Rätsel im Rettungswesen Rettungsfristen bleiben ein Buch mit sieben Siegeln

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Waren Notärzte und Sanitäter 2015 im Kreis Ludwigsburg immer rechtzeitig am Einsatzort? Man weiß es nicht. Aus statistischen Gründen blieb die Rettungsleitstelle die Antwort auf diese wichtige Frage schuldig.

Nicht immer kommen die Helfer schnell genug an den Einsatzort. Foto: dpa
Nicht immer kommen die Helfer schnell genug an den Einsatzort. Foto: dpa

Ludwigsburg - In Notfällen haben Notarzt und Rettungssanitäter binnen 15 Minuten am Ort des Geschehens zu sein. So einfach ist die Gesetzeslage. Doch die Frage, ob diese Vorschrift im Kreis Ludwigsburg im vergangenen Jahr eingehalten wurde, lässt sich offenbar nicht so einfach beantworten.

33 Rettungsdienstbereiche (meist identisch mit den Stadt- und Landkreisen) haben jüngst ihre Daten ans Innenministerium gemeldet. Einzig der Kreis Ludwigsburg blieb eine Antwort schuldig. Denn auch die Frage, wann ein Notarzt pünktlich ist, ist nicht einfach zu beantworten. Bis vor zwei Jahren hatte jeder Rettungsbezirk seine eigene Methode, die Pünktlichkeit zu messen. Beim einen fing die Frist an, wenn das Telefon klingelt. Der andere startete die Stoppuhr – überspitzt ausgedrückt – erst, wenn der Notarzt im Autositz saß, die Route vom Navi berechnet war und der Zündschlüssel umgedreht wurde.

Dies führte dazu, dass einige Rettungsbereiche scheinbar mühelos die Pünktlichkeitsquote von 95 Prozent aller Fahrten übersprang, während andere – zum Beispiel Ludwigsburg – die Messlatte regelmäßig rissen. Solche Unterschiede bei der Messung können die Statistiken locker um fünf Prozent verändern.

Messmethodik muss umgestellt werden

Doch inzwischen wurde ein einheitliches System eingeführt. Die Frist wird von dem Zeitpunkt an gemessen, an dem beim Notruf klar wird, dass es sich tatsächlich um einen Notfall handelt. Das wiederum brachte der Leitstelle Ludwigsburg – ohne eigenes Zutun – ein Problem ein. Hier wurde vor einigen Jahren die komplette Soft- und Hardware an einen neuen Anbieter vergeben. Und das System maß die Hilfsfrist von dem Zeitpunkt an, sobald die Rettungsdienste alarmiert waren.

Hätte Ludwigsburg also diese Daten nach Stuttgart gemeldet, hätte es die Statistik später nach unten korrigieren müssen. Denn die Alarmierung erfolgt logischerweise meist 20 bis 30 Sekunden, nachdem am Telefon klar wird, dass es um einen Notfall geht. Sprich: die Messung nach der neuen Methodik ist etwas strenger. Da man sich diese Blamage ersparen wollte, wurde ein Softwarebüro damit beauftragt, die Messmethodik umzustellen.

Das dauert laut dem Landratsamt noch bis Ende des Monats. Vorher gebe es keine verlässlichen Daten darüber, ob die Rettungsdienste immer schnell genug waren. Dies war 2014 weder bei den Notärzten noch bei den Sanitätern der Fall. Deshalb wurden im Sommer 2015 auf Druck des Stuttgarter Regierungspräsidiums kostspielige Maßnahmen ergriffen.

Verpuffen die teuren Maßnahmen zum Teil?

Insbesondere die Erweiterung der Einsatzzeiten des Notarztstandorts in Ditzingen auf 16 Stunden und ein neuer Notarzt an der Tagesklinik in Vaihingen sollten die Fristen verbessern. Die Kosten für das Gesamtpaket dürften laut Insidern im siebenstelligen Bereich liegen.

Haben die Maßnahmen Auswirkungen? Auch diese Frage ist schwer zu beantworten. Der Ausbau begann erst spät im Jahr. Zudem werden die Notärzte auch oft in benachbarte Bezirke gerufen. Ditzingen etwa ist auch für Einsätze in Stuttgart oder Leonberg wichtig – das hilft der Quote im Kreis Ludwigsburg aber gar nicht. In der Geschäftsstelle des Bereichsausschusses will man dazu offenbar nur ungern Auskunft erteilen. „Uns liegen diese Informationen nicht vor“, teilt der Geschäftsführer Daniel Groß mit. Die Leitstelle zeigt sich kooperativer und teilt mit: Der Ditzinger Notarzt sei zu gut einem Drittel in den Nachbarkreisen unterwegs. Ob Groß nicht nachfragen wollte, weil er beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) beschäftigt ist? Immerhin ist der ASB Betreiber des Ditzinger Notarztstandorts. Fakt ist: er hätte ebenfalls Zugriff auf die Daten gehabt.




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