Prozess in Vaihingen/Enz Behinderte Ehefrau vergewaltigt

Das Amtsgericht hat einen 54-Jährigen wegen Vergewaltigung verurteilt. Foto: dpa
Das Amtsgericht hat einen 54-Jährigen wegen Vergewaltigung verurteilt. Foto: dpa

Das Amtsgericht hat einen 54-Jährigen zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Der Mann hatte seine behinderte und wehrlose Ehefrau vergewaltigt – weil diese sich von ihm trennen wollte. Inzwischen bereut er die Tat.

Lokales: Tim Höhn (tim)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Weil er seine behinderte Ehefrau vergewaltigt hat, ist ein 54 Jahre alter Mann aus dem Kreis Ludwigsburg am Mittwoch vom Vaihinger Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Das Paar hatte offenbar viele Jahre lang eine völlig zerrüttete Ehe geführt. Als die Frau dann Mitte Februar erklärte, dass sie sich trennen wolle, rastete der 54-Jährige aus. Nach Angaben der Staatsanwältin zertrümmerte er zunächst einen Stuhl und einen Kleiderschrank in der gemeinsamen Wohnung in Sachsenheim. Dann würgte der Mann die Frau mit beiden Händen und vergewaltigte sie anschließend. Das Opfer versuchte mit aller Kraft, sich zu wehren, war aber chancenlos – die Frau war zum Zeitpunkt der Tat aufgrund einer Behinderung teilweise gelähmt. „Das wiegt sehr schwer“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.

Das Opfer war zum Zeitpunkt der Tat teilweise gelähmt

Gleichwohl sind zwei Jahre Freiheitsstrafe nur das Minimum, das ein Gericht für den Straftatbestand der Vergewaltigung verhängen darf. Dass der Angeklagte glimpflich davonkam, hat mehrere Gründe. Die Richter, der Verteidiger und die Staatsanwältin hatten sich vorab in einem Verständigungsgespräch auf dieses Strafmaß geeinigt – für den Fall, dass der Mann ein Geständnis ablegt. Dies tat er und erklärte darüber hinaus, dass er „das alles ohne Ende bereue“. Dazu kommt, dass er nicht vorbestraft und zuvor nie gewalttätig gewesen ist. Die Frau ließ über den Vertreter der Nebenklage ausrichten, dass sie kein Interesse an einem harten Urteil gegen ihren Peiniger habe. Das Paar ist zwar getrennt, hat aber ein Kind, das möglichst wenig unter den Vorfällen leiden soll. Der Nebenklagevertreter schilderte, das Kind habe der Mutter bereits vorgeworfen, den „Papa ins Gefängnis“ gebracht zu haben.

Im Gefängnis indes war der 54-Jährige nur kurz. Nach rund zwei Monaten wurde er im April aus der Untersuchungshaft entlassen. Ein psychiatrischer Sachverständiger, der am Mittwoch auch vor Gericht aussagte, war zu der Überzeugung gelangt, dass von dem Mann keine Gefahr mehr ausgehe. Dabei räumte der Gutachter ein, dass ihm zunächst die „Haare zu Berge“ gestanden seien, als er begonnen habe, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Denn im Computer des Angeklagten waren Schriften gefunden worden, in denen er sich Suizid- und Tötungsfantasien hingab. Abgeschickt hat er die Briefe nicht. „Aber meine Mandantin hatte zeitweise Angst um ihr Leben“, sagte der Anwalt der Ehefrau. Seit der 54-Jährige wieder auf freiem Fuß sei, habe sich das Verhältnis zwischen den beiden allerdings wieder verbessert. „Aber es wird kein Zurück mehr in die Ehe geben.“

Der Psychiater gibt Entwarnung

Der Sachverständige berichtete, dass er nach mehreren Gesprächen seine Meinung über den Angeklagten geändert habe. Dieser sei weder krank noch verrückt, habe aber wegen der massiven ehelichen Probleme unter einer psychischen Belastungsstörung gelitten. Insofern sei die Tat „der traurige Tiefpunkt einer langen Fehlentwicklung gewesen“. In den Gesprächen mit dem 54-Jährigen sei deutlich geworden, dass dieser sich ernsthaft mit den Vorfällen auseinandergesetzt habe und zu seinem Fehlverhalten stehe. „Aus meiner Sicht kann ich daher eine gewisse Entwarnung geben“, sagte der Sachverständige dem Gericht. Der Angeklagte selbst versicherte, er hege keinerlei Groll mehr in sich.

Dennoch wurde das Urteil mit der Auflage verknüpft, dass der 54-Jährige eine Psychotherapie absolviert. Außerdem muss der Mann 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.




Unsere Empfehlung für Sie