Radsport im Rems-Murr-Kreis Neue Hoffnung nach der Absage

Von Michael Käfer 

Der Rems-Murr-Pokal kann im Sommer aufgrund der Corona-Krise auch in abgewandelter Weise nicht ausgetragen werden. Marc Sanwald denkt jetzt daran, zumindest die baden-württembergischen Bergmeisterschaften im Herbst nachzuholen.

In diesem Sommer  fällt der Rems-Murr-Pokal  aufgrund der Corona-Pandemie aus – und damit auch  die abschließende Quälerei  auf dem Kappelberg. Foto: Privat
In diesem Sommer fällt der Rems-Murr-Pokal aufgrund der Corona-Pandemie aus – und damit auch die abschließende Quälerei auf dem Kappelberg. Foto: Privat

Fellbach - Bis zuletzt hatte Marc Sanwald um seine Veranstaltung im Sommer gekämpft. Klar war schon länger, dass der Rems-Murr-Pokal, Deutschlands einziges Drei-Etappen-Rennen für Radamateure und Jedermannsportler, nicht in gewohnter Weise stattfinden würde. Die Etappe in Backnang war frühzeitig abgesagt worden.

Die Corona-Krise hat dem 48-Jährigen einen Strich durch die Rechnung gemacht

Der Cheforganisator plante daher neben dem Auftakt in Schorndorf mit gleich zwei Etappen in Fellbach. Nun aber muss der Abteilungsleiter der beim TSV Schmiden versammelten Radsportler und Leiter des Activity-Racing-Teams Anfang August sowohl auf Schorndorf als auch auf Fellbach als Austragungsort verzichten. Die Corona-Krise hat dem 48-Jährigen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bis zuletzt hat Marc Sanwald darauf gehofft, wenigstens die Abschlussetappe des Rems-Murr-Pokals, die baden-württembergische Bergmeisterschaften am Kappelberg, zum geplanten Termin am 2. August austragen zu können. Auch dieses Vorhaben ist jetzt Makulatur.

„Lange haben wir abgewartet, die Situation analysiert und gehofft, dass sich Planungssicherheit abzeichnet“, sagt Marc Sanwald zu der jetzt erfolgten Absage. Lange hat er auch Organisationsaufgaben nach hinten schieben müssen und seine Helfer zwangsweise im Unklaren gelassen; sie hätten gegebenenfalls die Mammutaufgabe in verkürzter Zeit stemmen müssen. Jetzt allerdings musste eine Entscheidung her.

Er hatte den Verzicht auf die Hocketse an der neuen Kelter geplant

Dass der geplante Termin nicht mehr zu halten war, ist auch auf den Umgang der Verantwortlichen des Bunds Deutscher Radfahrer mit der Krise zurückzuführen. „Das Hygienekonzept, das sie mir geschickt haben, war eine Lachplatte“, sagt Marc Sanwald. Chemietoiletten, die nur mit viertelstündiger Wartezeit nach der Desinfektion erneut benutzt werden dürfen, stehen darin. Der Abstand der Kampfrichter untereinander sollte nun beim Rems-Murr-Pokal so groß sein, dass ein zweiter, den Überblick garantierender Wagen erforderlich gewesen wäre – das hätte Kosten in niedriger vierstelliger Höhe verursacht. „Das können wir als Abteilung eines Vereins nicht stemmen“, sagt Marc Sanwald, der als Veranstalter vor Ort in der Verantwortung gestanden hätte. Hinzu kamen strenge Vorgaben für die Umkleideräume der Nachwuchsfahrer, und damit kam auch das Aus des Jugendrennens.

Dass die Unterstützung seitens der Verbandsoberen in Marc Sanwalds Wahrnehmung nicht gerade überbordend war, ist deswegen besonders unerfreulich für ihn, weil er sich durchaus vertiefte Gedanken über einen gesundheitlich unbedenklichen Austragungsmodus gemacht hatte. Er hatte den Verzicht auf die Hocketse an der neuen Kelter geplant, und eine andere, längere Strecke hätte die Zuschauer auf rund elf Kilometer verteilt.

Unabhängig davon soll es auf jeden Fall auch eine elfte Auflage des Rems-Murr-Pokals als Etappenrennen geben

Die mit einem Transponder zur Zeiterfassung ausgestatteten Radsportler wären in Kleingruppen von je fünf Athleten und mit 20 Sekunden Abstand zwischen den Gruppen gestartet. „Das wäre eigentlich ideal gewesen“, sagt Marc Sanwald auch im Hinblick auf ein kürzlich unter weniger coronasicheren Begleitumständen organisiertes Radrennen in Sachsen.

Indes könnte seine Mühe nicht vergeblich bleiben, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Für Ende Oktober, besser noch Anfang November dieses Jahres hofft er auf eine erneute Chance, die baden-württembergischen Bergmeisterschaften am Kappelberg zu veranstalten. Die Corona-Pandemie könnte sich bis dahin weiter abgeschwächt haben, die Vorgaben für Radrennen könnten dadurch gelockert sein. „Und die Weintrauben sind bis dahin auf jeden Fall gelesen“, sagt der Radsportenthusiast, der die Fellbacher Wengerter nicht bei ihrer Arbeit behindern möchte.

Unabhängig davon soll es auf jeden Fall auch eine elfte Auflage des Rems-Murr-Pokals als Etappenrennen geben. „Kein Sponsor hat abgesagt, im Gegenteil: Es gibt für das nächste Jahr bereits mehrere feste Zusagen“, sagt Marc Sanwald. Als Termin ist das verlängerte Wochenende vom 30. Juli bis zum 1. August vorgesehen. Dann sollen tatsächlich zwei Etappen in Fellbach stattfinden. Vor dem obligatorischen Abschluss am Kappelberg wollen Marc Sanwald und seine Helfer erstmals auf ein Innenstadtrennen mit Start und Ziel am Fellbacher Rathaus setzen.




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