Ramsbachtal Die Feldwege sind heiß umkämpft

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Die Stadt duldet, dass Kleingärtner die Wege befahren, obwohl nur landwirtschaftlicher Verkehr erlaubt ist. Manche Spaziergänger stört das.

Mancher Spaziergänger fühlt sich vom landwirtschaftlichen Verkehr auf den Feldwegen im Ramsbachtal gestört Foto: Archiv Steinert
Mancher Spaziergänger fühlt sich vom landwirtschaftlichen Verkehr auf den Feldwegen im Ramsbachtal gestört Foto: Archiv Steinert

Degerloch - Gerhard Hiller ist sauer. Der Landwirt ist einer von jenen wenigen, die die Feldwege im Ramsbachtal ganz offiziell befahren dürfen. Denn Hiller ist Landwirt; er hat einen Betrieb im Gewann Hoftäle und ist landwirtschaftlicher Obmann des Stadtbezirks. Immer wieder werde er jedoch, wenn er dort unterwegs ist, von Spaziergängern oder Radlern angepöbelt, die sich beim Flanieren oder Sporteln gestört fühlen. Das berichtete Hiller in der vergangenen Bezirksbeiratssitzung.

Der Grund für den Frust der Spaziergänger ist, dass Hiller und seine Landwirts-Kollegen nicht die Einzigen sind, die die Feldwege befahren. Auch die Pächter der Kleingartenanlagen im Ramsbachtal nutzen die Wege, um zu ihren Hobbygärten zu gelangen. Das ist zwar gesetzlich nicht erlaubt, wird von der Stadt aber geduldet, wie die Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold in genannter Sitzung verkündete.

Wenn kontrolliert würde, wären die Gärtner quasi enteignet

Bernd Eichenauer, der Leiter der Stuttgarter Straßenverkehrsbehörde, bestätigt das. An den Feldwegen sind Schilder angebracht, die klar darauf hindeuten, dass nur landwirtschaftlicher Verkehr frei ist. „Darin sind Kleingärtner nicht erfasst“, sagt Eichenauer. „Wenn wir das zu einhundert Prozent kontrollieren würden, wären aber alle rund 7000 Hobbygärtner in der Stadt die Zufahrt zu ihrem Gärtle los.“ Denn bekanntlich lägen die meisten Kleingärten im Außenbereich. Und man könne den Gärtnern kaum verwehren, dass sie Geerntetes oder Gartengeräte von und zum Garten zu Fuß transportieren müssen. Man würde sie damit quasi enteignen, sagt er.

Dass jeder Kleingärtner eine Ausnahmegenehmigung beantragen muss, hält Eichenauer für übertriebenen Aufwand. Man wäre zu lange damit beschäftigt, die Genehmigungen auszustellen. Mehr Schleichverkehr fürchtet der Verkehrsbehörden-Leiter durch die Toleranz nicht. Er ist davon überzeugt, dass sich die Bürger selbst überwachen. „Man kennt sich vor Ort meist“, sagt Eichenauer. Die Leute würden ja sehen, „ob jemand in einem Gärtle verschwindet“ oder einen Schleichweg fährt. Sollte seine Behörde Hinweise auf Schleichverkehr erhalten, würde natürlich verstärkt vor Ort kontrolliert.

Gerhard Hiller stören die Kleingärtner im Ramsbachtal nicht. „Es ist doch normal, dass die auf den Wegen fahren“, sagt er und ergänzt: „Oder sollen die zu ihrem Grundstück fliegen?“ Viel mehr stören ihn die Freizeitsuchenden, die den landwirtschaftlichen Verkehr nicht akzeptieren. „Wir brauchen die Wege zur Erhaltung der Kulturlandschaft“, sagt der Obmann. Wenn die Radfahrer und Spaziergänger nicht aus dem Weg gehen, grenze das an Nötigung.

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