Mobilitätswende in Baden-Württemberg Landesregierung will 20 Fahrradautobahnen und weniger Platz für Autos

Von Ann-Kathrin Schröppel 

Im Zuge der nötigen Mobilitätswende in Städten und Gemeinden plant die grün-schwarze Landesregierung bis 2030 eine Verdopplung des Fahrradverkehrs im Land. Gleichzeitig soll der Autoverkehr in den Städten um ein Drittel reduziert werden.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) beim ersten baden-württembergischen Radkongress in Kornwestheim. Foto: VM/Ben van Skyhawk
Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) beim ersten baden-württembergischen Radkongress in Kornwestheim. Foto: VM/Ben van Skyhawk

Kornwestheim - Auf dem ersten baden-württembergischen Radkongress traten Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann und Verkehrsminister Winfried Hermann (beide Grüne) „kräftig in die Pedale“. Im Zuge der nötigen Mobilitätswende in Städten und Gemeinden plant die grün-schwarze Landesregierung bis 2030 eine Verdopplung des Fahrradverkehrs im Land. Das würde bedeuten, Bürger müssten ein Fünftel ihrer Wege auf dem Rad zurücklegen. Gleichzeitig soll der Autoverkehr in den Städten um ein Drittel reduziert werden.

Platzproblem in Ballungszentren

In Ballungszentren wie Stuttgart kommt dieses Vorhaben mit einem Problem einher: Es gibt zu wenig Platz für fahrradfreundliche Baumaßnahmen. Um die ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen, sollten die Städte und Gemeinden im Land „dem Auto eine Spur wegnehmen“, um den Radlern so mehr Platz einzuräumen, sagte Verkehrsminister Hermann am Montag auf der von 400 Gästen besuchten Veranstaltung in Kornwestheim.

Damit das Radfahren künftig attraktiver wird, sollen bis zum Jahr 2025 zehn sogenannte Radschnellwege entstehen, bis 2030 sollen bereits 20 dieser „Fahrradautobahnen“ zu einer verbesserten Radinfrastruktur beitragen. Als Vorbilder dienen dabei ähnlich stark ausgebaute Radstrecken im europäischen Ausland, wie etwa in den Niederlanden, Dänemark oder Großbritannien. Um hierzulande bald auf ein ähnliches Niveau zu gelangen, startete die grüne-schwarze Koalition drei Pilotprojekte: Auf den Strecken Heidelberg bis Mannheim, Plochingen über Esslingen bis Stuttgart und Heilbronn über Neckarsulm bis nach Bad Wimpfen sollen die nächsten Radschnellwege entstehen. Da sich die Vorhaben noch in der Planungsphase befänden, könne ein genauer Zeitpunkt der Fertigstellung noch nicht bestimmt werden, so Minister Hermann.

Erster Radschnellweg Richtung Stuttgart

Auf kommunaler Ebene ist man bereits einen Schritt weiter: Im Landkreis Böblingen wurde der erste Radschnellweg zwischen Böblingen-Sindelfingen in Richtung Stuttgart für den Radverkehr freigegeben.

Der Verkehrsminister ist sich bewusst, dass es einer Kulturveränderung in der Gesellschaft bedarf, damit mehr Menschen aufs Rad umsteigen. Damit das Fahrrad als Fortbewegungsmittel im Alltag selbstverständlich wird, können Kommunen sich für Veranstaltungen zur Förderung des Fahrradverkehrs bewerben, etwa für ihre Grundschulen. So werde das Augenmerk vor allem auf die Kleinsten gelegt, betonte Hermann.

Keine konkreten Pläne für Stuttgart

Wie die angestrebte Mobilitätswende für die Landeshauptstadt Stuttgart konkret aussehen soll, konnte Hermann beim Radkongress in Kornwestheim nicht sagen. „Wir planen nicht die Radwege für Stuttgart. Das ist Sache der Stadt, und die Entscheidung fällt im Gemeinderat“, sagte der Minister. Um in Sachen Fahrradfreundlichkeit den Vergleich mit Städten wie Heidelberg, Freiburg oder Karlsruhe zu bestehen, müsse Stuttgart kräftig aufholen. In den letzten fünf Jahren hätte sich zwar viel getan, aber „Stuttgart war so weit hinten, dass sie noch eine Weile brauchen, bis sie ganz vorne sind“, bilanzierte der Verkehrsminister.