Rapmusik in Bietigheim-Bissingen Ein musikalischer Flirt mit seiner Heimatstadt

Von Frank Ruppert 

Bietigheim ist so was wie eine Rapper-Hauptstadt in Deutschland. Jetzt gesellt sich zu Rin, Bausa und Shindy ein 24-jähriger Student aus Bissingen. Der Sänger und Komponist hat sich den Künstlernamen Fabi Dos Santos zugelegt. Er besingt, „was meine Freund und ich in Bietigheim so machen“.

Fabi Dos Santos musiziert in Rapperpose in der Bietigheimer Altstadt. Foto:  
Fabi Dos Santos musiziert in Rapperpose in der Bietigheimer Altstadt. Foto:  

Bietigheim-Bissingen - Bietigheim-Bissingen ist zwar schwäbische Provinz, wie der „Spiegel“ gewohnt despektierlich behauptet, aber was Rap-Musiker angeht, durchaus eine kleine deutsche Hauptstadt. Bausa, Rin und Shindy haben in der Szene hohen Stellenwert. Dazu macht im Internet gerade ein Song samt Video die Runde, die die Stadt an Enz und Metter mit Tönen und Bildern einem wachsenden Publikum quasi ans Herz legt. Die Liebeserklärung mit dem Titel „Bietighome“ stammt von Fabi Dos Santos. Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich ein 24-jähriger Mastersstudent aus Bissingen.

„Das Wort Bietighome fiel mir während einer Auslandsstation in England ein“, erklärt Dos Santos, der mit „Bietighome“ sein Debüt als Künstler wagt. Sein Song orientiert sich stark am derzeit beliebten Hiphop-Stil mit Autotune und melodiösem Refrain. Und er wandelt ein wenig auf den Spuren von Rin alias Renato Simunovic, der in seinem Album „Nimmerland“ Bietigheim mit dem Song über „Bietigheimication“ ein nettes Denkmal gesetzt hat.

EgeTrans-Arena, Viadukt und Sky-Hochhaus: die Locations für die Songs

„Inhaltlich geht es einfach darum, was meine Freunde und ich in Bietigheim so machen“, sagt Dos Santos. Ein Highlight sind die Bilder zum Song. Darin rappt er beispielsweise mitten auf der Eisfläche der EgeTrans-Arena, der Heimstätte der Bietigheim Steelers. Oder unterm Viadukt in den Enzauen oder vor und auf dem Sky-Hochhaus. „Es war von Anfang an geplant, so ein Video zu dem Song zu machen“, sagt der Künstler, der nicht nur rappt, sondern die Musik auch komponiert hat. Der Drehtermin sei an einem Tag von früh bis spät an den Locations in Bietigheim über die Bühne gegangen.

Relativ einfach sei es gewesen, in die Eishalle zu kommen: Die Stadtwerke haben ihm in der Mittagspause für eineinhalb Stunden die Türen der Arena geöffnet. „Wir sind gern dabei, junge Künstler zu unterstützen“, sagt Thilo Dittmann von den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen.

Der Großvater hat einst das Viadukt bewacht

Ein anderer Ort spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: das Viadukt. Gleich zu Beginn des Musikvideos ist es groß im Bild, Dos Santos rappt im weiteren Verlauf zwischen den steinernen Bögen. Die mächtige Eisenbahnbrücke ins Bild zu setzen, war weniger einfach. Denn eigentlich habe er auf das Bauwerk gewollt, aber die Bahn habe das nicht erlaubt. Für den 24-Jährigen hat das Viadukt indes nicht nur lokalpatriotische Bedeutung: „Mein Großvater kam verwundet aus dem Krieg zurück und konnte beim Wiederaufbau des Viadukt nicht helfen, also bewachte er nachts die Baustelle und spielte dabei Mundharmonika“, erklärt der Künstler. Dabei muss er recht gut gewesen sein, denn das Spiel gefiel einer jungen Spaziergängerin – der späteren Großmutter von Fabi Dos Santos.

Obwohl er schon von klein auf Musik mache, habe erst der Anschub eines Freundes dazu geführt, dass er im Sommer begann, diverse halb fertige Songs weiterzuentwickeln und schließlich „Bietighome“ aufzunehmen, sagt Dos Santos.

Auf eine Musikrichtung will sich Dos Santos noch nicht festlegen

Irgendwann will er zu den rappenden Aushängeschildern seiner Heimatstadt wie Bausa, Rin und Shindy aufschließen. An ihnen beeindrucke ihn, wie sie „ihr Ding“ durchgezogen hätten, gleichzeitig normal geblieben seien. Auf ein einzelnes Vorbild möchte sich Dos Santos aber nicht festlegen. Gleichzeitig hat der junge Bissinger viel Respekt für Hartmut Engler von Pur. Ihm imponiere die Art und Schaffenskraft der Bietigheimer Band rund um deren Frontmann. Dos Santos möchte sich daher nicht festlegen auf eine Musikrichtung und sich weiter auf verschiedenen Feldern ausprobieren. So produziere er etwa auch für andere Künstler Musik.

Und wie geht es weiter? „Ich will zunächst neben meinem Studium Musik machen“, sagt der 24-Jährige. Ziel sei es natürlich, einmal wie Rin, Bausa und Co. vor vielen Menschen aufzutreten, aber Dos Santos will nichts überstürzen und bodenständig bleiben. „Deswegen habe ich auch noch nicht direkt einen weiteren Song parat, den ich nachschieben kann“, sagt er.




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