In seiner Freizeit schickt Jörg Lehmann seine Lieblingsmusik und seine Sprüche über Fizz-Radio von Waldenbuch aus in die ganze Welt. Dafür legt er sogar drauf. Was treibt ihn an?

Waldenbuch - Jörg Lehmann ist einer, der quatscht gern, und er erzählt unterhaltsam. Typisch Berliner Schnauze. Reisebusse hat er früher gelenkt – und in den Passagieren stets ein dankbares Publikum gehabt. „Denen hab’ ich die Ohren vollgetaktet“, sagt er rückblickend und grinst.

Seit zwei Jahren fährt der Busfahrer auf Linie, bedient unter anderem die Strecke zwischen Böblingen und seinem Wohnort Waldenbuch. Mit quatschen ist da nicht mehr so viel. Dennoch hat Jörg Lehmann weiterhin seine treuen Fans. Er betreibt seinen eigenen Webradiosender. Über Fizz-Radio schickt der 54-Jährige seine Lieblingsmusik und seine Sprüche von Waldenbuch aus in die ganze Welt.

Radiosender ist sein Hobby

Die Radiomacherei ist ein Hobby. Verdient sei mit Fizz-Radio nichts, vielmehr müsse er eine Gebühr an den Streamserver zahlen. Warum dann der Aufwand? „Mir macht es einen Riesenspaß. Die Kommunikation mit anderen, wir sind interaktiv.“ Musik sei seine Leidenschaft, „bei uns muss den ganzen Tag über das Radio an sein“. Früher habe er in Bands Bassgitarre gespielt und auch gesungen. 1982 habe er zudem in der ehemaligen DDR seine Lizenz als staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter erworben. „Mir gefällt es, andere zu bespaßen“, sagt er.

Den Websender hat Jörg Lehmann vor acht Jahren gegründet. Radio macht er indes schon länger. Vor 14 Jahren habe er sich bei einem Moderator beschwert, weil der einen guten Song mit einem Einspieler verhunzt hatte. Dessen Reaktion: Mach’s doch besser. Gesagt, getan. Jörg Lehmann sei zur Probesendung angerückt. „Die habe ich richtig aus der hohlen Hand gemacht. Ich habe alles versaut, was ich versauen konnte“, erzählt er. Doch die rauchige tiefe Stimme, die sei angekommen. „Ich habe schon immer einen Brummbass gehabt“, sagt Jörg Lehmann, während er auf der Terrasse eine Zigarette raucht. Und: „Ich habe vom ersten Augenblick Gefallen dran gefunden.“

Studioraum von Fizz in der Kellerwohnung

Fizz-Radio sendet aus der Kellerwohnung der Lehmanns und erreicht nach eigenen Angaben 600 bis 700 Hörer im Monat. Der kleine Studioraum ist in der Senderfarbe Neongrün gestrichen, dazu blinkt Neonlicht. Zum Moderieren setzt Jörg Lehmann einen knallig grünen Kopfhörer auf – passend zur neongrünen Brille, seinem Markenzeichen. In der Regel machen es sich noch die beiden Hündchen, der Pekinese Leo und der Tibet-Spaniel Laszlo, im Studio gemütlich.

Während die Ehefrau Yvonne am Mittwochabend dran ist, schiebt ihr Mann zumeist die Sonntagsschichten. Dann wird aus Jörg Lehmann Hajo. Seinen Stil nennt er selbst „Musik mit Bums“. Evergreens, Schlager und Hits aus den Charts spielt er am liebsten, „es kann aber auch mal ein bisschen Scooter sein“. Weitere Fizz-Macher senden von anderswo. Aus Böblingen und Koblenz werden Oldies beigesteuert, der IT-Kollege aus Potsdam spielt alles Mögliche, und ab und an legt noch die „Gothic-Queen“ auf, wie Jörg Lehmann eine Mitstreiterin nennt. Zwischendrin spielt der Auto-DJ einen Mix von der 15-Gigabite-Festplatte ab. „Querbeet durch den Gemüsegarten“, sagt er dazu.

Moderieren ohne Skript

An diesem Vormittag hört sogar jemand aus den Vereinigten Staaten zu. Das sieht Jörg Lehmann an der IP-Adresse auf seinem Bildschirm. Hajo juckt’s schon wieder. Wenn das Interview beendet ist, wird er sich ein bisschen hinsetzen und moderieren, kündigt er an, „weil ich Zeit habe“.

Er macht zwei, drei Klicks, und schon hat er einen Dancehit aus dem Internet aufgerufen. Bass dröhnt aus dem grünen Kopfhörer, der auf der Tischplatte liegt. „Wenn ich hier sitze, das muss richtig wumsen“, sagt er grinsend. Was er dann live auf Sendung seinen Zuhörern erzählen will? Ob er ein Skript hat? „Icke? Nee. Alle bereiten sich immer vor. Mir macht das viel mehr Spaß so.“