, die zur Kannibalin wird, und ist gespickt mit gesellschaftspolitischen und feministischen Referenzen – ist das Ihre Stoßrichtung?

Wir wollen eine junge Zielgruppe abholen mit avantgardistischem Kino, das deren Themen verhandelt: Rassismus, Geschlechterfragen, Ungerechtigkeit. Ganz wichtig ist uns der weibliche Blick, es gibt viele tolle Regisseurinnen, die neue Wege beschreiten und weibliche Identitäten beleuchten. Julia Ducournau hat mit ihrem zweiten Film „Titane“ in Cannes gewonnen, als wir ihr Debüt „Raw“ schon im Auge hatten.

Gibt es ein Begleitprogramm?

Ja, wir wollen die Atmosphäre im Cinema mit seinem Foyer nutzen für Empfänge und Einführungen mit Filmleuten und Experten. Wenn Filme eine spezielle politische Message haben wie etwa der afroamerikanische Bürgerrechtsfilm „Judas and the Black Messiah“, kommt unser Wissen schnell an Grenzen, da wollen wir uns eine Filmwissenschaftlerin oder einen Historiker einladen. Auch da ist es uns wichtig, zeitgemäß zu sein, also vielleicht eine junge Wissenschaftlerin zum Thema einzuladen, die selbst Rassismuserfahrungen gemacht hat.

Wie finanzieren Sie „Cinema Futuro“?

Dank Filmförderung und Kulturamt haben wir eine Finanzierung bis Jahresende und hoffen, dass das dann weitergeht. Wir haben nur Sachkosten, Sebastian und ich machen das ehrenamtlich und pro bono. Wir sehen die Filmreihe auch als Vorbote für das geplante Stuttgarter Haus für Film und Medien.

Der Kurator und die Filmreihe

Colyn Heinze
 Geboren in Stuttgart, engagiert er sich in der Kommunalpolitik, ist stellvertretender Bezirksvorsteher in Vaihingen und im Vorstand des Club Kollektivs.

Cinema Futuro
  Jeden zweiten Montag im Monat im Kino Cinema am Schlossplatz, Autakt am 11.10. um 19.30 mit „Raw“.  




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