Regeln an Fasching Dinge, die an Fasching tabu sind

Von Melanie Maier 

Begeisterte Narren lassen in der fünften Jahreszeit gerne einmal „fünfe gerade“ sein – was natürlich nicht bedeutet, dass tatsächlich alles erlaubt wäre. Was geht, was nicht? Ein Überblick.

Narri-Narro: Bis Dienstag machen die Narren auch die Stuttgarter Innenstadt unsicher. Alles erlauben dürfen sie sich trotz Verkleidung nicht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 9 Bilder
Narri-Narro: Bis Dienstag machen die Narren auch die Stuttgarter Innenstadt unsicher. Alles erlauben dürfen sie sich trotz Verkleidung nicht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Am Rosenmontag erreichen die tollen Tage ihren Höhepunkt. Doch ist im „Ausnahmezustand“ alles erlaubt? Keineswegs. Narren und Feiernde sollten einige Regeln beachten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Faschingsfreie Tage: Auf freie Tage während der Faschingszeit besteht generell kein Anspruch – weder im Rheinland noch im Rest von Deutschland. Die fünf tollen Tage wurden bislang nicht als gesetzliche Feiertage anerkannt. Dem Arbeitnehmer bleibt nur die Option, selbst Urlaub zu nehmen. Zwei Ausnahmen gibt es: In manchen Tarif- und Arbeitsverträgen ist vereinbart, dass zumindest am Rosenmontag die Arbeit ruht. Darauf kann sich der Arbeitnehmer berufen. Das Gleiche gilt, wenn die Faschings-Freizeit als „betriebliche Übung“ eingestuft wird. Damit meinen Juristen: Wenn ein Arbeitgeber über drei Jahre hinweg vorbehaltlos und ohne jede Einschränkung zum Beispiel an Rosenmontag freigegeben hat, muss er das generell auch in der Zukunft tun. Allerdings muss er den Tag nicht bezahlt frei geben. Das hat das Landesarbeitsgericht in Köln entschieden (AZ: 6 Ta 76/06).

Schadenersatz: Die Zuschauer eines Rosenmontagszugs haben im Regelfall keinen Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld, wenn sie von „Wurfgeschossen“ der auf den vorbeiziehenden Faschingswagen stehenden Jecken getroffen werden. In einem vor dem Amtsgericht Aachen verhandelten Fall war eine Frau aus dem Aachener Raum von einer scharfkantigen Pralinenschachtel auf der Stirn getroffen worden und verlangte Schmerzensgeld. Das Gericht winkte ab: Es sei allgemein bekannt, dass bei Faschingsumzügen von den Festwagen aus Gegenstände geworfen werden. Durch seine Teilnahme an dem Umzug willige jeder Zuschauer „stillschweigend in ein naheliegendes Verletzungsrisiko“ ein (AZ: 13 C 250/05).

Alkohol am Steuer: Während des Faschings fließt bekanntlich viel Alkohol – und manch einer kann es nicht sein lassen, sich danach ans Steuer zu setzen. Wer betrunken erwischt wird oder gar einen Unfall baut, muss jedoch trotz der tollen Tage mit schweren Konsequenzen rechnen. Fahranfängern in der Probezeit droht schon bei geringen Mengen Alkohol im Blut eine Geldbuße von 125 bis 1000 Euro. Zudem kommen zwei Punkte aufs Konto beim Verkehrszentralregister in Flensburg. Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre. Auch Fahrern, die schon länger Auto fahren, drohen bereits ab einem Alkoholwert von 0,3 Promille ernste Sanktionen, etwa Geld- oder Haftstrafen von bis zu einem Jahr, der Entzug der Fahrerlaubnis sowie sieben Punkte in Flensburg. Sanktionen wie diese können übrigens auch ohne Unfall blühen. Bei einem Unfall ist das Strafmaß in der Regel noch höher.

Faschingszoll: Mancherorts hat sich zu Fasching bei Kindern der sogenannte Faschingszoll eingebürgert. Dabei spannen sie beispielsweise bei kleineren Straßen ein Seil über die Fahrbahn und versuchen, von Autofahrern Kleingeld für die freie Fahrt zu bekommen. „Oder sie stellen sich etwa an Ampeln oder Fußgängerüberwegen auf, klopfen an die Seitenscheiben und fordern Geld“, sagt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Er rät dringend davon ab. Die Kinder könnten sich und andere gefährden: Man müsse immer damit rechnen, dass die Autos einfach weiterfahren. „Dieser Brauch wird zwar mancherorts geduldet, ist aber nicht erlaubt“, sagt er. Es handele sich hierbei um einen Eingriff in den Straßenverkehr, der bei strafmündigen Kindern über 14 Jahre Bußgelder von bis zu 35 Euro nach sich ziehe.