Reiner Bocka vom Café Galao „Der Süden ist der bessere Westen“

Von wegen öde Betonwüste! Der Marienplatz lebt. Reiner Bocka vom Café Galao hatte an der Verwandlung des Platzes zum Szenetreff großen Anteil. Zeit für eine späte Liebeserklärung, finden Viola Volland und Ingmar Volkmann.

Reiner Bocka liebt den Marienplatz im Stuttgarter Süden: „Die Gegend ist sehr entspannt“, sagt er. Foto: Heinz Heiss 23 Bilder
Reiner Bocka liebt den Marienplatz im Stuttgarter Süden: „Die Gegend ist sehr entspannt“, sagt er. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Der Stuttgarter Winter hat es in sich. Während man darauf wartet, dass es draußen irgendwann doch noch hell wird, schlägt schon wieder die Nacht zu – gnadenlos und spätestens um 15.30 Uhr. Bevor man daraufhin in einen von der Natur so vorgegebenen Schutzmechanismus umschaltet und bis März einen persönlichen Winterschlaf zelebriert, indem alle sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert werden, möchten wir einen Platz würdigen, der 2012 den Titel „urbanste Fläche“ der Stadt gewonnen hat: den Marienplatz im Stuttgarter Süden.

Vor wenigen Jahren galt der damals neu gestaltete Platz als Betonwüste ohne Leben. Inzwischen haben nicht nur die Menschen aus dem Süden den Fleck für sich erobert. Türkische Jugendliche, Familien, Hipster, junge Erwachsene, die sich zum Feierabendbier treffen – hier sammelt sich alles, obwohl der ein oder andere Nostalgiker immer noch bemängelt, dass mindestens eine Kastanie auf dem Platz fehlt. Auf eine Begrünung wollte aber scheinbar keiner warten, Anwohner und sonstige Frischluft-Fanatiker haben sich heimlich, still und leise in eigener Regie den Beton zurückerobert

„Die Gegend ist sehr entspannt, der Platz hat sich toll entwickelt, dabei könnte er sogar noch viel mehr sein“, sagt einer, der an der Verwandlung des Marienplatzes zum Szenetreff einen großen Anteil hat: Reiner Bocka. Gemeinsam mit Oliver Brünemann und Marcel Brucker führt Bocka das Café Galao in der Tübinger Straße – ein Treffpunkt von Künstlern, Kreativen und sonstigen Freigeistern der Stadt.

Premiere für das Marienplatzfestival

Diesen Sommer hat er mit Mitstreitern das Marienplatzfestival organisiert, auch für die Partyreihe Silent Friday ist Bocka, der sich als Reiner vorstellt und gleich zum Du übergeht, verantwortlich. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es im Zentrum des Platzes einladende Sitzgelegenheiten – auch ein paar Stelen würde er aufstellen. Im Sommer könnten Sonnensegel wehen. Wenn es um Gestaltung geht, fängt der studierte Theologe gerne das Träumen an.

Das Marienplatzfest im Juli war seine Idee. Dafür hat er kleine Türme aus Paletten aufgebaut, auf denen die Besucher saßen. Singer-Songwriter spielten kostenlos auf großer Bühne, es gab Biocrepes, indische Spezialitäten, Biobratwurst, Pasta mit veganer Sauce. Auch Platzregen hat die Gäste nicht davon abgehalten, friedlich auf dem Platz zu feiern. Noch viele Wochen später seien Leute auf ihn zugekommen, um sich zu bedanken, erzählt Bocka. „Es war der Hammer, Junge und Alte waren da“, freut er sich immer noch. Einziger Wermutstropfen: im Bezirksbeirat wurde das Festival nur unter einem Aspekt nachbesprochen – der Lautstärke.

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