Raidt schreibt Liebe Pfahlbauten!

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Damit der Bahnhofsturm nicht zum Schiefen Turm von Pisa mutiert, wird seit geraumer Zeit heftig diskutiert, auf was der Turm nun ruht: Eisenbeton oder doch eher Holz? Unser StZ-Kolumnist Erik Raidt macht sich Gedanken rund um die Stuttgarter Pfahlfrage.

Worauf gründet er, der Bahnhofsturm? Foto: Michael Steinert
Worauf gründet er, der Bahnhofsturm? Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Aus völlig unerfindlichen Gründen steht die Bahn wegen ihrer Kommunikationspolitik massiv in der Kritik. Dabei hat sich alles, was die Bahn bisher über die Kosten und Zeitpläne von Stuttgart 21 gesagt hat, als die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit herausgestellt. Jede Zahl war zu hundert Prozent korrekt und in Stein gemeißelt – bis sie dann von einer weiteren Zahl abgelöst wurde, die wiederum tausendprozentig richtig war, so lange bis . . .

Nun bohrt sich erneut ein Stachel ins Fleisch der Tiefbahnhoffreunde. Diesmal geht es um die Frage, ob der Turm des Bahnhofs auf Holzpfählen oder auf Pfosten aus Eisenbeton ruht. Kritiker des Projekts befürchten, dass die Pfähle faulen, wenn der Grundwasserspiegel sinkt – sollte es dazu kommen, sei der Turm ein unkontrollierbarer Wackel-Dackel, der im nächsten Kaltluftstrom in sich zusammensacken könnte. Die Grünen, eine Fachpartei für die Selbst- und Fremdaufklärung, fordern die Bahn und die Stadt ultimativ dazu auf, in einem Gutachten die Pfahlfrage zu klären.

Mumifizierter Pfahlbaumensch

Dies hat sich die Bahn zu Herzen genommen. Im Zuge von Ausgrabungen ist die archäologische Fachabteilung des Konzerns zur Überzeugung gelangt, dass es sich beim Bahnhofsturm um ein Bauwerk aus der Stein- oder Bronzezeit handelt, das auf einer Stufe mit den Pfahlbauten in Unteruhldingen am Bodensee steht. Forscher hätten unweit des Turms prähistorische Essensreste entdeckt, die belegten, dass sich im Umfeld des Turms niemals eine entwickelte Hochkultur niedergelassen haben kann. Unmittelbar neben einem mumifizierten Stuttgarter Pfahlbaumenschen haben die Archäologen zudem aufschlussreiche Grabbeigaben gefunden: ein rätselhaftes Hartschalenobjekt mit Rädern, sowie ein flaches Gerät mit angebissenem Apfel, das möglicherweise vor Urzeiten einen kultischen Charakter besaß.

Die Pfahlfrage, so ein Sprecher des Ausgrabungsteams, sei bei dieser Grabung leider noch nicht endgültig geklärt worden. Man könne jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass der Turm einst auf Zahnstochern errichtet wurde. Alles Weitere werde eine Grabung klären, die spätestens im Jahr 2022 abgeschlossen sei. Die Spurensuche habe höchste Priorität, so die Bahn, es ge­be bereits einen Titel: „Der Bonatz-Code.“

Wacklige Grüße, Erik Raidt
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