Reform beim Jugendarrest Lieber fördern statt wegsperren

Von SIR/dpa 

Im Jugendarrest in Göppingen und Rastatt sollen junge Straftäter von der schiefen Bahn geholt werden. Mit Förderung der Jugendlichen komme man da weiter als mit dem Wegschließen in Gefängnissen, meint der Justizminister.

In der Jugendarrestanstalt Rastatt gibt es keinen Stacheldraht, keine Wärter in Uniform. Anstatt auf absolute Sicherheit setzt Anstaltsleiter Stephan Höll auf die Erziehung der Jugendlichen.  Foto: dpa
In der Jugendarrestanstalt Rastatt gibt es keinen Stacheldraht, keine Wärter in Uniform. Anstatt auf absolute Sicherheit setzt Anstaltsleiter Stephan Höll auf die Erziehung der Jugendlichen. Foto: dpa

Im Jugendarrest in Göppingen und Rastatt sollen junge Straftäter von der schiefen Bahn geholt werden. Mit Förderung der Jugendlichen komme man da weiter als mit dem Wegschließen in Gefängnissen, meint der Justizminister.

Stuttgart - Der Jugendarrest im Südwesten soll reformiert und an neuesten pädagogischen Erkenntnissen ausgerichtet werden. Die zwei Anstalten in Göppingen und Rastatt sollen zu sozialen Trainingszentren umgebaut werden, teilte Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) am Dienstag in Stuttgart mit. „Soziale Kompetenz beugt Straffälligkeit vor.“ Zuvor hatte das Kabinett beschlossen, einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Landtag einzubringen.

Bislang war der Jugendarrest im Südwesten nur bundesgesetzlich geregelt und erfolgte laut Stickelberger auf „rechtlich dünnem Eis“. Das neue Gesetz setze Standards für den Vollzug und verankere den Anspruch der Straffälligen auf Angebote der Resozialisierung. Dazu gehören Informationen und Beratung zum Erwerb von Schulabschlüssen, Ausbildungsplätzen und Praktika sowie Freizeit- und Sportangebote. Während des Arrests setzten sich die jungen Menschen im Alter von 14 bis Mitte 20 auch mit den Folgen ihrer Tat für das Opfer und ihre eigene Familie auseinander.

„Wir setzen nicht auf Stammtischkonzepte, sondern auf pädagogische Konzepte“, sagte Stickelberger auf die Frage, ob nicht Abschreckung das Mittel der Wahl sei. Abschreckung sei etwa die Strategie des US-Strafvollzugs, der - auch aus wissenschaftlicher Sicht - nicht erfolgreicher sei als der in Deutschland.

Im Jahr 2012 wurden 1820 junge Menschen in den beiden geschlossenen Anstalten bis zu vier Wochen untergebracht. Sie sitzen dort bis zu sechs Monate ein wegen Delikten wie Raub und Körperverletzung. „Wir hoffen, dass wir sie nie mehr wiedersehen“, sagte Stickelberger. In Göppingen stehen 31 Plätze für junge Frauen und Männer bereit, in Rastatt sind es 51. Bei Strafen ab sechs Monaten gehen die jungen Menschen in die Jugendstrafanstalten in Adelsheim oder Pforzheim.

Der Jugendarrest als Sanktion unterhalb der Jugendstrafe reicht bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück, wurde aber erst 1940 eingeführt.

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