Promis und ihre Lieblingskunstwerke Ein Riesennest für die gute Laune

In dieser Serie stellen wir Prominente und ihre Lieblings-Kunstwerke in der Region Stuttgart vor. Heute: Der Spitzenkoch Franz Feckl aus Ehingen, der ein ganz eigenes Rezept hat gegen Stress – er genießt Landart.

Das Ziel seiner Spaziergänge ist stets dasselbe:  Franz Feckl fühlt sich  unter der Installation von Mathias Schweikle im Glück. Foto: factum/Bach
Das Ziel seiner Spaziergänge ist stets dasselbe: Franz Feckl fühlt sich unter der Installation von Mathias Schweikle im Glück. Foto: factum/Bach

Ehningen - Die Küchenwände sind gespickt mit Smileys. Als Franz Feckl die Fläche mit weißen Fliesen verkleiden ließ, haben die Handwerker überall auch Kacheln mit den lustigen Kerlchen verlegt. „Sie sind ein Geschenk von Rainer Ganske, dem einstigen Chef der Ehninger Wohnbaugesellschaft“, sagt Feckl. „Damit meine Köche im Frühdienst etwas zum Schmunzeln haben“, fügt der 61-Jährige scherzend hinzu. Denn schon um 7 Uhr geht es im Landhaus Feckl bisweilen schon stramm zur Sache. Selbst der Chef ist hin und wieder etwas gestresst, schließlich muss das erworbene Renommee jeden Tag aufs Neue unter Beweis gestellt werden.

Der Osterhase legt Eier in den Korb

Für Franz Feckl gibt es aber einen Fluchtpunkt. Wenn er zwischendurch mal genug hat von dem Geschnibbel, den Soßen und dem Klappern der ­Töpfe, hängt er seine Schürze an den ­Haken, zieht sich rasch eine Jacke über und entschwindet. „Dann marschiere ich zu meinem Lieblingskunstwerk ins Maurener Tal“, sagt er. Hinter seinem Domizil, dem Landhaus Feckl im Keltenweg, beginnt ­grüne Landschaft, durchschnitten von der Autobahn 81. Franz Feckl geht die Unterführung hindurch, und dann sind es nur noch wenige Schritte, bis drei Stelzen ­auftauchen, in deren Mitte in etwa zehn Meter Höhe ein Korb hängt. Wenn er das ungewöhnliche Riesennest sieht, huscht ihm unweigerlich ein Lächeln übers ­Gesicht.

Seit 2014 bereichert Landart von Mathias Schweikle, dem Künstler aus Pfalzgrafenweiler, die Natur. Im ­Rahmen der Sculptoura, des Kunstpfads zwischen Weil der Stadt und Waldenbuch. Vor Ostern legt der Osterhase drei Eier in den Korb.

Nach Ostern werden die mehr als hundert Kilogramm schweren Exemplare regelmäßig wieder herausgehievt. „Wenn ich hierherlaufe, stellt sich ein Glücksgefühl ein“, sagt der Mann aus Ober­bayern. Am Anfang habe er gedacht, „das passt doch nicht“, berichtet er. Je häufiger er aber an der Installation vorbeikam, desto besser gefiel sie ihm. Mittlerweile ist es fast ein Ritual geworden, an dem Nest entlangzuspazieren. Oft ist Feckls Ehefrau Manuela dabei, eine größere Tour führt über das Hofgut Mauren. Nachts ist das Kunstwerk beleuchtet. Dann weist es nicht nur den Autofahrern auf der A 81 den Weg. Die Feckls können es auch von ihrer Terrasse aus sehen. Ein Leben ­ohne Schweikles Landart? Für die Feckls eigentlich unvorstellbar.

Von der A 81 aus zu sehen – und von der Terrasse der Feckls

Fußball als zweite Leidenschaft

Um die Holzstelzen zu schützen, hat Schweikle sie vor Weihnachten in weißen Stoff gewickelt, in den Goldfäden eingewoben sind. Symbolisch sozusagen. „Das Wertvollste, was wir haben, ist die Natur“, sagt Franz Feckl. Knapp zehn Minuten braucht er zu Fuß dorthin, wenn er sich nicht – wie jetzt – eine Achillessehnenreizung zugezogen hat. Beim Fußball. Das ist neben dem Kochen seine Leidenschaft. Früher hat er Squash gespielt, sogar in der Oberliga. Hat nachts trainiert, weil er tagsüber immer in der Küche stand. Geblieben ist der Fußball. In Auswahlmannschaften tritt er meist mit der Nummer zehn an. Als Filigrantechniker. Zuletzt bei der Fußball-Europameisterschaft der Köche in Wiesbaden. Im Endspiel besiegte die deutsche Elf die Spitzenköche der Schweiz mit 3:1. In Oberbayern hat er im Verein bis zur Kochlehre gespielt. Dann war es damit vorbei.

Zwei Sterneköche im Kreis Böblingen

Heute ist Franz Feckl einer von zwei ­Köchen im Kreis Böblingen mit Michelin-Stern. Vor 30 Jahren an seinem Geburtstag, am 17. November, ist er ihm verliehen worden. Die Tester besuchen ihre Kandidaten anonym, nur einmal hat er einen erkannt – und sich erst recht ins Zeug gelegt. Das war noch in der Zeit, als er das Restaurant Schloss Höfingen führte. Neben Franz Feckl hat Erik Metzger vom Gasthof Krone in Waldenbuch den begehrten Stern. Der Kollege habe bei ihm Erfahrungen in der Kochkunst der klassischen Gourmetküche gesammelt, etwa wie die Feckl’sche Spezialität zubereitet wird: der weit und breit ­berühmte Ochsenschwanz.

Viele der 16 Köche im Ehninger Landhaus – darunter sind auch neun Auszubildende – tummeln sich bereits am frühen Morgen mit dem Chef in der Küche. Zum Schmunzeln gibt es da in der Regel noch nicht viel. Das übernehmen dann die ­Smileys an den Wänden.