Publizist aus Holzgerlingen im Kreis Böblingen Naturfreund und Eisenbahnfan

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Jürgen Schedler hat sein 25. Buch veröffentlicht. Ansporn für sein Schreiben war seinerzeit ein Ärgernis.

Jürgen Schedler beschreibt seine  Kindheits- und Jugendjahre. Foto: factum/Granville
Jürgen Schedler beschreibt seine Kindheits- und Jugendjahre. Foto: factum/Granville

Holzgerlingen - Er hat erneut in die Tasten gehauen, und das Buch, das jetzt erschienen ist, ist zugleich eine Jubiläumsausgabe. „Aufgewachsen in Heilbronn in den 50er und 60er Jahren“ heißt das neue Werk von Jürgen Schedler. Wenn der 68-Jährige aus Holzgerlingen – seit vier Jahren im Ruhestand – richtig mitgezählt hat, ist es sein 25. Buch. Mit dem Schreiben begann der frühere Vizechef des Referats für Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart lange vor seiner Pensionierung. Ein Anlass für seine zahlreichen Bahnbücher waren die häufigen Verkehrsstaus auf dem Weg zur Arbeit.

Eine stillgelegte Bahnstrecke

Schedler, der 1979 nach Holzgerlingen zog, pendelte einst mit dem Auto nach Tübingen ins RP. Dabei fiel ihm auf, das sich neben der Bundesstraße eine mit Sträuchern zugewachsene Bahnstrecke befand. „Auf der Straße ging bei dem dichten Verkehr manchmal nichts mehr“, erinnert sich Schedler. Er recherchierte, was es mit der stillgelegten Bahnstrecke auf sich hatte, und verfasste für die Zeitschrift „Schwäbische Heimat“ einen Beitrag. Er wanderte die Strecke mit ihren Bahnhofsgebäuden ab und schoss Fotos. Auch in der ortsgeschichtlichen Beilage des Holzgerlinger Boten schrieb er darüber und wies Landräte und Politiker auf die aus seiner Sicht notwendige Reaktivierung der Bahn hin.

Zehn Jahre später war es soweit. Im Winter 1996 joggte er auf den alten Gleisen zwischen Dettenhausen und der Haltestelle Zimmerschlag und hielt die Umbaumaßnahmen fest. Auch seine Tochter fotografierte die Bauzüge und überraschte ihn mit einem Bilderalbum. Die Schedlersche Dokumentation wurde zum 100. Geburtstag der Bahn, die von September 1996 an wieder fuhr, in einer Ausstellung gezeigt.

Bahnhöfe als Ausgangsorte für Erkundungen

Der promovierte Biologe widmete sich fortan anderen vormals vergessenen Strecken wie der Ammertalbahn (Tübingen-Herrenberg), der Ermstalbahn, die Metzingen (Kreis Esslingen) mit Bad Urach am Nordrand der Schwäbischen Alb verbindet, und der Wieslauftalbahn (Rems-Murr-Kreis). Er publizierte in seiner Freizeit weiter und erinnerte an die Bedeutung dieser Schienenverbindungen. Er gab Tipps für Ausflugsrouten, verfasste „Bahnwanderbücher“. Die Bahnhöfe sind Ausgangsorte für Abstecher in die Natur, oder für Stadtbesichtigungen auf der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee.

Schedler führte Wandergruppen und brachte das Werk „Von der Hohenlohe durch die Rheinebene in den Schwarzwald – ein Reisebegleiter für die längste Stadtbahnstrecke der Welt“ heraus. Und natürlich durfte zur Eröffnung der Stadtbahn zwischen seiner Heimatstadt Heilbronn und Öhringen (Hohenlohekreis) eine seiner Betrachtungen nicht fehlen.

Nicht nur ein Schreibtischtäter

Der umtriebige Senior ist aber keineswegs nur am Schreibtisch aktiv. Er nahm an einem Namenswettbewerb für neue Regio-Shuttles der Schönbuchbahn teil, durfte den Zug taufen und zur Premiere auf dem Führerstand mitfahren. Zum 1000-jährigen Jubiläum Holzgerlingens charterte er einen historischen Schienenbus mit angekoppeltem Waggon und gondelte mit den Gästen durch die Gegend. Und nicht zuletzt wirkte er an einem Beitrag des SWR-Fernsehens mit über landschaftlich reizvolle Orte entlang der Schönbuchbahn.

Das jüngste Werk des Eisenbahnromantikers ist „Mit der Bahn am Neckar entlang“. Sein Co-Autor ist wiederum Ulrich Maier, ein Schulkamerad aus Heilbronner Tagen und ehemaliger Deutsch- und Geschichtslehrer. Mit ihm blickt er auch auf seine Kindheits- und Jugendjahre zurück und auf den Wiederaufbau in Heilbronn, das im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben zerstört wurde.

Verspätungen der S-Bahn

Übrigens: Um nach Stuttgart zu pendeln, war Schedler zuletzt doch wieder auf das Auto umgestiegen. Wegen Bauarbeiten am Hauptbahnhof im Zuge von Stuttgart 21 hatten die S-Bahnen oft Verspätung.




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