Prozess gegen Körperschmugglerin Drogenkurierin muss ins Gefängnis

Die 26 Jahre alte Frau wurde zu einer fast dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Foto: dpa
Die 26 Jahre alte Frau wurde zu einer fast dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Foto: dpa

Eine 26 Jahre alte Frau, die am Stuttgarter Flughafen 690 Gramm Kokain in ihrem Verdauungstrakt hatte, ist zu fast drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Mutter von zwei Kindern hatte die 70 Kugeln mit Soße geschluckt – aus Geldnot.

Lokales: Oliver im Masche (che)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart/Valencia - Aus purer Verzweiflung über ihre finanziell desaströse Lage hat eine junge Frau vorigen Herbst Drogen geschmuggelt und dabei ihr Leben riskiert: Die 26 Jahre alte Frau war am 1. November dem Zoll am Flughafen in Stuttgart ins Netz gegangen. Wie sich herausstellte, hatte sie 70 Gummibehältnisse mit je fast zehn Gramm Kokain geschluckt. Wenn nur eine der fingerdicken Kugeln im Magen oder Darm der 26-Jährigen gerissen wäre, hätte dies ihren sicheren Tod bedeutet. Doch als arbeitslose, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung hatte, ging die Frau das Risiko ein. Am Landgericht ist die Drogenkurierin am Montag in einem Prozess wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Rauschgift zu einer fast dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden.

70 Drogenkugeln im Verdauungstrakt

Die Frau war den Zöllnern aufgefallen, weil sie nach ihrem Flug von Barcelona nach Stuttgart angab, Urlaub machen zu wollen, aber nur mit Handgepäck unterwegs war. Rasch verstrickte sie sich in Widersprüche. Ein Drogenschnelltest wurde durchgeführt. Und der fiel positiv aus. Später beim Röntgen in einer Klinik kam ans Licht, warum die Frau so nervös war: Sie hatte tags zuvor im spanischen Valencia die 70 sogenannten Bodypacks zu sich genommen, in denen 690 Gramm Kokain war und die insgesamt fast ein Kilogramm wogen. „Ich habe sie mit viel Soße geschluckt“, sagte die Frau vor Gericht. „Es war sehr unangenehm.“ Um die Drogenpackungen auszuscheiden, musste die 26-Jährige ein Abführmittel nehmen.

Als Grund für den Drogenkurierdienst nannte sie ihre persönliche Lage. Die alleinerziehende Mutter von zwei fünf und acht Jahre alten Kindern hatte sich in Spanien als Zimmermädchen durchgeschlagen. Als sie ihren Job verlor und keine neue Stelle fand, habe sie mit dem Rücken zur Wand gestanden, weil sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld gehabt habe.

2100 Euro für den Kurierdienst geboten

Bei Freunden fragte sie, ob sie einen privaten Kredit bekommen könne. Einer der Bekannten vermittelte sie schließlich an einen „Frank“. Der kaufte offenbar erst einmal ein Flugticket für die Frau nach Stuttgart und konfrontierte die 26-Jährige beim ersten Treffen damit, dass sie Drogen schlucken, nach Stuttgart fliegen, weiter mit der S-Bahn nach Ludwigsburg fahren und dort das Rauschgift in einem Café einem Kontaktmann geben solle. Erst habe sie sich geweigert, so die Frau. Als „Frank“ ihr aber gedroht habe, dass sie dann das Flugticket zahlen müsse und ihr zugleich 2100 Euro für den Kurierdienst bot, habe sie schließlich doch zugesagt.

Die Hintermänner des Drogenschmuggels bleiben im Dunkeln. Der Kurierdienst sei so raffiniert eingefädelt gewesen, dass keine Hoffnung bestanden habe, die Täter zu ermitteln, so die Staatsanwaltschaft.




Unsere Empfehlung für Sie