Reaktionen zum TV-Duell Trump gegen Biden „Chris Wallace würde als Kindergärtner nicht überleben“

Von /dpa 

Die TV-Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden anzuschauen war ein bisschen so, wie zwei Sandkastenkindern beim Streit um eine Schaufel zuzuschauen. Auf Twitter war die Verzweiflung groß – und viele hatten Mitleid mit dem Moderator.

Chris Wallace versuchte vergeblich, Struktur in die Debatte zwischen Donald Trump (rechts) und Joe Biden (links) zu bringen. Foto: AP/Olivier Douliery 8 Bilder
Chris Wallace versuchte vergeblich, Struktur in die Debatte zwischen Donald Trump (rechts) und Joe Biden (links) zu bringen. Foto: AP/Olivier Douliery

Cleveland - „Würden Sie mal die Klappe halten, Mann?“ Auf diesen Satz lassen sich die 90 Minuten TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden zusammenschnurren. Eine chaotischere Debatte mit mehr persönlichen Attacken gab es vermutlich nie. Das Zuschauen war über weite Strecken eine Tortur – besonders leid konnte einem der Moderator Chris Wallace tun, der verzweifelt versuchte, die Kontrolle zu behalten und den Präsidenten zur Ordnung zu rufen.

Der Kommentar aus unserem Plus-Angebot: Diese Debatte war eine Farce

Auf Twitter machten viele ihrem Frust über das Debattenkuddelmuddel Luft. Viel Mitgefühl gab es für Moderator Chris Wallace. „Wallaces Auftritt heute Abend ist eine großartige Erinnerung daran, dass Kindergärtner zu wenig verdienen“, twitterte das Team der Comedysendung „The Daily Show“.

Viele Zuschauer fühlten sich, als seien sie versehentlich auf einen Spielplatz geraten, auf dem sich zwei Sandkastenkinder um eine Schaufel streiten:

„Diese ganze Debatte ist außer Kontrolle“, twitterte Michael Cohen, der frühere Anwalt und „Mann fürs Grobe“ des Präsidenten, der inzwischen ein erbitterter Gegner Trumps ist. „Joe Biden kann keinen einzigen Satz beenden, ohne von dem verzogenen Kind Donald Trump unterbrochen zu werden. Chris Wallace, tun Sie was... Drehen Sie Trump das Mikro ab und beenden Sie diesen Unsinn!“

Das Konzept der TV-Debatte war eigentlich, jeweils 15 Minuten lang sechs Themenblöcke zu diskutieren. Der Moderator stellt eine Frage, die Kandidaten haben jeweils zwei Minuten für ihr Statement, es folgt eine offene Diskussion. Diese Struktur fiel schnell auseinander.

Trump sorgte mit seinen Zwischenrufen dafür, dass Biden viele Gedanken nicht zuendebringen konnte. Der ehemalige Vizepräsident reagierte meist mit Kopfschütteln und einem ironischen Lächeln und wehrte sich gelegentlich in leicht resigniertem Ton. „Es ist schwer, mit diesem Clown auf den Punkt zu kommen“, beschwerte er sich.

„Wenn man die #PresidentialDebate2020 anschaut und an all die Frauen denkt, denen man gesagt hat, sie seien nicht präsidial genug“, twitterte eine Userin angesichts des unprofessionellen Verhaltens der beiden Politiker.

ZDF-Moderator Claus Kleber, selbst nicht unerfahren mit TV-Debatten, war fassungslos:

Bei den Zuschauern kam der Politzirkus nicht gut an. Befragt nach ihrem überwiegenden Gefühl beim Anschauen der Debatte antworteten in einer CBS-Blitzumfrage in der Nacht zum Mittwoch mehr als zwei Drittel (69 Prozent), die Diskussion habe sie vor allem verärgert. 48 Prozent sahen Biden als Gewinner der Debatte und 41 Prozent Trump. In einer Umfrage des Nachrichtensenders CNN war das Verhältnis 60 Prozent zu 28 Prozent für Biden.

Ein Tiefpunkt für viele: Der Moment, in dem Joe Biden über seinen 2015 verstorbenen Sohn Beau sprach und Trump ihn unterbrach: „I don’t know Beau. I know Hunter.“ Hunters umstrittener Posten im Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma hatte für eine politische Kontroverse gesorgt.

Ein Twitter-User schrieb: „Dass Donald Trump Hunter auf den Tisch bringt, als Joe Biden über Beau Bidens Dienst an diesem Land spricht – noch tiefer geht’s nicht.“

Die Zuschauer ließ die Debatte rat- bis fassungslos zurück:

„Es dauerte nur 15 Minuten, bis sich die erste Debatte zwischen Präsident Trump und dem ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden in ein unverständliches Chaos verwandelte. Doch in dieser Viertelstunde sahen Wähler die einzigen Dinge, die sie nach Einschätzung mancher über Trump wissen müssen: seinen Drang, zu dominieren und seine Unfähigkeit, sich zurückzuhalten“, kommentierte die „Washington Post“.




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